Das Projekt Patientenlotsen an Neuromuskulären Zentren (NMZ)

Patientenkomfort erhöhen

Auf Initiative der DGM und mit Unterstützung von den pharmazeutischen Unternehmen Roche, AveXis, Sarepta Therapeutics, PTC Therapeutics, Alexion Pharmaceuticals und Biogen (angefragt) werden im Frühsommer 2020 an fünf Neuromuskulären Zentren sogenannte „Patientenlotsen“ installiert. Als Privatperson unterstützt Patrick Schwarz-Schütte gleichfalls dieses Vorhaben. Patientenlotsen sind als Case-Manager zu verstehen, die persönlich vor Ort tätig sind, wegweisend agieren sind und Behandlungsverläufe strukturieren.

Ausgangslage des Projekts

Neuromuskulär erkrankte Menschen benötigen eine interdisziplinäre medizinisch-therapeutische Versorgung. Diese erfordert, dass neben Neurologen weitere Fachrichtungen und Professionen wie beispielsweise Kardiologie, Pulmologie, Orthopädie, Radiologie, Physiotherapie in die Diagnostik und Behandlung einbezogen sind. Zudem handelt es sich um seltene Erkrankungen, die im Rahmen eines NMZ nur von ausgewählten qualifizierten Fachpersonen behandelt werden.

Die klinische Konsultation ist für Muskelkranke daher mit erheblichem administrativem, koordinativen und organisatorischem Aufwand verbunden. Derzeit kommt es oft zu langen Wartezeiten auf Untersuchungen sowie zu mehreren Anreisen zu einzelnen Terminen. Dies verzögert für die Betroffenen häufig die therapeutische Behandlung und die Linderung ihrer Beschwerden. Die Patienten haben Bedarf an Erläuterungen zu organisatorischen  Abläufen, terminlichen Absprachen sowie Fragen zu Zuständigkeiten und Ansprechpersonen. Zudem ist das medizinische Personal neben seiner eigentlichen Aufgabe mit organisatorischen Prozessen beschäftigt.

Projektplanungssitzung

Projektplanungssitzung mit Vertretern der unterstützenden Pharmaunternehmen mit Vorstandsmitgliedern in Göttingen

Verbesserung der Versorgungssituation

Ein Patientenlotse, der als Case-Manager an einem NMZ arbeitet, verbessert die Versorgungssituation für neuromuskulär erkrankte Menschen. Er ist Ansprechpartner, Vermittler sowie Koordinator innerhalb des NMZ. Der direkte Kontakt mit den Patienten führt zu einer Verbesserung der Kommunikation. Zusätzlich werden zeitliche Ressourcen im medizinischen Bereich nicht für administrative und organisatorische Fragestellungen eingesetzt. Der Patientenlotse wirkt unterstützend, um ein passgenaues Behandlungs- und Versorgungssetting für die Patienten zu ermöglichen.

Standorte der Patientenlotsen

Über das Projekt wird an fünf Standorten für jeweils drei Jahre eine Personalstelle mit einem halben Deputat finanziert. Dafür haben sich neun Neuromuskuläre Zentren beworben, indem sie eine konkrete Beschreibung für den jeweiligen Einsatz des Lotsen darlegten. Infrastrukturelle Bedingungen müssen vorliegen, so dass die Voraussetzungen für eine gelingende Kommunikation des Lotsen gegeben sind. Die DGM fungiert im Projekt „Patientenlotse“ als Vermittler und Anstellungsträger und unterstreicht somit die Wertigkeit des Case-Managers. Grundsätzlich gilt, dass der Lotse am jeweiligen NMZ diagnoseübergreifend tätig ist und die personellen Entscheidungen sowie die inhaltliche Tätigkeit ausschließlich durch die DGM vorgegeben werden.

Projektevaluation

Die Ergebnisse der Lotsentätigkeit, die Einsatzstrukturen sowie -entwicklungen werden evaluiert. Dabei werden die Erfahrungen, die Zielerreichung und die Vorgehensweisen sowohl im medizinischen-therapeutischen Bereich als auch bei den Patienten abgefragt. Die Rückmeldungen gehen in die Weiterentwicklung des Projekts ein.

Unterstützer des Projektes Patientenlotsen

Die Vertreter der beteiligten Pharmaunternehmen haben sich bereits zu Beginn der  Planungsphase im Frühjahr 2018 für die Unterstützung des Projekts eingesetzt. Herr Patrick Schwarz-Schütte hat sich in einem persönlichen Gespräch umfangreich über das Projekt informiert und anschließend seine Unterstützung zugesagt.


Zahlreiche Akteure im Gesundheitswesen befürworten eine Implementierung von Patientenlotsen. Besonders in der Schlaganfallmedizin, Onkologie sowie weiteren Disziplinen werden Lotsen bereits eingesetzt, um Wege zu verkürzen, Kommunikationen zu erleichtern sowie diagnostische und therapeutische Angebote zu koordinieren.

Der Präsident der Bundesärztekammer Dr. Klaus Reinhard macht deutlich, dass Hausärzte mit der Koordination von Leistungen und der Beratung ihrer Patienten häufig überfordert seien. "Der Hausarzt hat primär andere Aufgaben, er ist kein Lotse. Das sollten andere übernehmen. Diese organisatorische Unterstützung ist eine hochgradige Entlastung für uns Ärzte. Deshalb unterstützen wir das politisch.“ Auch die Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Prof. Dr. Claudia Schmidtke, befürwortet grundsätzlich die Idee der Patientenlotsen: "Patientenlotsen können dazu beitragen, die Gesundheitsversorgung patientenzentrierter zu organisieren."

DGM-Newsletter 01-2020

Case-Management in der Medizin