Kollagen-VI Muskeldystrophie

Die angeborene Kollagen-VI Muskeldystrophie – nach älterer Nomenklatur je nach Ausprägungsgrad auch als Ullrich-Dystrophie bzw. Bethlem-Myopathie bezeichnet – wird durch Mutationen in den drei Kollagen-VI-Genen COL6A1, COL6A2 und COL6A3 verursacht. Sehr viel seltener entsteht sie auch durch Mutationen in COL12A1. Die Erkrankung zählt zu den über 8.000 seltenen Krankheiten und hat eine geschätzte Häufigkeit von etwa 5 pro 1.000.000. In Deutschland leben somit vermutlich rund 400 Menschen mit einer Kollagen-VI Muskeldystrophie.

Basierend auf dem klinischen Erscheinungsbild handelt es sich um eine sogenannte Spektrumsstörung. Das bedeutet, dass sich die Symptome kontinuierlich über ein breites Spektrum verteilen – von frühem Beginn mit schwerer Ausprägung über eine intermediäre Form bis hin zu milden Symptomen mit späterem Auftreten (siehe untenstehende Abbildung).

Spektrum der Kollagen-VI Muskeldystrophie

Tabelle: Spektrum der angeborenen Kollagen-VI Muskeldystrophie von der Ullrich-Myopathie als schwere Form, über die intermediäre Form der Krankheit bis zur Bethlem-Myopathie als milde Form. Die wichtigsten Auswirkungen und Unterschiede werden im nachfolgenden Text beschrieben.

Betroffene am schwerwiegenderen Ende des Spektrums (Ullrich-Dystrophie) zeigen typischerweise eine deutliche Muskelschwäche mit frühzeitigem Verlust der Gehfähigkeit, Hüftluxationen bei der Geburt, Kyphoskoliose der Wirbelsäule, Keloiden (Wulstnarben), Kontrakturen großer Gelenke (Ellbogen, Knie) sowie überdehnbaren Fingergelenken. Diese Symptome können bereits bei der Geburt oder innerhalb der ersten beiden Lebensjahre auftreten. Die Betroffenen haben in der Regel eine normale Intelligenz. Auch ist bisher nicht davon auszugehen, dass der Herzmuskel betroffen ist. Eine der Hauptursachen für Sterblichkeit und verminderte Lebensqualität ist die Ateminsuffizienz aufgrund einer zunehmenden Schwäche des Zwerchfells (Diaphragma). Diese führt häufig schon im ersten oder zweiten Lebensjahrzehnt zur Notwendigkeit einer nächtlichen nicht-invasiven Beatmung (NIV). Die NIV unterstützt das Abatmen von Kohlendioxid (CO₂), dessen Anreicherung sonst zu einer respiratorischen Azidose sowie zu Unwohlsein, Kopfschmerzen und Müdigkeit bis hin zu Koma und Tod führen kann.

Betroffene am milderen Ende des Spektrums (Bethlem-Myopathie) zeigen geringere Symptome, die sich zudem deutlich langsamer verschlechtern. Die Gehfähigkeit bleibt häufig bis ins späte Erwachsenenalter erhalten. Eine nicht-invasive Beatmung wird erst wesentlich später im Leben oder ggf. gar nicht notwendig.

Bei der intermediären Form zeigt sich ein deutlich langsamerer Krankheitsverlauf als bei der Ullrich-Dystrophie. Die Gehfähigkeit bleibt meist bis zum 5. oder 6. Lebensjahrzehnt erhalten. Allerdings kommt es bereits früh zu einer Beteiligung der Atemmuskulatur mit Bedarf an nicht-invasiver Beatmung ab dem 2. oder 3. Lebensjahrzehnt.

Weiterführende Infos

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Infos und Selbsthilfeangebote

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