21.07.2019 | In eigener Sache

Barrierefreiheit und ihre Wortschöpfungen

Selbsthilfegruppe „Muskel-Treff-Altmark“ im Gespräch mit einem Fachmann

Thomas Schüler als Experte für Barrierefreiheit
Teilnehmende beim "Muskel-Treff-Altmark"

Über das Thema Barrierefreiheit wird sehr viel in der Presse berichtet, meistens darüber, wo sie fehlt, doch selten darüber, wo sie geschaffen wurde. Der Nachholbedarf in der historischen Hansestadt Tangermünde ist ein Dauerthema bei den ansässigen Behindertenvertretungen und Regionalpolitikern. Deshalb hatte die Selbsthilfegruppe „Muskel-Treff-Altmark“ zu ihrem jüngsten Treffen am 06.07.2019 den Sachverständigen für Barrierefreies Planen und Bauen sowie Wohnberater für ältere und behinderte Menschen, Thomas Schüler, aus Schönebeck nach Tangermünde eingeladen.

Er informierte die Mitglieder der Selbsthilfegruppe über die Förder- und Darlehensprogramme zu den Umbaumöglichkeiten im häuslichen Umfeld sowie über die allgemeine Gesetzeslage in Sachsen-Anhalt. Ernüchterung machte sich breit, als Schüler erklärte, dass die Schaffung der Barrierefreiheit in Sachsen-Anhalt nicht verpflichtend sei, weil es viele Ausnahmeregelungen gäbe, die das erklärte politische Ziel wieder aushebeln würden. Nur wenige Bundesländer hätten gesetzliche Regelungen getroffen, um diesen Ausnahmeregelungen entgegenzuwirken. Er gab aber auch Tipps, wie Betroffene Einfluss nehmen können, um die Ziele zu verwirklichen. Beispielsweise könnten sich Kommunen durch Ratsbeschlüsse verpflichten, die Ausnahmeregelungen nicht anzuwenden. Vorsicht sei auch bei den vielen Wortschöpfungen wie behindertengerecht, barrierearm oder rollstuhlgerecht geboten. Dies seien freie Kreationen, die Barrierefreiheit vortäuschen sollen, aber keinerlei Rechtsgrundlage besitzen würden und somit auch keiner Norm entsprächen.

Das Fazit der Veranstaltung: Was nützen laut verkündete Ziele, deren Erreichung in weiter Ferne liegen, wenn es an den Mitteln zur Verwirklichung fehlt.

Birgit Timmer
Leiterin SHG "Muskel-Treff-Altmark"