Probewohnung und Hilfsmittelberatung

Die DGM bietet ein Probewohnen auf Zeit in zwei mit allerlei Hilfsmitteln ausgestatteten Appartements.

Wie kam es zu dieser Idee?
Hintergrund der Idee war, das Thema „Selbstständigkeit und Selbstbestimmung“ für Menschen mit Muskelerkrankungen alltagspraktisch umzusetzen. So wurden zwei Appartements auf die besonderen Bedürfnisse von Muskelkranken eingerichtet, in denen bauliche Lösungen und Hilfsmittel auf die individuelle Alltagstauglichkeit geprüft werden können.

Kann jeder dieses Probewohn-Konzept nutzen, oder ist es nur für Mitglieder der DGM vorgesehen?
Jeder, der eine körperliche oder auch eine schwere körperliche Beeinträchtigung hat, kann „probewohnen“. Das Angebot ist nicht an eine DGM-Mitgliedschaft gebunden. In erster Linie sind die beiden Wohnungen aber für Muskelkranke gedacht und eingerichtet.

Was sind Ihre Erfahrungen mit den Gästen, die das Konzept mit den vielen Hilfsmitteln und technischen Lösungen kennenlernen und erproben?
Wenn die Gäste zum ersten Mal bei uns sind, staunen sie meistens über die freundlichen, hellen Räumlichkeiten und die vielen speziellen Wohn- und Hilfsmittelangebote. Neben der Auseinandersetzung mit der persönlichen Situation und der meist anstehenden Wohn- und Hilfsmittelplanung, ist es uns auch wichtig, den Aspekt des Wohlbefindens nicht aus den Augen zu verlieren. So fragen wir die Gäste vorab, welche Ausstattungen sie während ihres Aufenthaltes benötigen. Hilfsmittel, die für den individuellen Bedarf gar nicht notwendig sind, werden, soweit dies möglich ist, aus den Wohnungen herausgenommen. Das bedeutet auch, dass Gäste, die Hilfen wie beispielsweise Aufstehhilfen oder mobile Lifter benötigen, diese nach vorheriger Absprache probieren können. So kann man im Rahmen des Aufenthaltes viel Nützliches ausprobieren und die sogenannten „Aha“- Erlebnisse bringen auch Erkenntnisse wie: „Das brauche ich nicht.“ bzw. „Das wäre anders besser.“ Mit solchen praktischen Erfahrungen können persönliche Entscheidungen viel besser getroffen werden.

Was sind Ihre Anliegen als Hilfsmittelberaterinnen?
Für Menschen mit fortschreitenden Erkrankungen und deren Angehörige ist die Auseinandersetzung mit der Hilfsmittelversorgung nicht einfach, da der fortlaufende Krankheitsprozess ein ständiges Neuorientieren einfordert. Wir freuen uns, wenn unsere Gäste mit Impulsen und Lösungsmöglichkeiten, auch für die Zukunft, nach Hause fahren. Neben der praktischen Erfahrung erhalten sie im Rahmen des Aufenthaltes auch vielfältige Informationen.

Das Stichwort „Informationen“ ist gefallen. Wie kommen Gäste an die Informationen?
In den Probewohnungen finden sich Auskünfte zur vorhandenen Ausstattung, die DGM-Beratungsstelle bietet verschiedene Informationsbroschüren an, und es gibt für Gäste nach Absprache die Möglichkeit der persönlichen Hilfsmittelberatung.

Was sind Ihre Beratungsschwerpunkte?
Das Spektrum ist weit, da das Thema Selbstbestimmung und Selbstständigkeit für jeden etwas Anderes bedeuten kann. Zum einen geht es dabei um Hilfsmittelprodukte, die im häuslichen und außerhäuslichen Bereich eingesetzt werden können, wie diverse Greifhilfen, Sitz- und Aufstehhilfen, zum anderen auch um Transfer- und Mobilitätshilfen. Das Thema Mobilität schließt neben Rollstühlen auch die häufig gestellte Frage der Autoumrüstung mit ein. Zudem werden die Themen „Unterstützte Kommunikation“ und „Umfeldsteuerung“ ein zunehmend wichtiges Beratungsfeld. Ein weiterer großer Bereich sind die Wohnraumanpassungen, die ein barrierefreies Wohnen und ein selbstständiges Leben ermöglichen.
Bei der Hilfsmittelberatung geht es natürlich auch um die Finanzierung und die sozialrechtliche Beratung. Wir versuchen Hilfestellung zu leisten, damit die Betroffenen in möglichst kurzer Zeit ein für sie geeignetes Hilfsmittel bekommen. Da die Gäste bundesweit – und darüber hinaus – zu uns kommen, leisten wir viel Netzwerkarbeit. D.h. wir verweisen beispielsweise auf die DGM-Selbsthilfegruppen in Wohnortnähe, auf regionale Wohnberatungsstellen oder geben Orientierung, wo und wie man in seinem persönlichen Umfeld die Hilfsmittelversorgung weiter planen und ausprobieren kann.

Gibt es Hilfsmittelberatung auch außerhalb des Probewohnens?
Ja, denn einer unserer Aufgabenschwerpunkte als DGM-Hilfsmittelberaterinnen ist die bundesweite Beratung per Telefon bzw. Mail. Unsere Mitglieder erhalten vielfältige Unterstützung. Gerne geben wir Auskünfte zur Hilfsmittelversorgung bei neuromuskulären Erkrankungen an Fachleute, auch Nichtmitglieder erhalten von uns eine erste Orientierung.

Was sind Ihre Beratungstipps, um an eine optimale Hilfsmittelversorgung zu kommen?
Optimal ist es, sich früh-zeitig zu informieren, also nicht zu zögern, und sich Unterstützung und fachkundige Hilfe zu holen. Sehr wichtig ist der Erfahrungsaustausch mit Gleichbetroffenen im Rahmen der ehrenamtlich geführten Selbsthilfegruppen, die es bundesweit gibt. Die in Frage kommenden Hilfsmittel sollten vor der Antragstellung und am besten im häuslichen Bereich erprobt werden. Durch eine Erprobung kann die Notwendigkeit der Versorgung gegenüber dem Kostenträger differenziert erklärt werden, neben der ärztlichen Verordnung sind an einem idealen Versorgungsprozess somit auch Therapeuten und Reha-Berater beteiligt.

Gibt es noch etwas Wichtiges zum Thema „Probewohnen“ zu sagen?
15 Jahre DGM-Probewohnungen! Ohne die Unterstützung von vielen Spendern und Reha-Hilfsmittel-Firmen wäre das Konzept „Probewohnungen“ so nicht durchführbar, und wir sind für die kooperative Zusammenarbeit sehr dankbar. Und dennoch möchten wir betonen, dass das Hilfsmittelberatungszentrum der DGM eine unabhängige und nicht auf Verkauf abzielende Einrichtung ist. Alle Interessenten, ob nun Menschen mit körperlichen Handicaps, deren Angehörige oder Fachleute, werden bei uns beraten. Die barrierefreien Probewohnungen bieten die Möglichkeit, in einem alltagsnahen Umfeld viele Hilfsmittel kennenzulernen und zu erproben. Dass Barrierefreiheit nicht an der Haustür endet, zeigen unsere Probewohnungen auch. Die schön gelegenen Wohnungen liegen etwas außerhalb von Freiburg und bieten für mobilitätseingeschränkte Menschen eine gute Voraussetzung, um öffentliche Nahverkehrsmittel problemlos zu nutzen. Freiburg-Waltershofen ist mindestens eine Reise wert, das zeigen die vielen positiven Rückmeldungen unserer Gäste.

Karin Schröder und Sybille Metzger im Interview

Die Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke hat vor 15 Jahren – übrigens auch ein Jubiläum! – Pionierarbeit geleistet, in dem sie als Teil der Bundesgeschäftsstelle ein eigenes Hilfsmittelberatungszentrum mit zwei schönen Probewohnungen eröffnete. Seitdem können Interessierte für einige Tage einziehen und während ihres Aufenthaltes viele technische und bauliche „Specials“ sowie diverse Hilfsmittel ausprobieren. Welche Hilfsmittel, Umbauten und Technik für sie brauchbar und geeignet sind, zeigt der individuelle Praxistest. So ist der Ausdruck „Probewohnen“ entstanden.

Barrierefreies Probewohnen und Hilfsmittelberatungszentrum
Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke e.V.
Im Moos 4
79112 Freiburg
Tel. 07665 94 47-0

Weitere Informationen und unseren Flyer finden Sie unter: www.dgm.org/beratung-angebote/probewohnen