16.11.2017 | In eigener Sache

2. mitteldeutscher Thementag in Halle (Saale)

Unser Motto: „Psychologische Aspekte bei chronischen Krankheiten“

Gruppenfoto der Teilnehmer
Foto von Frau Neidhardt vom Sonnenstrahl e.V.

Am 21. Oktober 2017 fand nun zum zweiten Mal der gemeinsame Thementag mit den Kontaktpersonen und Vorständen der Landesverbände Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt statt. Der Tagungsort, das Elisabeth-Gymnasium in Halle (Saale), war sowohl mit dem öffentlichen Nahverkehr als auch mit dem eigenen PKW gut erreichbar. Wir möchten uns in diesem Zusammenhang ganz herzlich bei der Stadt Halle (Saale) dafür bedanken, dass die Kosten für den Transport unserer RollstuhlfahrerInnen und Begleiter*innen vom Hauptbahnhof bis zum Tagungsort und zurück übernommen wurden.
Die Eröffnung der Veranstaltung und Begrüßung der Teilnehmer erfolgte durch die Vorsitzende des Landesverbandes Sachsen-Anhalt Frau Beate Cwiertnia. Beate hatte für alle Teilnehmer einen kleinen Brief vorbereitet, der in das Thema des Tages einführte. Der Thementag stand unter dem Motto „Psychologische Aspekte bei chronischen Krankheiten“.

Unsere erste Referentin, Frau Corinna Neidhardt, eine Sozialpädagogin vom Verein Sonnenstrahl e.V. aus Dresden, berichtete über ihre Arbeit bei der Begleitung von Geschwistern schwerkranker (an Krebs bzw. Leukämie erkrankter) Kinder. Sie stellte die Belastungen für die gesunden Geschwister dar, die sich im Zusammenhang mit den Veränderungen in der Familie nach der Diagnose einer schweren Erkrankung ergeben.
Nach den Angaben der „Stiftung Familienbande“ leben in Deutschland etwa 2,2 Millionen Kinder mit einem schwer chronisch kranken oder behinderten Geschwisterkind. Aufgrund verschiedener Faktoren, wie z. B. der eingeschränkten elterlichen Verfügbarkeit, einem erhöhten elterlichen Erwartungsdruck, der Sorge um das erkrankte Geschwisterkind und der häufig fehlenden Möglichkeit darüber mit jemandem sprechen zu können, können ganz erhebliche Belastungen für die Geschwister entstehen. Dabei ist der Grad der Belastung durchaus unterschiedlich, jedoch besteht für bis zu 30 % der Geschwister ein erhöhtes Risiko, dass die schwierige Familiensituation sie bis ins Erwachsenenalter belastet. Grundsätzlich sagen sowohl Pädagogen als auch Wissenschaftler, dass eine kindgerechte Aufklärung über die Erkrankung und die Bedeutung besser ist, als das Verschweigen von Tatsachen. Die Aufklärung hilft Ängste zu vermeiden und kann den Geschwistern ein Gefühl von Beteiligung vermitteln
Der Verein Sonnenstrahl e. V. bietet Geschwisterkindern die Möglichkeit sich zu treffen und sich auszutauschen auf sogenannten Geschwistertagen. Ferner werden auch eine Geschwisterbetreuung bzw. Ferienfreizeiten für Geschwister angeboten.
Frau Neidhardt stellte schließlich neben zwei interessanten kindgerechten Büchern auch einen Fragebogen für Geschwister und Eltern eines schwerkranken Kindes vor, mit dessen Hilfe die aktuelle Belastungssituation eines Geschwisterkindes genauer eingeschätzt werden kann. Kann aus den Antworten abgeleitet werden, dass eine erhebliche Belastung des Kindes vorliegt, dann sollte eine professionelle psychologische Betreuung der Kinder veranlasst werden.
Mittlerweile stehen bundesweit für Kinder und Jugendliche mehr als 300 verschiedene Angebote zur Verfügung, deren inhaltliche Spannbreite von Aufklärung und Beratung über Betreuung/Entlastung bis hin zur Erlebnispädagogik und Selbsterfahrung reicht. Informationen über diese Angebote sind über www.stiftung-familienbande.de(link is external) zu erhalten.

Im Anschluss an den Vortrag von Frau Neidhardt hatten Katharina Kohnen und André Neutag das Wort. Sie stellten den Anwesenden die „Junge DGM - eine Arbeitsgruppe in der DGM e.V.“ und deren Anliegen und Ziele vor. Sie teilten mit, dass sich viele Jugendliche und junge Erwachsene Tagesveranstaltungen der Landesverbände der DGM wünschen, um den persönlichen Kontakt mit anderen Muskelkranken zu haben. Über eine eigene Facebook-Seite und einen Twitter-Account verfügen die Jungen bereits jetzt. Ein wesentlicher Arbeitsinhalt der Arbeitsgruppe (AG) ist die Etablierung von Jugendbeauftragten in den Landesvorständen. Hierzu orientierte sich die AG an Vorbildern anderer Selbsthilfeverbände.

„Mit der Erkrankung leben“ hieß das Thema des Vortrags unseres zweiten Referenten, Herrn Wolfgang Schönberg, am Nachmittag. Er fragte die Zuhörer, was ihre eigene Identität ausmache und definierte dann fünf Säulen der Identität. Zu diesen Säulen gehören die physische Situation, das soziale Netzwerk, das Leistungsvermögen, die materielle Sicherheit und die Werte eines Menschen. Eine (schwere) Krankheit lässt die verschiedenen Säulen bröckeln. Herr Schönberg führte aus, dass insbesondere die Verwirklichung der eigenen Werte der Grund für ein sinnvolles und gelingendes Leben ist. Leider konnten diese Gedanken aus Zeitgründen nicht ausdiskutiert werden und blieben so etwas theoretisch. Den Abschluss seines Vortrags bildete eine Meditation über den Sinn des Lebens.

Insgesamt war es eine gelungene Veranstaltung mit Gelegenheit zum persönlichen Gespräch untereinander.
Ein herzlicher Dank gilt auch dem Personal der Küche, dem wir ein reichliches und gesundes Mittagessen verdanken.

Dr. Petra Muschke
Schatzmeisterin im Landesvorstand Sachsen-Anhalt