Sie sind hier

Mehr vom Leben.

Frauen und Männer mit Behinderung erzählen

Fischer, Julia, Ott, Anne, Schwarz, Fabian (Hrsg.)
Balance buch + medien verlag im Psychiatrie-Verlag, Bonn 2010
ISBN-10:
3867390568
ISBN-13:
9783867390569
Taschenbuch
192 Seiten
EUR 14,95

Wie nehmen behinderte Menschen ihren Körper wahr, wie gestalten sich die sozialen Kontakte, Partnersuche und Sexualität, Arbeit und Freizeit? Der Bundesverband für körper- und mehrfach behinderte Menschen (bvkm) wollte es genauer wissen und hat 2009 in Zusammenarbeit mit der "Aktion Mensch" im Rahmen eines Projektes „Frauen sind anders - Männer auch!“ einen Schreibwettbewerb ausgeschrieben, den wir Ihnen damals ebenfalls im Muskelreport vorgestellt haben.

Die Resonanz war riesig - insgesamt wurden 300 selbst geschriebene oder diktierte Erzählungen eingereicht, in denen Frauen und Männer von ihrer Behinderung schreiben, von ihren Träumen und Ängsten, ihren Hobbies, der Arbeit, über Freundschaft und Liebe, über erlebte Verletzungen und das, was sie – zum Teil durch viel Mut und Energie – in ihrem Leben geschafft haben. Die für den vorliegenden Band ausgewählten Geschichten zeigen einen breiten Querschnitt und lassen Frauen und Männer mit verschiedenen Behinderungen und unterschiedlichen Lebenserfahrungen zu Wort kommen. Es finden sich hier Texte, die die immer noch zahlreichen Hürden des Alltags in unserer Gesellschaft anprangern, ebenso wie Geschichten, die persönliche Erfolge feiern: Ich schaff das - trotzdem!

Der große Traum von Verena Turin ist beispielsweise: „Ich möchte eine berühmte Sängerin der Volksmusik sein.“ Und der blinde Michael Haage erzählt von dem magischen Augenblick, in dem er dem Klang der Augen seiner ebenfalls blinden Gefährtin auf die Spur kommt. Herzzerreißend unsentimental ist das Bild, das die 15-jährigen Kathrin Lemler von sich selber hat: „Ich weiß, wie ich aussehe. Ein kleines zappelndes Etwas, dem der Speichel aus dem Mund läuft. Aufgrund meiner Behinderung wirke ich nicht gerade attraktiv!“ Hoffnungsvoll schreibt sie weiter: „Irgendwann lerne ich bestimmt jemanden kennen, dem meine strahlenden Augen, mein einzigartiges Lachen und meine grenzenlose Power den Kopf verdrehen. Das wäre mein größter Wunsch! Vielleicht passiert es morgen, vielleicht in einem Jahr, vielleicht in zehn Jahren oder vielleicht auch gar nicht. Aber ich werde nie aufgeben, daran zu glauben.“

Diese meist selbstbewusste und keinesfalls defizitorientierte Sichtweise behinderter Frauen und Männer auf ihren Alltag ist eine echte Chance, Menschen, die anders sind, auch anders kennen zu lernen und zu verstehen, dass es normal ist, verschieden zu sein. Das Buch ist also ein Mutmacher – für andere Betroffene, für Betreuer und auch für Angehörige, die sich um die Zukunft ihrer behinderten Kinder sorgen.