21.07.2019 | In eigener Sache

Der Landesverband Sachsen-Anhalt zu Besuch im Sozialministerium Sachsen-Anhalt

Integrierte Versorgung für alle Patienten: ein Ziel

Die Sozialministerin Sachsen-Anhalts im Gespräch mit Mitgliedern des Landesverbandes
Mitglieder des Landesverbandes zu Gast bei der Sozialministerin

Mitglieder des DGM-Landesverbandes Sachsen-Anhalt, darunter auch Vertreter der Muskelzentren in Halle und Magdeburg, sprachen mit Frau Ministerin Grimm-Benne über Schwachstellen in der medizinischen Versorgung und bei Teilhabeerleichterungen.

Trotz der sommerlichen Temperaturen fuhren sechzehn Mitglieder des Landesverbandes am 03.06.2019 nach Magdeburg ins Sozialministerium. Dort erwartete sie die Sozialministerin Frau Grimm-Benne, ihr persönlicher Referent Herr Hippler und die Referatsleiterin für ambulante medizinische Versorgung Frau Lange. In einer konstruktiven Atmosphäre schilderten die Betroffenen und Angehörigen ihre Erfahrungen bei der Behandlung von seltenen Muskelerkrankungen: Sie liegen außerhalb des Regelfalls, bedürfen einer interdisziplinären ärztlichen Versorgung und verlangen den Betroffenen ein Management ab, das mit dem Gesundheitszustand und den Mobilitätseinschränkungen oft schwer zu bewältigen ist. Frau Ministerin Grimm-Benne sagte dazu: „Bei einem Unfall erledigt die Unfallkasse alles aus einer Hand. In der Regelversorgung muss leider alles alleine organisiert werden. Deshalb werde ich mich auf Bundesebene für eine integrierte Regelversorgung, aber auch für die Stärkung von Zentren für seltene Erkrankungen einsetzen. Das Universitätsklinikum Magdeburg ist an einem Projekt zur Schaffung einer neuen Versorgungsform für Patienten mit unklaren Diagnosen beteiligt. In einer dualen Lotsenstruktur sollen Patienten in Zentren somatisch und psychiatrisch begleitet werden. Es wird aus dem Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschuss gefördert.“ Frau Dr. Schneider, Sprecherin des Muskelzentrums Halle, und Frau Timmer hinterfragten kritisch, warum dann bei der Nachbesetzung des Lehrstuhls für Neurologie in Halle der Muskelschwerpunkt aufgegeben wird. Denn das könne sich negativ auf die breite Expertise des anerkannten Muskelzentrums auswirken. Die Ministerin erklärte in der weiteren Diskussion, dass sie sich für den Erhalt eingesetzt hätte, aber auch wirtschaftliche Zwänge zu beachten seien. Jedoch sei das verständliche Anliegen angekommen, das Muskelzentrum in Halle in seiner Breite zu erhalten und das Zentrumsangebot in Magdeburg zu erweitern.

Es folgte eine sehr bewegte Diskussion über die Art und Weise, wie im Versorgungsamt und in den Sozialgerichten über die berechtigten Anliegen der Muskelkranken entschieden wird. Aufgrund der teilweise hanebüchenen Erfahrungen mit dem MDK schlugen die Betroffenen vor, für die seltenen und sehr individuell verlaufenden Muskelerkrankungen analog der Verordnung außerhalb des Regelfalls eine Entscheidung außerhalb des „rechtlichen“ Regelfalls einzuführen. Kritisiert wurde insbesondere die Dauer der Klagen bis zu ihrer Entscheidung. Beantragte Hilfsmittel entsprächen bei Entscheidung der Klage oft nicht mehr dem erwarteten Nutzen, weil die Muskelerkrankung inzwischen fortgeschritten ist und ein Hilfsmittel erfordert, das der neuen Situation genügt. Hierzu regte Frau Ministerin Grimm-Benne an, die Problematik als Landesverband direkt beim Sozialgericht vorzustellen.

Mit einem guten Gefühl, die Probleme einmal beim Namen nennen zu können, bedankten sich alle für das Gespräch und die Zeit, die sich Frau Ministerin Grimm-Benne dafür genommen hat.

Birgit Timmer
i.A. für den Landesverband