DGM-Geschäftsführer Mirko Bastian: "Können nur im Team erfolgreich sein"
Autor: Stefan Mertlik
Die DGM hat einen neuen Bundesgeschäftsführer: Mirko Bastian. Im Interview mit dem Muskelreport, das kurz vor seinem Dienstantritt stattfand, gibt der 47-jährige Hesse Einblicke in seine Pläne für die ersten zwei Jahre. Der studierte Politikwissenschaftler, der in seiner Freizeit gerne Ski und Fahrrad fährt, spricht zudem über seine Berührungspunkte mit der Selbsthilfe und darüber, warum er sich besonders auf den Kontakt mit den Vereinsmitgliedern freut.
Herr Bastian, wann haben Sie das erste Mal von der DGM gehört?
Ehrlicherweise wusste ich bis vor einem Vierteljahr nicht, dass es die DGM als Organisation gibt und schon gar nicht, dass der Sitz der Bundesgeschäftsstelle in Freiburg liegt. Von der DGM habe ich das erste Mal gehört, als ich in der Zeitung von Joachim Sproß‘ Weggang gelesen habe. Wenige Tage später wurde die Geschäftsführungsstelle dann ausgeschrieben.
Was hat Sie überzeugt, sich auf die Stelle zu bewerben?
Ich komme aus 11,5 Jahren Tätigkeit im Schwarzwaldverein, der auch auf Landesebene tätig ist. Die strukturellen Gegebenheiten dort sind also durchaus übertragbar auf die DGM. Schnittstellen zum Ehrenamt sowie Gremienarbeit kenne ich und kann ich. Tatsächlich ist es aber so, dass ich das, was die DGM tut, derzeit noch kennenlerne. Die neue Website ist dabei eine große Hilfe. Dort ist einfach gut dargestellt, wie vielfältig, notwendig und sinnstiftend die Arbeit der DGM ist. Menschen mit neuromuskulären Erkrankungen brauchen ein Sprachrohr, Unterstützung und Beratung.
Hatten Sie in Ihrem Leben schon einmal selbst Berührungspunkte mit der Selbsthilfe?
Ich habe eine elf Jahre alte Tochter, die eine Zöliakie hat (eine durch Glutenunverträglichkeit verursachte langfristige Autoimmunerkrankung, Anm. d. Red.). Das ist zwar auf einem ganz anderen Level als Muskelerkrankungen, bedeutet für uns als Familie aber auch einen gewissen Aufwand. Nach der Diagnose mussten wir unseren Ernährungs- und Küchenalltag umstellen. Bei der Freiburger Regionalgruppe der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft haben wir uns Hilfe geholt. Dass man sich in einer Situation, in der man mit neuen Lebensumständen konfrontiert wird, auf erfahrene Menschen berufen kann, weiß ich daher sehr zu schätzen.
Bislang waren Sie im Schwarzwald verankert. Freuen Sie sich nun auch auf die Bundesländer ohne Berge?
Genau darauf habe ich Lust, einfach meinen Fokus wieder ein bisschen weiter stellen. Mein erster Job nach Ende des Studiums war beim Deutschen Caritasverband. Da war ich mindestens einmal im Monat in Berlin oder bei anderen bundesweiten Treffen. Das habe ich sehr genossen und freue mich darauf, neue Orte und vor allem neue Menschen kennenzulernen. Das ist das Tolle bei der Arbeit in einem Verein wie der DGM mit seinen so unterschiedlichen Menschen. Das wird sicher sehr bereichernd.
Wie stellen Sie sich Ihre ersten Monate bei der DGM vor?
Als Chef muss man in der Regel den Onboarding-Prozess für neue Mitarbeitende gestalten. Jetzt bin ich darauf angewiesen, dass die Kolleginnen und Kollegen in der Geschäftsstelle ihrem neuen Chef helfen, gut anzukommen. Ich bin guter Dinge, dass das funktionieren wird. Natürlich geht es darum, schnell in die Vereinsthemen hineinzufinden. Anfang November ist der Patientenlotsentag in Berlin. Auch den Medizinisch-Wissenschaftlichen Beirat werde ich besuchen. Natürlich sind auch Landesverbände und Diagnosegruppen darauf erpicht, dass der neue Geschäftsführer vorbeikommt. Das ist mir wichtig und zeigt auch Wertschätzung gegenüber denen, die ehrenamtlich tätig sind mit Herzblut und viel persönlichem Engagement. In den ersten zwei Jahren werde ich viel Präsenz in der Fläche zeigen müssen. Und dann gibt es Themen auf einer strategischen, konzeptionellen Ebene, die ich schon in den ersten Gesprächen mit dem Bundesvorstand besprochen habe.
Haben Sie jetzt schon etwas im Blick, was Sie gerne an der DGM ändern würden?
Es ist nicht sinnvoll, schon vor Arbeitsantritt zu sagen: Wir machen jetzt alles anders. Das würde unnötig viel Unruhe stiften. Von Joachim Spross weiß ich, dass er eine gut aufgestellte Geschäftsstelle übergibt. Diesen Eindruck habe ich auch gewonnen. Hier arbeiten Menschen wie zum Beispiel Frau Beirow, die ihre Ausbildung bei der DGM gemacht haben, die seit 30 Jahren dabei sind. Da wäre ich doch blöd, wenn ich sage: Ab morgen tickt die Uhr ganz anders. Im Sinne der Organisationsentwicklung glaube ich an das Prinzip der Evolution statt an Revolution.
Und wenn Sie dann fest im Sattel sitzen: Was für einen Führungsstil pflegen Sie?
Als Geschäftsführer habe ich eine besondere Verantwortung, auch eine besondere Rolle innerhalb der Organisation. Aber erfolgreich sein kann ich nur mit einem Team. Das Team besteht aus hauptamtlichen Kolleginnen und Kollegen hier in der Geschäftsstelle sowie Ehrenamtlichen, die in unterschiedlichen Funktionen in ganz Deutschland aktiv sind. Wir können als Organisation nur erfolgreich sein, wenn alle Rädchen ineinandergreifen. Deshalb ist es wichtig, eine gemeinsame Zielrichtung zu verfolgen. Doch was ist der richtige Weg, um ein Ziel zu erreichen? Wir müssen miteinander diskutieren und dann zusammen loslegen! Mir geht es darum, trotz des Tagesgeschäfts immer ein großes Bild vor Augen zu haben, die Orientierung zu behalten.
Nun kennen wir den Geschäftsführer Mirko Bastian ein bisschen besser. Können Sie uns auch einen Einblick in die Privatperson geben?
Meine Frau und ich haben zwei Kinder, sechs und elf Jahre alt, und die bestimmen unser Freizeit- und Familienleben. Familienzeit ist mir sehr wichtig. Und wenn es die Zeit erlaubt, dann bin ich gerne sportlich an der frischen Luft unterwegs – im Sommer auf dem Rad und im Winter auf den Touren- oder Langlaufskiern.
Das beißt sich aber mit den vielen Reisen, die Sie für Ihre ersten zwei Jahre geplant haben.
Stimmt, wenn ich tagelang dienstlich unterwegs bin, sehen mich meine Kinder nicht. Dann muss meine Frau die Familienorganisation wuppen. Wir haben das besprochen und ich bin sehr dankbar, dass sie das übernimmt.
Gibt es etwas, das Sie den Leserinnen und Lesern des Muskelreports noch sagen möchten?
Ich freue mich auf all die Menschen, die ich kennenlernen werde. Menschen, die trotz eines vollgepackten Rucksacks viel Lebensmut, Energie und Engagement zeigen und mich damit inspirieren werden.
Wer wir sind
Die Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke (DGM) ist mit über 10.000 Mitgliedern die größte und älteste Selbsthilfeorganisation für Menschen mit neuromuskulären Erkrankungen in Deutschland. Seit der Gründung im Jahr 1965 setzt sie sich dafür ein, die Forschung zu fördern, umfassend aufzuklären, Betroffene und Angehörige im Alltag zu unterstützen sowie deren Interessen gesundheitspolitisch zu vertreten.
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