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Fibromyalgie

Das Fibromyalgiesyndrom (FMS) ist eine komplexe Störung, bestehend aus:

  • chronischen Schmerzen in mehreren Körperregionen, vorzugsweise im Bereich der Muskulatur und der Muskelsehnenansätze
  • Zusatzsymptomen wie Durchschlafstörungen bzw. nicht- erholsamer Schlaf
  • vermehrter körperliche Ermüdbarkeit und Konzentrationsstörungen.

Ätiologie

(Ursache) und Pathogenese (Entstehung) sind bisher nur lückenhaft bekannt. Das Fibromyalgiesyndrom ist häufig. In Deutschland sind nach den vorliegenden epidemiologischen Daten etwa 3% der Bevölkerung betroffen, davon deutlich häufiger Frauen als Männer.

Klinisches Bild, Klassifikations- und Diagnosekriterien

Klinisch manifestiert sich das Fibromyalgiesyndrom typischerweise mit chronischen Schmerzen in mehreren Körperregionen und assoziierten Zusatzsymptomen wie Durchschlafstörungen bzw. nicht-erholsamer Schlaf, Steifigkeitsgefühl der Hände, vermehrte körperliche Ermüdbarkeit und Konzentrationsstörungen. Das Vollbild des Fibromyalgiesyndroms ist recht typisch, auch wenn jedes einzelne Symptom unspezifisch ist. Für die Diagnosestellung in klinischen Studien werden die 1990 vom American College of Rheumatology (ACR) definierten Kriterien verwendet (s. Tabelle oben). Demnach liegt ein Fibromyalgiesyndrom dann vor, wenn die oder der Betroffene chronische (d.h. länger als drei Monate) Schmerzen in mehreren Körperregionen hat und wenn mindestens 11 von 18 definierten Sehnenansatzpunkten (engl. Tender Points) auf Palpation (Abtasten) schmerzhaft sind. Die Kritik an der Verwendung dieser Kriterien für die klinische Diagnose ist, dass die Tender Point Überprüfung praxisfern ist und weitere typische Symptome des Fibromyalgiesyndrom nicht berücksichtigt werden. Zudem hat die Zahl von 18 Tender Points eine gewisse Willkür in sich und es gibt im Einzelfall sehr viel mehr Tender Points. Ein Druckschmerz an weiteren, zusätzlichen Punkten spricht nicht gegen die Diagnose eines Fibromyalgiesyndroms. In der aktuellen deutschen S3-Leitlinie zum Fibromyalgiesyndrom wurde daher eine gleichberechtigte symptombasierte Diagnose eingeführt. Ein Fibromyalgiesyndrom kann demnach weiterhin anhand der ACR-Kriterien oder aber symptombasiert diagnostiziert werden.

Wesentlich bei der Erkennung eines Fibromyalgiesyndroms ist es einerseits, an das Syndrom zu denken und andererseits, bei Verdacht auf ein Fibromyalgiesyndrom mögliche Differentialdiagnosen sicher auszuschließen, die anders behandelt werden müssten. Diese kommen unter anderem aus den Fachgebieten Neurologie, Innere Medizin und Orthopädie. Je nach im Vordergrund stehendem Symptom gibt es eine Vielzahl von differentialdiagnostischen Möglichkeiten, die durch entsprechende Untersuchungen abgeklärt werden müssen.