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Muskeldystrophie Duchenne und Becker

Forschungsbericht

Aktuelle Studiensituation bei Kindern und Jugendlichen mit Muskeldystrophie Typ Duchenne/Becker (DMD)

FOR-DMD: Studie zur Ermittlung der optimalen Kortisonbehandlung

Kortisonpräparate sind derzeit die einzigen Medikamente, die nachweislich die Muskelkraft bei Jungen mit DMD verbessern. Dies zeigt sich in einer Verlängerung der Gehfähigkeit um ca. 1-2 Jahre. Außerdem gibt es Hinweise, dass sich eine Kortison-Therapie günstig auf die Verringerung von Wirbelsäulenschäden und einen möglichen Schutz einer Herzschädigung auswirken. Leider ist noch nicht sicher bekannt welches Therapieschema die beste Wirkung und gleichzeitig die geringsten Nebenwirkungen hat.

In dieser internationalen Studie gibt es 3 Patientengruppen, in denen alle Studienteilnehmer eine Therapie mit einem Wirkstoff erhalten. Die Patienten werden nach dem Zufallsprinzip ausgewählt. Es werden 2 Kortisonpräparate eingesetzt, eine Gruppe erhält Präparat 1 jeden Tag, eine Gruppe erhält Präparat 2 jeden Tag und eine dritte Gruppe nimmt 10 Tage das Medikament ein, macht dann 10 Tage Pause. Weder der Patient noch der Arzt wissen, welcher Gruppe jemand zugeteilt wurde („doppeltblind“). Die Patienten kommen wie üblich alle 6 Monate zur Verlaufskontrolle. Wirkungen und Nebenwirkungen werden besonders genau erfasst. Es können Kinder im Alter zwischen ≥4 - ≤8 Jahren, welche bisher noch keine Kortison-Therapie erhalten haben, eingeschlossen werden. In Deutschland beteiligen sich an dieser Studie die Muskelzentren in Dresden, Essen, Freiburg, Gießen, Göttingen und München. Die Studie wird vom Gesundheitsministerium (NIH) in den USA finanziert.

PRO-DMD: Eine Verlaufsstudie, die die fortschreitende körperliche Behinderung, die Aktivitätseinschränkungen und Lebensqualität bei Muskeldystrophie Typ Duchenne untersucht.

Ziel dieser Studie ist es Methoden zu untersuchen, die messen, wie schnell verschiedene Muskeln bei Patienten mit Muskeldystrophie Duchenne schwächer werden. Dies wird wertvolle Informationen liefern, die zur Entwicklung neuerer Behandlungen beitragen.

In dieser Studie wird kein Medikament untersucht, die Patienten können die normalen Behandlungen fortsetzen. Die Untersuchungen werden bei den üblichen Verlaufskontrollen durchgeführt. Alle gehfähigen und nicht gehfähigen Patienten im Alter von 3 bis 18 Jahre können teilnehmen. In Deutschland beteiligen sich an dieser Studie die Muskelzentren in Essen und Freiburg.

PTC-124 GD-020: Eine Studie mit AtularenÒ bei Patienten mit einer Nonsense Mutation  vermittelter Muskeldystrophie Typ Duchenne und Becker.

Bei ca. 10 bis 15 % der Jungen mit DMD/BMD ist die genetische Ursache im Dystrophin-Gen eine Nonsense-Mutation („Stoppcodon“), die zu einem vorzeitigen Abbruch der Dystrophinproduktion führt. Die Firma PTC Therapeutics entwickelt mit dem Präparat PTC124 (AtalurenÒ) ist ein neuartiges Medikament, welches diesen genetischen Defekt überwinden soll. Vor einigen Jahren wurde bereits eine Studie mit diesem Medikament durchgeführt. Die Ergebnisse waren nicht ganz eindeutig, so dass eine weitere Studie erforderlich ist, um die Wirksamkeit dieser Therapie endgültig beurteilen zu können. Bei dieser Studie werden die Teilnehmer zufällig zwei Gruppen zugeteilt. Eine Gruppe erhält den Wirkstoff, die andere Gruppe ein Placebo (Scheinmedikament). Weder der Patient noch der Arzt weiß, zu welcher Gruppe der Patient gehört („doppeltblind“). Teilnehmen können Patienten mit einem Stoppcodon im Alter von 7 bis 16 Jahren, die bereits seit mindestens 6 Monaten Kortison einnehmen. In Deutschland beteiligen sich an dieser Studie die Muskelzentren in Essen und Freiburg.

Kardio-DMD: Eine Studie zur Untersuchung der vorbeugenden Therapie der Herzinsuffizienz mit ACE- Hemmer und Beta-Blocker bei Kinder und Jugendlichen mit Muskeldystrophie Typ Duchenne.

Durch die fortschreitende Muskelschwäche kommt es erfahrungsgemäß auch zu einer ausgeprägten Herzmuskelschwäche (dilative Kardiomyopathie), die im Laufe der Jahre zunimmt. Es gibt seit vielen Jahren Medikamente (u.a. ACE- Hemmer und Beta-Blocker), welche im Erwachsenenalter und bei chronisch herzkranken Kindern erfolgreich zur Behandlung der Herzmuskelschwäche eingesetzt werden. Ziel ist es, mit einem dieser Medikamente den möglichen Beginn der Herzleistungsschwäche bei Muskeldystrophie Duchenne hinauszuzögern und somit zu einer Verbesserung der Lebensqualität der Patienten beizutragen. Hier können Patienten im Alter von 10 – 16 Jahre eingeschlossen werden, es sollte bisher keine Vorschädigung des Herzens vorliegen oder bereits eine Behandlung eingeleitet sein. Eine Liste der teilnehmenden Zentren finden Sie unter der Webseite: http://www.md-net.org/downloads/Uebersicht_studienzentren_DMD_Kardio.pdf.

Tadalafil-Studie: Eine Studie zur Untersuchung der Wirksamkeit von Tadalafilin der Behandlung der Muskeldystrophie Typ Duchenne.

Tadalafil ist ein Medikament, das bei Kindern bereits zur Behandlung von Bluthochdruck im Lungenkreislauf eingesetzt wird. Tierversuche und erste Studien bei Patienten lassen vermuten, dass durch das Medikament die Blutversorgung der Muskulatur verbessert und damit vielleicht der Kraftverlust verzögert wird. Deshalb untersucht die Firma Lilly in einer großen internationalen Studie, ob Tadalafil die Gehfähigkeit bei Patienten mit DMD verbessern kann. Patienten werden zufällig zugeteilt ob sie das Medikament oder ein Placebo erhalten. Weder Patient noch Arzt wissen, in welche Gruppe der Patient eingeteilt wurde („doppeltblind“). Teilnehmen können Patienten im Alter von 7 – 14 Jahren, die bereits seit mindestens 6 Monaten Kortison einnehmen. Teilnehmende Muskelzentren in Deutschland sind Dresden, Essen, Freiburg, Göttingen und München.

Aktueller Stand zum Exon-skipping

Das Dystrophin-Gen ist die Grundlage damit der Körper das für die Muskeln so wichtige Eiweiß Dystrophin produzieren kann. Es besteht aus 79 Exons. Bei den meisten Patienten mit DMD fehlen durch einen genetischen Defekt ein oder mehrere Exons des Gens. Dadurch wird das „Leseraster“ verschoben und es kann kein Dystrophin produziert werden. Ziel des sogenannten Exon-skipping ist es durch ein Medikament das Leseraster wieder herzustellen. Diese Medikamente können allerdings immer nur bei einer kleinen Gruppe von Patienten mit ganz bestimmten genetischen Veränderungen eingesetzt werden. Am meisten erforscht wurde bisher das Überspringen („skipping“) von Exon 51. Das entsprechende Medikament DrisapersonÒ wurde in verschiedenen Studien von den Firmen Prosensa und GlaxoSmithKline getestet. Leider ließ sich bisher keine Verbesserung der Gehfähigkeit durch das Medikament nachweisen, so dass das Medikament momentan nicht mehr verabreicht wird (Stand Oktober 2013). Es bleibt abzuwarten, ob andere Medikamente oder die Behandlung von anderen Exons bessere Ergebnisse zeigen.

Bei allen beschriebenen Studien können Patienten noch eingeschlossen werden.

Ausführliche Informationen erhalten Sie entweder über die Muskelzentren, die DGM oder die entsprechenden Webseite (www.care-nmd.eu).

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