Morbus Pompe

Namensgebend für diese Erkrankung war der niederländische Pathologe Pompe, der 1932 die krankheitsbedingten Auffälligkeiten erstmals in einen Zusammenhang bringen konnte. 1963 konnte erstmals das Enzym, die saure alpha-Glukosidase, beschrieben und dessen Fehlen als Ursache für die Erkrankung verantwortlich gemacht werden.

Ursache

Der Morbus Pompe (alpha-Glukosidase Mangel) ist eine angeborene, autosomal rezessiv vererbte, sog. lysosomale Speichererkrankung. Lysosomen sind kleinste Zellbestandteile, in denen bestimmte Stoffe (wie Glykogen = Speicherform von Zucker) gespeichert und abgebaut werden. Zum Abbau des gespeicherten Glykogens ist unter anderem das Enzym alpha- Glukosidase notwendig. Genetische Veränderungen (Mutationen) im Gen der sauren alpha-Glukosidase führen zu einer verringerten Bildung oder Aktivität des Enzyms und damit zu einem gestörten Abbau des Glykogens in den Lysosomen. Die übermäßige Speicherung des Glykogens führt dann zu Funktionsstörungen in mehreren Organen, insbesondere in der Muskulatur, dem Herzen und der Leber.

Erkrankungsbeginn

Die Erkrankung wird in eine infantile Form mit Erkrankungsbeginn im Säuglingsalter und einen Typ mit Erkrankungsbeginn in der Jugend oder im Erwachsenenalter eingeteilt. Der Beginn des Auftretens der Symptome, die Symptomatik an sich und der Verlauf der Erkrankung sind äußerst variabel und fließend. Ein Erkrankungsbeginn im Neugeborenenalter, in den ersten Lebenswochen, ist ebenso möglich wie im Erwachsenenalter. Eine schwerste Muskelschwäche, Atem- und Herzfunktionsstörung (Kardiomyopathie) kann sich schon kurz nach der Geburt einstellen, aber es kann auch sein, dass nur eine verminderte Ausdauer bei sportlichen Belastungen oder eine Haltungsschwäche Symptome der Erkrankung sind. Diagnostisch entscheidend ist die Bestimmung der Enzymaktivität der sauren alpha-Glukosidase im Muskel, in Leukozyten oder in Fibroblasten. Enzymaktivitäten über 50% des Normalen gehen nicht mit Symptomen einher. Neuerdings kann mittels sog. Trockenbluttests einfach und sicher der Enzymmangel im Blut getestet werden. Ein zweiter Test zur endgültigen Bestätigung der Diagnose ist aber dann noch notwendig.

Häufigkeit

Bedingt durch die sehr große klinische Bandbreite der Symptome sind genaue Angaben zur Anzahl der Betroffenen nicht zu treffen und nur Schätzungen über die Häufigkeit der Erkrankung in der Bevölkerung möglich. Darüber hinaus werden auch unterschiedliche Häufigkeiten in den verschiedenen ethnischen Gruppen festgestellt. Weltweit geht man von einer Häufigkeit von ca. 1 auf 40.000 bis 1 auf 300.000 Lebendgeburten aus. In Mitteleuropa schätzt man die Häufigkeit auf ca. 1:100.000. Das bedeutet, dass man in Deutschland von einer Anzahl von ca. 800 Betroffenen ausgeht, die aber nur zu einem kleineren Teil so schwer betroffen sind, dass sie auffällige Symptome haben. Die Anzahl der klar diagnostizierten Betroffenen in Deutschland beträgt derzeit ca. 250.

Symptome

Die klinischen Symptome wie auch der Erkrankungsbeginn und Verlauf des Morbus Pompe können sehr unterschiedlich sein. Bei der Form mit Beginn im Säuglingsalter fallen vor allem eine ausgeprägte Muskelschwäche und Muskelhypotonie, eine Trinkschwäche oder Schluckstörung sowie eine Vergrößerung der Zunge (Makroglossie) und der Leber (Hepatomegalie) auf. Im weiteren Verlauf führt die Glykogeneinlagerung im Herzmuskel zu einer oft massiven Vergrößerung des Herzens. In einigen Fällen können auch eine Herzschwäche oder Herzrhythmusstörungen erste Symptome sein. Bei anderen betroffenen Kindern geben Atemstörungen Anlass einen Arzt aufzusuchen. Unspezifische Symptome der Erkrankung können auch vermehrtes Schwitzen, Störungen der Magen-Darm-Funktion und körperliche und geistige Entwicklungsstörungen sein. Zum Teil werden auch Störungen der Innenohrfunktion festgestellt.

Treten die Symptome erst im Jugendlichen- oder Erwachsenenalter auf, werden häufig Schwierigkeiten beim Sport oder Treppensteigen, beim Aufstehen aus dem Sitzen oder Liegen oder auch nur eine leichte Erschöpfbarkeit und häufige Muskelkrämpfe berichtet. Gerade Erwachsene erinnern sich rückblickend auf die Kindheit an fehlende Schnelligkeit und Ausdauer, häufige Stürze oder ein auffälliges Gangbild. Im Verlauf der Erkrankung stehen dann eine Unsicherheit und Schwäche der körperstammnahen (proximalen) Bein- und Rückenmuskulatur im Vordergrund, sodass Gehhilfen oder später ein Rollstuhl benötigt werden. In der Regel sind insbesondere die so genannten Hüftadduktoren und Gesäßmuskeln betroffen (sog. Trendelenburgsches Gangbild mit Hüftschaukeln), wohingegen die Unterschenkelmuskulatur nur gering beteiligt ist. Die Atemmuskelschwäche führt bei ca. einem Drittel der Betroffenen zur Notwendigkeit einer intermittierenden oder auch permanenten Beatmung. Dies kann sich unabhängig vom Schweregrad der Schwäche der Extremitätenmuskulatur entwickeln.

Weiterführende Information finden Sie in unserem Faltblatt "Wissenswertes über Morbus Pompe", das nachfolgend zum Download bereit steht: