Atemphysiotherapie

Steven Taubner, Respiratory Therapist (DGP),  Train the Trainer NASA COBRA, Dozent für außerklinische Beatmung BaWiG, Essen

Atemphysiotherapie kann die Überforderung der Atemmuskulatur senken und die geschwächte Muskulatur stimulieren. Wichtig sind dabei die Schulung der Atemwahrnehmung, die Sekret-Mobilisation, die Vermittlung von Hustenunterstützung und ggfs. die Mobilisierung des Brustkorbes 

Die Schwerpunkte der Atemphysiotherapie müssen entsprechend des individuellen Atembefundes festgelegt werden. Zu beurteilen sind die Thorax-Beweglichkeit, die Kraft der Atemmuskulatur, der Atemweg, die Atemrichtung sowie Frequenz, Rhythmus und Symmetrie. Zu beachten ist, dass ein Zuviel an Training eine Verschlechterung der Funktion nach sich ziehen kann. 

Nach Bedarf kommen unterschiedliche physiotherapeutische Maßnahmen zur Anwendung. Atemübungen (z. B. Atmen gegen Widerstand, Gähnen, langsames Ausatmen), passive Dehnungen, die Vermittlung atemerleichternder Körperhaltungen im Alltag und die Erhaltung der Beweglichkeit des Brustkorbs mittels Brustkorb- und Rippenmobilisationen wirken atemunterstützend.  

Atemphysiotherapie

Sekretmobilisation durch passive Maßnahmen (z. B. Klopfungen, Vibrationen) und die Vermittlung effektiver Hustentechniken sind ebenfalls Inhalte der Atemtherapie. Sie werden bei Bedarf ergänzt durch maschinelle Sekretabsaugung und apparative Hustenunterstützung.

Management der Sekrete

Störungen im Bereich der Ausatemmuskulatur führen zu einer Abschwächung der Hustenkapazität. Kann nicht mehr ausreichend Sekret abgehustet werden, erhöht sich die Gefahr eines bronchialen Infektes durch die Ansiedlung von Bakterien. Zudem steigt die Gefahr der Aspiration (Eindringen von Flüssigkeiten oder festen Bestandteilen in die Atemwege). Es ist demnach sehr wichtig, die Fähigkeit des effektiven Hustens zu unterstützen. Die verbliebene Hustenkapazität wird durch die Messung des Hustenstoßes (Peak Cough Flow) gemessen. Ist die Restkraft zu gering, kann ein sog. „Mechanical Insufflator/Exsufflator“ (Cough-Assist) verordnet werden.

Schleimlösung (Sekretolyse):

Zunächst muss das Sekret, das in den Bronchien haftet mobilisiert werden (Sekretolyse). Hilfreich sind hierbei

  • Vibrationsmassagen
  • Inhalation mit hypertoner Kochsalzlösung
  • Einsatz von Hilfsmitteln (Flutter)
  • Schleimlösende Medikamente 

Unterstützung der Hustenfunktion (Sekretexpektoration):

Nach der Sekretolyse (Schleimlösung) muss eine Hilfestellung zum Abhusten (Sekretexpektoration) der gelösten Sekrete erfolgen, hierbei gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten wie Air Stacking (Luft-Stapeln), manuell assistiertes Husten und mechanisch unterstütztes Husten.

Air stacking (Luft­Stapeln)

wird in der Regel mit einem Handbeatmungsbeutel mittels Mundstück oder einer Maske durchgeführt. Dabei werden mehrere Atemhübe hintereinander appliziert, ohne dass der Patient ausatmet. Diese in der Lunge gesammelte Luftmenge erzeugt in der wie oben beschriebene Expirationsphase einen höheren Spitzenfluss. Vor allem bei Patienten, die eine eingeschränkte Einatemkapazität haben, überaus sinnvoll. 
Reicht dieses Manöver alleine nicht aus, kann der Hustenfluss manuell gesteigert werden, indem nach dem Luftstapeln zu Beginn der Ausatmung mit der flachen Hand Druck auf den Oberbauch ausgeübt wird.

Vorsicht

Lassen Sie sich dieses Manöver von einer Fachkraft (Atemtherapeut oder Physiotherapeut) zeigen, die es zu Beginn vollständig durchführen sollte. Ohne Übung und eine geschulte Koordination, kann es zu Verletzungen kommen.

Mechanisch unterstütztes Husten

Sollten diese Maßnahmen nicht ausreichen, kann einigen Patienten mit einem Cough-Assist (Gerät zur mechanischen Hustenunterstützung), geholfen werden. Dieser ahmt einen natürlichen Hustenstoß nach. Über eine Mund-Nasen-Maske oder einem Mundstück wird ein Überdruck aufgebaut, der Luft in die Bronchien drückt. Ist die ausreichende Luftmenge erreicht, wird auf Unterdruck umgeschaltet und das Sekret aus den Atemwegen gesogen. Diese Methode ist leider nur bei intakter Bulbärmuskulatur anwendbar.

Eine andere Möglichkeit ist die Sekretmobilisation mittels Hochfrequenz-Brustwand-Kompression (HFCWC). Hierbei wird dem Betroffenen eine Weste um den Brustkorb gelegt und mit einem Generator der Luftimpulse über 2 Schläuche appliziert. Es entsteht ein stetiger Wechsel von Kompression, Dekompression und Vibration. Ein „Luftschwingen“, das das Sekret von der Bronchialwand lösen und mobilisieren soll. Das Sekret kann nach der Anwendung abgehustet werden. Die Effektivität hängt von der gewählten Kompression und Vibration ab.

Wo finde ich qualifizierte Therapeuten?

Wir empfehlen Ihnen Therapeuten aufzusuchen, die auf dem Gebiet der Neuromuskulären Erkrankungen erfahren und qualifiziert sind. Die DGM bietet regelmäßig Fortbildungen für Therapeuten an. Fortbildungstermine und Adressen geschulter Therapeuten können Sie in der Bundesgeschäftsstelle anfordern. Darüber hinaus können Sie sich regional bei den ehrenamtlichen Kontaktpersonen nach persönlichen Empfehlungen für Therapeuten erkundigen.