Transition

Transition

Die eigentliche Übergabe zum Beginn des 18. Lebensjahres vom Pädiater zum Neurologen wird Transfer genannt. Die jungen Erwachsenen müssen ab diesem Zeitpunkt selbstständig Verantwortung für ihre medizinische oder psychosoziale Versorgung übernehmen und ein Vertrauensverhältnis zu einem neuen Facharzt aufbauen. Es geht dabei neben dem medizinischen Schwerpunkt auch um Themen wie beispielsweise Berufsorientierung, Umgang mit dem eigenen Körper, Partnerschaft, Lebensplanung.

Auch die Pädiater stehen in diesem Kontext vor einer großen Herausforderung, da sie sich vom Jugendlichen ablösen müssen, den sie über Jahre hinweg begleitet haben. Sie müssen dem heranwachsenden Patienten die notwendigen Fähigkeiten vermitteln, Spezialist für die eigene Erkrankung zu werden und ihn ermutigen, sich neuen Ärzten in der Erwachsenenmedizin anzuvertrauen. Junge Erwachsene mit Muskelerkrankung werden oftmals weit über das Jugendalter hinaus in den Muskelsprechstunden der Neuromuskulären Zentren noch von Neuropädiatern behandelt.

Aus unserer Sicht sollten Patienten, die das 18. Lebensjahr erreicht haben, an Neurologen übergeben werden, um eine altersgerechte Versorgung zu gewährleisten. Als Selbsthilfeorganisation ist es uns ein wichtiges Anliegen, eine adäquate Versorgung zu erreichen, denn schließlich verändern sich im Übergang vom Jugend- in das Erwachsenenalter auch die Bedürfnisse des Patienten. Betroffenen Jugendlichen und ihren Eltern sollte ein entsprechendes Versorgungskonzept zur Verfügung gestellt werden. Für den Patienten ist Kontinuität bei der Behandlung sehr wichtig, weshalb viele junge Erwachsene Angst haben, die Pädiatrie zu verlassen, da sie befürchten, nicht umfassend weiter betreut zu werden. Es gibt einen Bedarf an Sprechstunden, in denen der Patient gemeinsam von Pädiater und Neurologe betreut wird, mit dem Ziel, dass der Neurologe den jungen Patienten dann vollständig übernimmt. Alle Beteiligten sollten eng miteinander zusammenarbeiten.

Verschiedene Hintergründe für die schwierige Gestaltung dieses komplexen Prozesses sind denkbar. Mangelt es an Expertise? An Fortbildungen für Neurologen zum Thema Transition? Müssen die Jugendlichen früher auf die bevorstehende Veränderung durch Kurse und Workshops vorbereitet werden? Sind genügend finanzielle Mittel vorhanden? Sind vielleicht auch strukturelle Veränderungen erforderlich? Könnte der Einsatz von Kampagnen weiterhelfen? Damit Transition erfolgreich verläuft, bedarf es eines längeren Umstellungsprozesses.