21.04.2022 | In eigener Sache

Festansprache 30 Jahre Thüringer DGM

Anker lichten. – Segel setzen. – Los fahren!

Unser Leben besteht aus unzählig vielen Anfängen. Aus kleineren Anfängen, wie jeden Morgen aufzustehen, eine neue Wasserflasche zu öffnen oder ein neues Buch zu beginnen. Und aus größeren Anfängen, wie in eine neue Stadt zu ziehen oder einen neuen Job anzufangen.

Wir sind heute hier und feiern den Beginn der DGM in Thüringen vor 30. Jahren. Normalerweise würde man jetzt eventuell über Zahlen, Daten und die Geschichte des Vereins reden. Da ich jedoch schon in der Schule kein Fan von Geschichtsunterricht war, habe ich mich dazu entschieden den langweiligen Teil einfach zu überspringen und vielleicht auch euch damit vor einem kleinen Nickerchen zu bewahren. Für alle hochmotivierten Geschichtsinteressierten empfehle ich unsere Webseite.

Nun könnte man natürlich auch über die vielen fantastischen Veranstaltungen und Angebote reden, die in den ganzen Jahren entstanden sind und über die großartigen Leute dahinter. An dieser Stelle muss ich es wohl endgültig zugeben, auch hier bin ich wahrscheinlich nur halb so informativ wie das Internet. Deshalb möchte ich mich wohl dem einzigen widme, indem auch das Internet nicht immer eine Antwort hat. Unserem Leben im und außerhalb des Vereins.

Mit gerade mal 22 Jahren kann ich über den Anfang der DGM in Thüringen nicht viel sagen, dafür kann die DGM wahrscheinlich über meinen und den Anfang vieler anderer Mitglieder auch sehr viel berichten. Als Teil des Vereins aufzuwachsen und Schritt für Schritt seinen eigenen Weg im Leben zu finden, hat mich bis zu diesem Moment sehr geprägt. Sodass ich heute hier vor euch sitze und stolz sagen kann: „Ich bin eine, vielleicht etwas naive, Optimistin! Aber hey, wenn’s mich glücklich macht!“

Ihr fragt euch jetzt bestimmt, was diese Aussage bedeutet.

Jedes Leben besteht aus einem Weg mit vielen Steinen, die nicht immer leicht wegzurollen sind. Auch ist das Umfeld nicht nur von Sonnenblumen umgeben. Nein meistens ist in nächster Nähe auch immer mindestens eine riesige Dornenhecke. Naja, so ist und bleibt das Leben. Ein Mix aus positiv und negativ, aus hell und dunkel, aus Glück und Unglück. Der Unterschied von einem Pessimisten und einem Optimisten ist allein der Fokus im Leben. Ein Optimist geht den gleichen Weg wie der Pessimist, doch liegt der Fokus auf dem positiven, hellem und glücklichem im Leben.

Schon als ich noch klein war habe ich es geliebt auf die Treffen und Wochenenden der DGM zu gehen. Nicht wegen den Vorträgen, nein die fand ich meistens schrecklich langweilig, wie wahrscheinlich jeder normale Jugendliche. Das Kennenlernen von vielen verschieden Menschen, die eine Gemeinsamkeit haben und deshalb auch in der DGM sind hat mich dafür jedes Mal umso mehr berührt. Durch diese einzigartigen Erfahrungen habe ich nach und nach einiges lernen können.

In der DGM entstand für mich immer eine bestimmte Verbundenheit, die mir gezeigt hat, dass niemand alleine ist. Während den ganzen Kämpfen für ein selbstbestimmtes Leben kommt es einem im Alltag schnell vor, als wäre man die einzige Person mit solchen ach so utopischen Forderungen.

Und dann gibt es da plötzlich Menschen, die die gleichen Wünsche haben und die gleichen Kämpfe ausfechten oder die gleichen Kämpfe schon gewonnen haben. Auf einmal merkt mann ´wir sind nicht allein´ und die eigenen Träume rücken wieder etwas näher und man erkennt, dass sich die Erschöpfung lohnt. Auch wenn man immernoch nicht weiß, warum einem viele Dinge im Leben absichtlich schwer gemacht werden, entsteht eine neue Kraftquelle. Mit neuer Hoffnung kann man sein eigenes Ziel wieder erkennen. Es ist nicht mehr oder weniger als ein  Leben in Würde, eine im Grundgesetz verankerte Norm.

Eine weitere Sache ist mir jedoch zur gleichen Zeit bewusst. Wir sind alle durch eine Sache im Leben verbunden, jedoch könnten wir alle auch nicht viel verschiedener sein. Oftmals wird man im Alltag sofort erstmal in eine Schublade gesteckt, wegen einem offensichtlichen Merkmal. Aber wir sind mehr als ein kleines Merkmal, jeder Mensch hat tausende Merkmale. Manche davon sind schnell ersichtlich, andere lernt man erst nach und nach kennen. Wir können ein Merkmal vielleicht nicht verschwinden lassen, aber wir entscheiden, inwieweit wir unseren Alltag von einem einzigen Merkmal beeinflussen lassen, welche Merkmale unsere Persönlichkeit bilden und mit welchen Merkmalen wir unseren Mitmenschen in Erinnerung bleiben.

Kurz gesagt ich habe mich mit der Zeit kennen, akzeptieren und lieben gelernt. Aus dem kleinen schüchternen Mädchen bin ich zu einer selbstbewussten Person mit einzigartigen Stärken und Schwächen herangewachsen. So stolz wie ich darauf bin, ist es wohl nur zu einem Mini-Teil mein eigener Verdienst.

Ein Boot ohne sicheren Hafen, ist wie ein Baum ohne Wurzeln, nicht überlebensfähig. Die DGM ist für mich ein solcher sicherer Hafen, in dem man die eigenen Ressourcen wieder aufladen kann, indem man sich und andere akzeptieren lernt, Verständnis durch Mitmenschen erfährt, sich miteinander austauschen kann und einen Lebenswillen bildet.

Ich bin mir sicher, wenn wir einen kurzen Moment darüber nachdenken, dann fällt jedem von uns mindestens ein weiterer sicherer Hafen in Leben ein, wenn nicht gleich Mehrer. Ich lebe meistens nach dem Motto Qualität vor Quantität, aber hier ist Quantität auch nicht schlecht.                                                         

Mein erster und größter sicherer Hafen ist mir im ersten Augenblick klar. Es ist meine Familie. Sie ist mein Heimathafen, von dem ich als ganz kleines Kind den wilden Ozean um mich herum erkunden durfte. Mit ihrer Hilfe lernte ich viele weitere sichere Häfen kennen, wie z.B. die DGM. Meine Familie hat den Grundstein dafür gelegt, dass ich zu einer unerschrockenen Seefahrerin herangewachsen bin. Sie unterstützt von Anfang an meine Träume und Ziele, macht sie erst möglich und am aller wichtigsten Sie haben mir die Sicherheit und Freiheit gegeben meine eigenen Träume bilden und hinterherjagen zu können. Man könnte also sagen, Sie sind mein Träumfänger. Wachen im Hintergrund über mein Wohlergehen, und sind da, wenn ich Sie brauche.                        

Die Bestimmung in unserem Leben finden wir jedoch nicht in einem sicheren Hafen, sondern draußen in der Welt. Mit dem angesammelten Mut und Selbstvertrauen, durch die vielen sicheren Häfen im Rücken, ist es die höchste Erfüllung die Weiten des Ozeans zu erkunden, den eigenen Horizont zu erweitern und die spannende Welt außerhalb kennen zu lernen. Eins ist klar, zum Energie auftanken und relaxen können wir jederzeit wieder unsere sicheren Häfen ansteuern und eine Pause einlegen, um dannach mit neuer Kraft in das nächste Abenteuer zu starten.

Ein sicherer Hafen wie die DGM ist Voraussetzung und Motor. Im Boot fahren, wie auch im Leben. Doch wie entsteht ein solcher sicherer Hafen? Die Antwort darauf ist sehr einfach. Der Hafen wird gebildet aus den Menschen, die ihn ansteuern. So wie die Menschen uns einen sicheren Hafen bilden, so sind wir gleichzeitig der sichere Hafen für Sie. Jeder von uns ist ein einzigartiger Teil des sicheren Hafens. Es ist unsere Aufgabe diesen Hafen auszubauen, sodass ein offener, herzlicher und lebenswerter Bereich entsteht. Für die Mitmenschen, sowie für uns selbst. Um ein Leben zu leben, darf man nicht zögern anzufangen und aktiv Entscheidungen zu treffen, denn auch wir sind für unsere sicheren Häfen verantwortlich. Wir alle entscheiden, wie der sichere Hafen der DGM in den nächsten 30 Jahren aussehen wird.

Ich wünsche euch allen noch eine schöne Zeit im sicheren Hafen der DGM und hoffe auf viele weiße Flaggen, wenn wir uns auf die Reise in die große, weite Welt begeben.

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit!

Lea Rottenbach 
(Vorstandsmitglied LV Thüringen)