13.08.2025

„Manege frei!“ – 60 Jahre DGM: Jonglieren auf unseren Mitgliedertagen

Zirkusvorstellung der Kinder
Die Kinder und Jugendlichen zeigten bei der Jubiläumsgala, was sie den ganzen Tag geübt hatten.

Autorin: Katarina Lissek

In der Eingangshalle des Hessenhotels herrscht reges Treiben, ob mit oder ohne Räder, ob auf zwei, drei oder vier Beinen, ob Jung oder Alt und aus allen erdenklichen Teilen der Republik angereist. Es ist ein bunter Haufen, der hier nach und nach eincheckt. Im Nebenraum gibt es zur Begrüßung ein kaltes Getränk oder einen Kaffee. Hier trifft man womöglich schon die ersten bekannten Gesichter und es gibt eine kleine Ausstellung mit Muskelreport-Ausgaben von 1972 bis heute zu sehen. „Bitte sorgsam behandeln. Alles Einzelexemplare“, steht da auf einem Schild. Teilweise ist das Papier schon brüchig und man muss vorsichtig damit umgehen – auch damit die Hefte in Zukunft als historische Quelle für die geplante Vereinschronik dienen können.

Am Ende werden es fast 200 Mitglieder der DGM-Community sein, die hier angereist sind, um sich auszutauschen, frische Impulse zu erhalten, alte Kontakte zu pflegen, sich mit neuen zu vernetzen oder einfach, um Freunde zu treffen und Spaß zu haben. Und dieses Jahr eben auch, um das 60-jährige Bestehen der DGM gebührend zu feiern. Wer möchte, kann sich schon am Nachmittag einem der Angebote anschließen und zum Beispiel auf einen geführten Spaziergang oder eine Nordic-Walking-Runde mitgehen, bevor die Tagung am Abend startet und die Runden Tische der Landesverbände und Diagnosegruppen die Möglichkeit für ein Kennenlernen bieten.

Runde Tische
An den Runden Tischen lernten sich die Teilnehmden kennen.

Auch das Programm für das restliche Wochenende ist vollgepackt mit Vorträgen, Gesprächsrunden und Workshops zu Themen rund um ein selbstbestimmtes und gutes Leben mit Muskelerkrankung. Es geht um Teilhabe, soziale Absicherung, Hilfsmittelversorgung oder psychosoziale Unterstützung. Verschiedene Bewegungs- und Entspannungsangebote gehören dazu, genauso wie ein offenes Collageatelier, in dem man sich als Angehörige oder Angehöriger eine Auszeit nehmen und kreativ sein kann. Parallel dazu findet ein Kinder- und Jugendprogramm statt, sodass auch Eltern, die mit dem Nachwuchs angereist sind, die Möglichkeit haben, an Kursen und Vorträgen teilzunehmen. So zahlreich sind die Angebote, dass manch eine Teilnehmerin sich am liebsten teilen würde, um nichts zu verpassen. Und wer bei so viel Input nicht auch mal eine Pause einlegen, eine Runde in der schönen Natur rund um das Hotel drehen oder sich an einen ruhigen Ort zurückziehen will, dem bieten sich in jeder freien Minute reichlich Gelegenheiten für persönliche Gespräche.

Jubiläumsgala
Bei der Jubiläumsgala am Samstagabend kamen die Mitglieder zusammen.

Die Stimmung ist gut. Im Foyer und auf den Gängen im Hotel, auf den Bänken davor und in der „Begegnungs-Lounge“ herrscht durchgehend emsiges Treiben und ein reger Austausch. Während die Erwachsenen und manche älteren Jugendlichen die Workshops und Vorträge besuchen, üben die Kinder und Jugendlichen zusammen mit den Zirkuspädagogen vom Circus ZappZarap das Jonglieren, Zaubern, Clownerie und Akrobatik. Sie proben Abläufe und Bühnentechnik. Das macht so viel Spaß, dass auch die zunächst Zögerlichen aufspringen und alle der Ehrgeiz packt: Ob es tatsächlich gelingt, eine Vorführung für den Abend auf die Beine zu stellen? Und jeder und jede mit dem, was sie oder er kann, seine Rolle findet – mit der Unterstützung der anderen? Lasst es uns versuchen!

Am Samstagabend sind dann alle Gäste zur Jubiläumsgala in der Hessenhalle eingeladen. Die Halle ist festlich eingedeckt und geschmückt und die Moderatorinnen Antje Faatz und Julia Mikus aus der Bundesgeschäftsstelle führen durch den Abend. Zwischen Candlelight-Büffet, Torte, DGM-Quiz und der Imagefilm-Premiere steht tatsächlich auch eine tolle Zirkusvorführung auf dem Programm, bevor die JungeDGM in der Scheune zum Tanzen einlädt. Die Kinder haben es zusammen mit den Zirkusleuten tatsächlich geschafft. Es ist beeindruckend, was sie mit dieser kurzen Vorbereitung auf die Beine gestellt haben, Jonglieren, Feuerspektakel, Akrobatik und der Fakir ging über Scherben. Es ist berührend mit welchem Mut und Selbstbewusstsein sie auf der Bühne stehen, während sie als Gruppe sorgsam aufeinander achten.

Prof. Dr. Wolfgang Müller-Felber
Prof. Dr. Wolfgang Müller-Felber

Der medizinische Vortrag am Sonntagvormittag von Prof. Dr. Wolfgang Müller-Felber aus München über Entwicklungen in Forschung, Diagnostik und Therapie neuromuskulärer Erkrankungen beendet das Wochenendprogramm. Nach einem Gruppenfoto auf der Wiese machen sich die Teilnehmenden auf die Heimreise – viele von ihnen voll mit neuen Eindrücken und Informationen und vielleicht sogar mit neuer Zuversicht. Und im besten Fall mit der Erkenntnis, dass sie nicht allein sind auf ihrem Weg, sondern Teil einer starken, engagierten und unterstützenden Gemeinschaft.

Beim Zusammenpacken fällt mir noch einmal das Schild von der Muskelreport-Ausstellung ins Auge: „Bitte sorgsam behandeln. Alles Einzelexemplare.“ Ich muss schmunzeln: wie sehr diese Worte doch auch auf das zu Ende gehende Wochenende passen, auf die Vielfalt der Erfahrungen und Perspektiven, die Verschiedenheit der Krankheitsverläufe und Herausforderungen der einzelnen Menschen, die hier aufeinandergetroffen sind. Und darauf, wie dieses Zusammentreffen gekennzeichnet war vom respektvollen Umgang miteinander und der Anerkennung der Besonderheiten jedes Einzelnen. Oder anders ausgedrückt und mit einem Augenzwinkern: von einem „Sorgsam-Behandeln der Einzelexemplare“ eben.

Danke von Herzen an alle, die dabei waren: allen Teilnehmenden, unseren Mitgliedern, den Ehrenamtlichen, den Referentinnen und Referenten, dem Zirkusteam, dem Kinder- und Jugendbetreuungsteam, den Assistentinnen und Assistenten, dem Hotelpersonal, und all jenen, die diese Jubiläums-Mitgliedertage zu diesem besonderen Erlebnis gemacht haben. Wir freuen uns schon jetzt auf die nächsten Mitgliedertage mit Euch – und was die Zukunft angeht würde ich sagen: 60 Jahre sind erst der Anfang!

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