08.11.2016 | Berichte

Unser Begegnungswochenende in Schmiedeberg

Alle Jahre wieder und so auch in diesem Jahr fand vom 2. bis 4. September 2016 das Begegnungswochenende des Landesverbandes Sachsen statt.

Bei bestem Spätsommerwetter reisten alle Teilnehmer am Freitagnachmittag nach Schmiedeberg im Erzgebirge, um im „Martin-Luther-King-Haus“ ihr Quartier zu beziehen.

Viele nutzten die Zeit vorm Abendessen dazu die Sonne zu genießen und waren schon in erste Gespräche vertieft. Da viele der Mitglieder in ganz Sachsen verstreut leben und sich oftmals nur zu den Mitgliederversammlungen und Begegnungswochenenden sehen, war die Begrüßung sehr herzlich und wir waren froh viele gesund und munter wieder zu sehen.

Zum Abendessen stellte sich uns Herbergsvater Bernd Grohmann mit ein paar kurzen Worten vor. Einigen von uns waren er und seine liebevolle Art schon von unserem letzten Treffen in Schmiedeberg bekannt. In den vergangenen Jahren organisierte unsere Karin Goldberg zum Großteil die Begegnungswochenenden und da sie leider nicht mehr unter uns weilt wurde diese Aufgabe von Birgit Breitschuh und Ulrike Gest übernommen. Und das gelang sehr gut. Beide investierten viel Mühe und Zeit, um das Wochenende für uns zu einem sehr schönen Erlebnis und einer gelungenen Abwechslung vom Alltag zu machen auch wenn Birgit Breitschuh leider an dem BeWo nicht mit teilnehmen konnte.

Nach dem Abendessen begann dann der offizielle Teil unseres Begegnungswochenendes. Wir fanden uns in einem Gruppenraum ein und nachdem Ulrike Gest unser BeWo offiziell eröffnete, begrüßte uns auch die Vor- sitzende des Landesverbandes Sachsen Monika Robitzsch und wir gedachten in einer Schweigeminute nochmals unserer verstorbenen Karin Goldberg sowie allen anderen, die im letzten Jahr leider von uns gehen mussten und deren Hinterbliebenen. Danach trug uns Ulrike in lockerer Atmosphäre Gereimtes, selbst Gedichtetes sowie Anekdoten aus ihrem Leben vor. Und so erzählte sie uns, wie sie im Patientenzimmer eines Krankenhauses unfreiwillig Zeuge des Liebeslebens eines älteren Ehepaares wurde oder brachte uns ihre Gedanken über ihr neues Auto in Reimform zu Gehör, was uns köstlich amüsierte.

Am Samstag erhoben wir uns mehr oder minder gut geschlafen aus unseren Betten und begannen den Tag mit einem leckeren Frühstück. Die Sonne meinte es wieder sehr gut mit uns – es war einfach traumhaft schönes Wetter, was natürlich zu unserer ohnehin schon guten Laune noch beitrug. Gegen 10 Uhr fanden wir uns wieder in dem Gruppenraum ein und warteten gespannt auf eine Buchlesung. Sven Scheunig, der durch einen tragischen Unfall eine Behinderung erlitt und nun im Rollstuhl sitzt, stellte uns sein Buch „Krüppelmemoiren“ in einer multimedialen Form mit Musik, Geräuschen und Auszügen aus seinem Werk vor und wir bekamen einen Einblick in die Verarbeitung seines traumatischen Erlebnisses und dem Umgang mit der Behinderung und seinen Mitmenschen. Im Anschluss hatten wir Gelegenheit das Buch des Autors käuflich zu erwerben.

Einer der Begleiter Sven Scheunigs ist Mitglied bei den Elbhörnern, einem Alphornverein aus Dresden, und so durften wir nach dem Mittagessen in den Genuss eines Alphornsolos kommen. Herr Bergs erklärte uns den Aufbau und die Spieltechniken seines Alphornes und faszinierte uns mit dem einzigartigen Klang des schwer zu spielenden Musikinstrumentes.

Die Zeit nach dem Mittag stand dann zu unserer freien Verfügung und so verkrochen sich einige zu einem Mittagsschläfchen auf ihre Zimmer, trafen sich vor der Unterkunft zum Plausch und Sonnenbad oder ließen sich in dem nahegelegenen, barrierefreien Eiscafé ein Eis munden. Gut ausgeruht trafen wir uns dann am Nachmittag wieder auf der Terrasse zum Kaffee mit leckerem selbstgebackenen Kuchen und Torte.

Im Anschluss besuchten uns zwei Physiotherapeutinnen aus der Dresdner Praxis für Physiotherapie & alternative Heilmethoden. Diese Praxis hat einen Tätigkeitsschwerpunkt in der Behandlung von Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen und so bekamen wir einen Einblick in ihre Arbeit und konnten viele Tipps, sei es bei der Erstellung von Verordnungen oder im Therapieablauf mit nach Haus nehmen. Ulrike Gest und Michael Murrer stellten sich als Versuchskaninchen zur Verfügung – wir erlebten somit einige Übungen live und erhielten jederzeit kompetente Antworten auf unsere vielfältigen Fragen. Ein Punkt ihres Vortrages war auch das Kinesio-Taping. Hierbei wird ein dehnbares Gewebeband auf die betroffenen oder schmerzenden Körperbereiche aufgeklebt, die Muskulatur wird entspannt und angeregt – Schmerzen in den entsprechenden Regionen werden reduziert. Wer mochte, konnte sich selbst davon überzeugen und nach dem Referat „tapen“ lassen.

Der Besuch der zwei Physiotherapeutinnen neigte sich dem Ende zu und schon drang durchs geöffnete Fenster des Seminarraumes appetitlicher Duft herein – das Abendessen war fertig. Wir nahmen unsere Mahlzeit diesmal jedoch nicht im Speiseraum ein, denn das obligatorische Grillen stand bevor. Herr Grohmann hatte uns in der Zwischenzeit ein leckeres Mahl bereitet, und so ließen wir es uns bei Bratwürsten, Steaks, gegrilltem Fetakäse und verschiedenen Salaten ordentlich schmecken. Es war ein lauer Sommerabend und so bewaffnete sich jeder nach dem Essen mit einer Decke oder einem Jäckchen und nahm um das mittlerweile lodernde Lagerfeuer Platz. Es wurden Liederbücher hervor gekramt und mit musikalischer Unterstützung von Herrn Grohmann auf der Gitarre und Eric Schade auf der Ukulele wurde aus gut geölten Kehlen kräftig mitgesungen. Wir saßen um das prasselnde Lagerfeuer, den Weg säumten mitgebrachte Schwedenfeuer und am wolkenlosen Himmel funkelten die Sterne – viele von uns fühlten sich wie im Ferienlager in Kindheitstagen. Und so wurde es ein langer Abend, wir genossen diese wohltuende Atmosphäre, bevor wir spät in der Nacht unsere Betten aufsuchten.

Am Sonntagmorgen kräftigten wir uns wieder mit einem ordentlichen Frühstück. Und nun stand eigentlich „Basteln“ auf dem Programm. Die bestellte Referentin, die diesen Teil übernehmen sollte, erkrankte jedoch plötzlich und somit wurde von Monika Robitzsch kurzerhand Ersatz organisiert: zu gleicher Zeit wie wir gastierte auch der Frauenchor „Cantores“ aus Großenhain im „King’s-Quartier“ und dieser erklärte sich spontan bereit, uns eine Kostprobe seines musikalischen Könnens zu geben. Und so kamen wir in den Genuss von Chorliedern, teilweise mit Klavier begleitet, welche bei uns eine wohlige Gänsehaut verursachten, weil diese so hervorragend vorgetragen wurden. In einem Lied besangen die Damen des Chores ihren Durst nach einem Likörchen und wir nahmen dies zum Anlass ihnen nach dem Konzert Sekt und Eierlikör für ihre strapazierten Stimmen zu überreichen.

Da nach der musikalischen Veranstaltung noch etwas Zeit bis zum Mittagessen blieb, nutzten einige von uns die Gelegenheit, um zu der nahe gelegenen Kirche „Zur heiligen Dreieinigkeit“ zu spazieren. Dieses Gotteshaus wurde in der Zeit von 1713-1716 von Georg Bähr, dem Erbauer der Frauenkirche zu Dresden, gebaut und war von uns aufgrund einer vorhandenen Rollstuhlrampe sehr gut sowohl von außen als auch von innen zu besichtigen.

Vor dem letzten gemeinsamen Mittagessen trafen wir uns alle noch einmal vor der Herberge zum Gruppenfoto und ließen das tolle Begegnungswochenende nach dem Essen in aller Ruhe ausklingen. Jeder trat wieder seine Heimreise an und hatte das Gepäck voll mit schönen Erinnerungen, Eindrücken und Erlebnissen. Und getreu dem Motto: „Nach dem Begegnungswochenende ist vor dem Begegnungswochenende“ freuen wir uns schon wieder auf das nächste BeWo 2017.

Ein herzliches Dankeschön gebührt allen Organisatoren für die liebevolle und tolle Ausgestaltung der für uns unvergesslichen Tage.

Klaus Hergert