Der Weg zur Umfeldsteuerung

Was ist eine Umfeldsteuerung?

Im Hilfsmittelverzeichnis der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) kann dazu folgendes nachgelesen werden: „[...]unter Umfeldkontrollgeräten, auch Umweltkontrollgeräte genannt, werden alle Geräte verstanden, mit denen der Behinderte sein „Umfeld“ umfangreich kontrollieren kann und so eine selbständige Lebensführung ermöglicht wird. Die Bedienung kann vom Bett, Sitzplatz oder Rollstuhl aus erfolgen[...]“Menschen mit neuromuskulären Erkrankungen mit dauerndem, vollständigem Ausfall der Arm- und Beinfunktion können nach dem GKV-Verzeichnis eine solche Hilfsmittelversorgung beantragen.In den Probewohnungen der DGM in Freiburg im Breisgau lassen sich, neben vielen anderen barrierefreien Lösungen, auch Umfeldsteuerungen ausprobieren. Neue „moderne Umfeldsteuerungen verbinden die gewünschten Installationen in der Wohnung per W-LAN“, erklärt Thomas Rosner von der Firma Homebrace, deren Umfeldsteuerung man auch in den DGM-Probewohnungen ausprobieren kann. „So können z. B. Türen oder Lichtschalter per App auf Smartphone oder Tablet angesteuert werden. Die Bedienung erfolgt einfach per Fingertipp auf dem Display oder alternativ z. B. über die Rollstuhl- oder eine Augensteuerung. Dabei sind die Einsatz- und Steuerungsmöglichkeiten so individuell gestaltbar wie der einzelne Nutzer es benötigt.“

Das Beispiel der Familie Schlüter

Max Schlüter (11 Jahre, SMA II/III), ältester Sohn von Tina Schlüter, besucht das Gymnasium. Max kann bspw. nach Schulende den Schulweg mit seinem E-Rollstuhl zurücklegen, allerdings nicht alleine ins Haus kommen. Frau Schlüter wandte sich im Sommer 2014 mit dieser Frage an die Hilfsmittelberatung der DGM. Sie suchte konkret nach einer Möglichkeit wie Max selbstständig die Wohnungstüre bedienen und das Licht ein- und ausschalten könnte. Mit seinen 11 Jahren wollte Max endlich so selbstständig sein wie er sich fühlte, auch wenn seine Muskelkraft nicht nur in den Beinen, sondern auch in den Armen immer mehr abnahm. In der Hilfsmittelberatung wurde das Thema besprochen und mögliche Versorgungen vorgestellt. Unter anderem wurden auch die Umfeldsteuerungen in den DGM-Probewohnungen benannt. Neben weiterführenden Informationen per Mail gab es auch Hinweise auf das hilfreiche Internetportal www.rehadat-hilfsmittel.de.

Schritt für Schritt: Vorgehen bei der Beantragung

Familie Schlüter nahm Kontakt mit der Firma Homebrace auf, die die DGM Wohnungen mit einem Umfeldsteuerungssystem ausgestattet hat. Nach einem ersten telefonischen Kontakt mit Herrn Rosner kam es zu einem Beratungsgespräch vor Ort, im Haus der Schlüters. Dort wurde die konkrete Situation besprochen, es wurde ein individuelles Szenario erstellt und Max konnte die Umfeldsteuerung erproben. Ziele einer Umfeldsteuerung für Max sollten sein:
den Bungalow der Familie über die Gartentüre und eine Wohnungstüre per Türöffner betreten und diese auch selbstständig, entweder zum Betreten und Verlassen des Hauses oder beim Klingeln, öffnen zu können.
Ansteuerung von diversen Licht-Quellen
Als Bedienung soll ein mybrace-Display mit Telefon-Funktion beantragt werden, was einem Smartphone entspricht.
Herr Rosner erstellte daraufhin einen Kostenvoranschlag, die weitere Antragstellung übernahm das Sanitätshaus.

Das richtige Begründungsschreiben ist wichtig!

Wer die Kostenübernahme für eine Umfeldsteuerung bei seiner Krankenkasse beantragt, sollte unbedingt ein persönliches Begründungsschreiben beilegen. Frau Schlüter verfasste nach einer weiteren telefonischen Beratung durch die DGM ein Schreiben. Nach Rücksprache mit der DGM-Hilfsmittelberaterin, mit ein paar Tipps und Änderungen ergänzt, schickte sie es mit der Verordnung an die Krankenkasse. Auch eine ärztliche Stellungnahme für die medizinische Notwen-digkeit dieser Hilfsmittelversorgung wurde beigefügt. Da die GKV über den Umfang der Versorgung unter Berücksichtigung des Einzelfalles und der individuellen medizinischen Notwendigkeit entscheidet, sind solche Begründungen zusätzlich zur Hilfsmittelverordnung (Rezept) sehr zu empfehlen. Ein Sanitätshaus mit Erfahrung hilft bei der Abwicklung. Bei der Beantragung der Kostenübernahme und der Kommunikation mit der Krankenkasse wurde Familie Schlüte von ihrem Sanitätshaus unterstützt. Max wird schon seit vielen Jahren von einem Sanitätshaus versorgt, dass seine Bedürfnisse sehr genau kennt, und sich sehr engagiert für seine Versorgung einsetzt. Es war hilfreich, dass auch das Sanitätshaus schon Erfahrung in diesem Bereich hatte und das Thema „Umfeldsteuerung“ dort schon bekannt war. Bis alle Details geklärt waren und die Kostenübernahme für die beantragte Umfeldsteuerung durch die GKV erfolgte, sind einige Wochen ins Land gegangen...

Die Umsetzung vor Ort

Die Umfeldsteuerung in Form eines Tür-öffners und der Bedienung der Lichtschalter per Smartphone wurde Anfang 2015 installiert. Die Installation vor Ort hat Herr Rosner von Firma Homebrace selbst vorgenommen. Er steht als Ansprechpartner für Familie Schlüter und das Sanitätshaus für weitere Adaptionen zur Verfügung. Was hat sich durch die Umfeldsteuerung für Max verändert? Max kann das Haus selbstständig betreten/verlassen und klingelnden Freunden öffnen, auch Lichtquellen kann er selbstständig bedienen. Sobald die Familie sich darüber einig ist, wie das neue Gartentor gestaltet werden soll, wird auch dort die Steuerung installiert und Max kann Haus und Gelände völlig selbstständig betreten und verlassen.

Haben Sie fragen zu dem Thema „Umfeldsteuerung“? Gerne können Sie unsere DGM Hilfsmittelberaterinnen in der Bundesgeschäftsstelle dazu kontaktieren.


Tipps zum Begründungsschreiben:

  • Art der Muskelerkrankung und denen sich daraus ergebenden Einschränkungen beschreiben
  • Lebensumfeld und selbstständiges Verhalten schildern (Schule, Freunde usw.)
  • Welche Probleme bestehen konkret? Wie können sie durch eine Umfeldsteuerung gelöst werden? (Wohnsituation, bauliche und körperliche Probleme, Lösungen)
  • Welche sozialen Probleme entstehen durch die derzeitige Situation? (ein beispielhaftes Szenario herauspicken und schildern: Selbstständigkeit, psycho-soziale Integration)
  • Genau angeben welche Art der Umfeldsteuerung als Ausgleich zu den behinderungsbedingten Einschränkungen beantragt wird
  • Keine Funktion bei der Begründung vergessen (Türe, Licht ...)
  • Hinweis darauf, dass die Umfeldsteuerung der gewünschten Firma bereits erprobt