"Selbsthilfe lebt!"

Da sich meine Eltern immer für Inklusion interessiert und eingesetzt haben, bin ich in allen Facetten inklusiv aufgewachsen, erzogen und ausgebildet worden. Kontakte zu anderen Behinderten waren in meiner Jugend sogar eher seltsam für mich.

Heute, 27 Jahre später, kann ich auf eine Vielzahl von Erfahrungen zurückschauen, die mich absolut bereichert haben und die mir meinen Grundoptimismus verleihen. Diese lebensfrohe und optimistische Einstellung möchte ich gerne an andere Menschen mit Muskelerkrankung weitergeben. Ich möchte helfen, mit den körperlichen Einschränkungen umzugehen und diese mit verschiedenen Hilfsmitteln zu kompensieren. Ich möchte anregen, trotz des Handicaps Sport zu treiben und allerlei Unternehmungen zu machen. Ich möchte ermutigen, weder im Beruf noch im Privatleben zu resignieren und sowohl Karriere als auch Partnerschaft zu suchen und zu leben. Zusammengefasst gesagt: Ich möchte zeigen, wie farbenfroh das Leben auch mit einer schweren Muskelerkrankung sein kann.

In der Vergangenheit habe ich selbst bei DGM-Symposien oder im Kontakt mit bekannten Muskelkranken viel über diese Themenbereiche erfahren. Egal ob physiologische Entlastung durch ein Beatmungsgerät, intensivere Kenntnisse über Sozialrecht oder selbstbestimmtes Leben mit persönlicher Assistenz – ich persönlich habe sehr oft durch Selbsthilfe profitiert. Und ich bin der felsenfesten Überzeugung, dass mir diese Ratschläge viel mehr weitergeholfen haben als die der Mediziner oder der sogenannten „Experten“. Kein Arzt, kein Physiotherapeut und nur wenige Sozialberater können sich so gut in das Leben eines Muskelkranken hineinversetzen wie die Muskelkranken selbst! Durch dieses Einfühlungsvermögen entstehen meiner Meinung nach die wertvollsten Tipps für das eigene Leben.

Da ich nicht nur „nehmen“ möchte, sehe ich es als eine meiner Aufgaben an, auch zu „geben“. Deshalb engagiere ich mich seit zwei Jahren in der DGM auch als Kontaktperson und versuche, die vielfältigen Erfahrungswerte von anderen Muskelkranken und mir weiterzugeben – auf dass jeder profitiert, auf dass jeder optimistisch bleibt, auf dass die Selbsthilfe lebt!

Julian Wendel

Peer Counceling

Die über 300 ehrenamtlichen Kontaktpersonen bilden die Basis der Selbsthilfe in der DGM. Sie bieten bundesweit Kontakt zu bestimmten Schwerpunkten an, organisieren Gesprächskreise, Stammtische und regionale Gruppen. Als „DGM vor Ort“ stehen sie Hilfesuchenden mit Rat und Tat zur Seite – mal persönlich, mal per E-Mail oder Telefon. Als „Experten in eigener Sache“ leisten sie Hilfe von Betroffenen zu Betroffenen und leben auf diese Weise die Selbsthilfe in der DGM.