Sie sind hier

Morbus Pompe

Allgemeines

Glykogenosen sind eine Gruppe angeborener Stoffwechselerkrankungen, die zu einem gestörten Abbau und damit zu einer krankhaften Speicherung des Glykogens in verschiedenen Organen führen. Betroffen sind davon vor allem die Muskulatur, das Herz und die Leber. Bei bestimmten Formen zeigen sich auch Symptome an der Haut und am Zentralnervensystem sowie im Blut in Form einer chronischen Hämolyse (Zerfall der roten Blutkörperchen). Glykogen ist ein Makromolekül, welches aus vielen Glukose- (Zucker-) Molekülen besteht. In verschiedenen Zellen, z.B. in der Muskulatur, im Herzen oder auch in der Leber kann durch den Glykogenaufbau wie in einem
Wasserspeicherkraftwerk überflüssige Energie gespeichert und bei plötzlichem Energiebedarf durch den Abbau des Glykogens wieder bereit gestellt werden. Reguliert wird der Auf- bzw. Abbau des Glykogens über
ein komplexes, fein abgestimmtes Enzymsystem in den Zellen. Störungen bei der Bildung jedes einzelnen dieser Enzyme führen jeweils zu einem der verschiedenen Glykogenose-Krankheitsbilder. Nur bei einer Erkrankung
ist die Glykogenbildung betroffen, in der Regel handelt es sich um Störungen des Glykogenabbaus. Inhalt dieser Broschüre sollen nur die zwei Formen sein, die diebedeutendsten Symptome an der Muskulatur
zeigen: der Morbus Pompe (Glykogenose Typ II, Saurer-Maltase Mangel, AcidMaltase deficiency) und die McArdle Erkrankung (GlykogenoseTyp V, Phosphorylase-Mangel, Phosphorylase deficiency).

Morbus Pompe

Namensgebend für diese Erkrankung war der niederländische Pathologe Pompe, der 1932 die krankheitsbedingten Auffälligkeiten erstmals in einen Zusammenhang bringen konnte. 1963 konnte erstmals das Enzym, die saure alpha-Glukosidase, beschrieben und dessen Fehlen als Ursache für die Erkrankung verantwortlich gemacht werden.

Ursache

Der Morbus Pompe (alpha-Glukosidase Mangel) ist eine angeborene, autosomal rezessiv vererbte, sog. lysosomale Speicher - erkrankung. Lysosomen sind kleinste Zellbestandteile, in denen bestimmte Stoffe (wie Glykogen = Speicherform von Zucker) gespeichert und abgebaut werden. Zum Abbau des gespeicherten Glykogens ist unter anderem das Enzym alpha- Glukosidase notwendig. Genetische Veränderungen (Mutationen) im Gen der sauren alpha-Glukosidase führen zu einer verringerten Bildung oder Aktivität des Enzyms und damit zu einem gestörten Abbau des Glykogens in den Lysosomen. Die übermäßige Speicherung des Glykogens führt dann zu Funktionsstörungen in mehreren Organen, insbesondere in der Muskulatur, dem Herzen und der Leber.

Erkrankungsbeginn

Die Einteilung der Erkrankung in eine klassische infantile Form mit Erkrankungsbeginn im Säuglingsalter und einen nicht-klassischen Typ mit Erkrankungsbeginn in der Jugend oder im Erwachsenenalter gibt die Realität nicht ganz korrekt wieder und wird zunehmend aufgegeben. Der Beginn des Auftretens der Symptome, die Symptomatik an sich und der Verlauf der Erkrankung sind äußerst variabel und fließend. Ein Erkrankungsbeginn im Neugeborenenalter, in den ersten Lebenswochen, ist ebenso möglich wie im Erwachsenenalter. Eine schwerste Muskelschwäche, Atemund Herzfunktionsstörung (Kardiomyopathie) kann sich schon kurz nach der Geburt einstellen, aber es kann auch sein, dass nur eine verminderte Ausdauer bei sportlichen Belastungen oder eine Haltungsschwäche Symptome der Erkrankung sind. Diagnostisch entscheidend ist die Bestimmung der Enzymaktivität der sauren alpha-Glukosidase im Muskel, in Leukozyten oder in Fibroblasten. Enzymaktivitäten über 50% des Normalen gehen nicht mit Symptomen einher. Bei Werten von ca. 10-40% zeigen sich die Beschwerden im Erwachsenenalter, bei Werten von 1-10% sind schwerere Symptome und ein Beginn im Kindes- und Jugendalter zu beobachten und bei Enzymaktivitäten unter 1% zeigen sich die schwersten Erkrankungsbilder.

Häufigkeit

Bedingt durch die sehr große klinische Bandbreite der Symptome sind genaue Angaben zur Anzahl der Betroffenen nicht zu treffen und nur Schätzungen über die Häufigkeit der Erkrankung in der Bevölkerung möglich. Darüber hinaus werden auch unterschiedliche Häufigkeiten in den verschiedenen ethnischen Gruppen festgestellt. Weltweit geht man von einer Häufigkeit von ca. 1 auf 40.000 bis 1 auf 300.000 Lebendgeburten aus. In Mitteleuropa schätzt man die Häufigkeit auf ca. 1:100.000. Das bedeutet, dass man in Deutschland von einer Anzahl von ca. 800 Betroffenen ausgeht, die aber nur zu einem kleineren Teil so schwer betroffen sind, dass sie auffällige Symptome haben. Die Anzahl der klar diagnostizierten Betroffenen in Deutschland beträgt derzeit ca. 150.

Symptome

Die klinischen Symptome wie auch der Erkrankungsbeginn und Verlauf des Morbus Pompe können sehr unterschiedlich sein. Bei der Form mit Beginn im Säuglingsalter fallen vor allem eine ausgeprägte Muskelschwäche und Muskelhypotonie, eine Trinkschwäche oder Schluckstörung sowie eine Vergrößerung der Zunge (Makroglossie) und der Leber (Hepatomegalie) auf. Im weiteren Verlauf führt die Glykogeneinlagerung im Herzmuskel zu einer oft massiven Vergrößerung des Herzens. In einigen Fällen können auch eine Herzschwäche oder Herzrhythmusstörungen erste Symptome sein. Bei anderen betroffenen Kindern geben Atemstörungen Anlass einen Arzt aufzusuchen. Unspezifische Symptome der Erkrankung können auch vermehrtes Schwitzen, Störungen der Magen-Darm-Funktion und körperliche und geistige Entwicklungsstörungen sein. Zum Teil werden auch Störungen der Innenohrfunktion festgestellt. Treten die Symptome erst im Jugendlichen- oder Erwachsenenalter auf, werden häufig Schwierigkeiten beim Sport oder Trep - pensteigen, beim Aufstehen aus dem Sitzen oder Liegen oder auch nur eine leichte Erschöpfbarkeit und häufige Muskelkrämpfe berichtet. Gerade Erwachsene erinnern sich rückblikkend auf die Kindheit an fehlende Schnelligkeit und Ausdauer, häufige Stürze oder ein auffälliges Gangbild. Im Verlauf der Erkrankung stehen dann eine Unsicherheit und Schwäche der körperstammnahen (proximalen) Bein- und Rückenmuskulatur im Vordergrund, sodass Gehhilfen oder später ein Rollstuhl benötigt werden. In der Regel sind insbesondere die so genannten Hüftadduktoren und Gesäßmuskeln betroffen, wohingegen die Unterschenkelmuskulatur nur gering beteiligt ist. Die Atemmuskelschwäche führt bei ca. einem Drittel der Betroffenen zur Notwendigkeit einer intermittierenden Beatmung. Dies kann sich unabhängig vom Schweregrad der Schwäche der Extremitätenmuskulatur entwickeln.

Weiter führende Information finden Sie in unserem Faltblatt "Wissenswertes über Morbus Pompe", das auf dieser Seite zum Download bereit steht.

Downloads zum Thema