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Post-Polio-Syndrom

Behandlungsmöglichkeiten

Welche Behandlungsmöglichkeiten für das Postpoliosyndrom gibt es?

Eine sinnvolle Behandlung erfordert eine enge Zusammenarbeit von Nervenarzt, Internist, Orthopäde und Physiotherapeut. Wie bereits erwähnt, müssen zuerst gezielt behandelbare Komplikationen der Poliomyelitis und im Laufe des Lebens neu hinzugetretene Begleiterkrankungen therapiert werden.Da davon ausgegangen werden muss, dass die Überlastung eine wesentliche Rolle bei der Zunahme der Schwäche spielt, müssen Möglichkeiten der Entlastung gesucht werden. In Frage kommen

  • gezielter Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung mit Ruhepausen;
  • Einsatz von Hilfsmitteln wie Gehstock, Rollator, Schienen, Rollstuhl etc.;
  • physiotherapeutische Techniken wie Atemtherapie. Bei sorgfältiger Aufsicht durch erfahrene Therapeuten kann ggf. auch ein Kraftaufbau und eine Verbesserung der allgemeinen Ausdauer angestrebt werden, sofern die Lähmungen nicht zu ausgeprägt sind.

Bisweilen muss auch überdacht werden, ob die bisherige berufliche Tätigkeit in gewohntem Maße fortgeführt werden kann. Mit einem Sozialarbeiter müssen auch hier die Möglichkeiten einer Entlastung einschließlich finanzieller Hilfen besprochen werden. Finden sich Hinweise für eine chronische Unterbeatmung, muss durch einen in Atmungsproblemen erfahrenen Arzt eine abgestufte Therapie eingeleitet werden, die von der Behandlung möglicher chronischer Atemwegsinfekte, bronchialerweiternden Medikamenten bis hin zur zeitweiligen Beatmung reicht. Als medikamentöse Begleittherapie werden vor allem die folgenden Substanzen eingesetzt:

  • L-Carnitin (z.B. Biocarn®): Diese Substanz verbessert die Energieverwertung durch die so genannten Mitochondrien.
  • Creatin: Hat eine Schlüsselfunktion im Energiestoffwechsel der Zellen und kann zu einer Leistungsverbesserung der Muskulatur führen.
  • Mestinon®: Diese Substanz verbessert die bei Zustand nach Polio oft gestörte Übertragung zwischen Nerv und Muskel. Bei höheren Dosierungen nimmt allerdings häufig die Neigung zu Muskelkrämpfen und das  Muskelzucken („Faszikulieren") zu. Da dieses Medikament unter Umständen zu einer weiteren Belastung der vorgeschädigten Nervenzellen führen kann, sollte die Therapieentscheidung durch einen in der Behandlung von Muskelkranken erfahrenen Neurologen getroffen werden.
  • Amitriptylin (z.B. Saroten®) und andere Antidepressiva: Auch wenn keine depressive Symptomatik vorliegt, können diese Medikamente chronische Schmerzen günstig beeinflussen und auch zu einer Antriebssteigerung führen.
  • Immunglobuline: Wurden in Einzelfällen mit positiven Effekten auf Kraft und Schmerzen eingesetzt. In kontrollierten Studien ergaben sich widersprüchliche, aber nicht gänzlich negative Resultate. Die Wirksamkeit kann damit nicht als belegt gelten und muss weiter untersucht werden. Schon die immensen Kosten dieser Therapie verbieten einen unkritischen Einsatz dieser Therapieform.