Die Kraft des Augenblicks

Amyotrophe Lateralsklerose. Über den Versuch, mit einer Leben zerstörenden Krankheit zu leben

Werner Schmitz
Shaker Verlag GmbH Aachen 2009
ISBN-10:
978-3-8322-8156-4
kartoniert
66 Seiten
EUR 12,00

"Alles Leben Schätzen..." - Werner Schmitz erscheint auf den ersten Blick sehr schwach: Nicht einen einzigen Finger kann er aus eigener Kraft bewegen. Mit ALS lebt er bereits seit März 1991. Die fortschreitende, unheilbare Erkrankung seines motorischen Nervensystems legte nach und nach so gut wie alle Muskelfunktionen lahm. Seit 14 Jahren muss er künstlich ernährt und beatmet werden und führt trotzdem ein selbst bestimmtes Leben.

Umso beeindruckender wirkt Werner Schmitz' starke Persönlichkeit und die Lebensfreude, die er ausstrahlt. "Erschreckend nüchtern und damit besonders bewegend setzt sich Werner Schmitz schonungslos mit seinen Ängsten auseinander. Das bewundernswerte Ergebnis ist ein Bericht voller Mut und Kraft", erklärt Dr. Karin Koert-Lehmann, Pressesprecherin der Central Krankenversicherung, die Werner Schmitz bereits seit 1988 begleitet. "Mir ist zwar die Krankheit bewusst, doch höchst selten Bestandteil meines Denkens. Mein Augenmerk gilt also der Normalität, und meine Interessen sind – genau wie meine Hobbies – ganz gewöhnlich, wobei hier natürlich Einschränkungen durch die fehlende Motorik gegeben sind", so Werner Schmitz. Zu seinen Interessen gehören das politische Weltgeschehen, Fußball sowie Musik von Marius Müller-Westernhagen und der Band Snow Patrol. Seine Leidenschaft ist das Lesen: "Dabei versinkt man in eine andere Welt, ist zugleich Betrachter und Akteur."

Dank modernster Technik kann Werner Schmitz seinen Gedanken Ausdruck verleihen und mit der Umwelt in Kontakt bleiben. Mit einem auf Augenbewegungen reagierenden Computersystem hat er seine Krankheitsgeschichte nieder geschrieben, die nun unter dem Titel "Die Kraft des Augenblicks" veröffentlicht wird. "Mit meinen Augen bediene ich zwei Geräte: eine von mir selbst entwickelte Kommunikationstafel und das Computersystem EYEGAZE", berichtet Schmitz. Seine Augenbewegungen ersetzen die Eingaben mit Tastatur oder Maus und erlauben es ihm, komplexe Texte zu verfassen.

"Nicht sprechen zu können, ist nicht gleich Sprachlosigkeit. Ich bin kreativ, stecke voller Leben und Energie. Ich bedauere lediglich, dass meine Augen nicht so schnell rollen, wie meine Gedanken fließen", schreibt er in seinem Buch, mit dem er ALS stärker ins Bewusstsein rücken und das Leben der von ihr Betroffenen lebenswerter machen will. Denn, so sagt Schmitz selbst, heißt ALS auch:


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chätzen ...

ein wunderbares Büchlein!