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Kinder körperlich kranker Eltern

Romer, Georg & Haagen, Miriam
Hogrefe-Verlag, Göttingen 2007
ISBN-10:
978-3-8017-2032-2
kartoniert
169 Seiten
EUR 26,95

Wenn Eltern an einer ernsthaften körperlichen Krankheit leiden, ist das Leben aller Familienmitglieder hiervon nachhaltig betroffen. Kranke Eltern fühlen sich in ihrer Elternrolle oft verunsichert. Kinder und Jugendliche sind je nach Altersstufe unterschiedlich in der Lage, die Situation zu bewältigen. Im günstigen Fall reifen sie an der Situation und entwickeln besondere soziale Kompetenzen. Bleiben Kinder jedoch ohne Ansprechpartner für ihre Sorgen und Nöte, die sie oftmals von ihren Eltern fernhalten, können emotionale Überforderung und seelische Entwicklungskrisen die Folge sein.

Kinder körperlich kranker Eltern standen – auch bei Fachleuten - lange im Abseits. In den letzten Jahren wurden Hilfsangebote für Kinder krebskranker Eltern entwickelt, auch für Kinder suchtkranker oder psychisch kranker Eltern – kaum aber für Kinder chronisch körperlich kranker Menschen. Die Lücke schließt dieses Buch, das wissenschaftlich fundiert und in der Praxis erprobt aufzeigt, wie Kinder körperlich kranker Eltern unterstützt werden können. Der Band bietet für alle, die in der psycho-sozialen Beratung oder Psychotherapie mit körperlich kranken Menschen und ihren Angehörigen tätig sind, wertvolle und praxisorientierte Anregungen für das therapeutische Handeln.

In erster Linie an Fachleute gerichtet dürfte er aber auch für interessierte Eltern hilfreich sein. So wird erläutert, welche alters- und entwicklungsbedingten Reaktionen Kinder zeigen und welche Vorstellungen sie haben. Diagnosebezogene Unterschiede kindlichen Erlebens werden thematisiert, der speziellen Problematik im Umgang mit Kindern sterbender Eltern ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Praxisbeispiele aus der Erfahrung der Hamburger Beratungsstelle, die das „COSIP“-Konzept entwickelt und evaluiert hat, zeigen anschaulich auf, wie Familien miteinander ins Gespräch kommen und bei der Bewältigung solcher existenzieller Probleme unterstützt werden können.

Das Buch ist ein großes Plädoyer für Offenheit in der Familie und belegt eindrücklich, wie wichtig der Umgang des kranken Elternteils und der gesamten Familie mit der Erkrankung oder auch dem Tod ist, um Kindern einen konstruktiven Umgang mit diesen Belastungen zu ermöglichen.