25.02.2020 | In eigener Sache

Bericht DGM RLP Familienfreizeit 2019

Am Pfingstwochenende war es endlich wieder soweit: Anlässlich der alljährlichen Familienfreizeit der DGM Rheinland-Pfalz haben wir viele befreundete Familien wiedergetroffen. Unser Weg führte uns dieses Jahr nach Prüm in die Jugendherberge. Besonders gefreut hat es uns, dass wir dieses Jahr zwei neue Familien begrüßen durften.

Die Freizeit begann wie immer mit einem gemütlichen Abend zum Kennenlernen, bei dem dieses Mal unter anderem selbstgebaute Hilfsmittel vorgestellt werden konnten. Es ist manchmal wirklich unterhaltsam zu sehen, wie praktische Alltagsprobleme kreativ gelöst werden, wenn Alternativen fehlen. Für den ein oder anderen, der seine Probleme wiedererkannt hat, war dieser Ideenaustausch definitiv von großem Nutzen.

Samstags stand alles im Zeichen eines selbstständigen Lebens: Morgens informierte der Landesbehindertenbeauftragte Matthias Rösch über neue gesetzliche Regelungen zur Teilhabe und damit politische Fortschritte z.B. beim Schutz von selbst erarbeitetem Vermögen. Dem zweiten Vortragenden Goran Pericic, Mitarbeiter des Assistenzdienstes Ipsa Vita, ging es vor allem um die praktische Umsetzung, also Wege zur Assistenz und verschiedene Ausgestaltungsmöglichkeiten je nach persönlichem Bedarf.

Traditionsgemäß wurde der Samstag abgerundet vom gemeinsamen Grillabend; wetterbedingt musste der Verzehr leider nach drinnen verlegt werden, aber davon haben wir uns den Spaß nicht verderben lassen: Zwei der Jugendlichen haben festgestellt, dass man die Roboterarme an ihren Rollis auch für das Mensch-ärgere-dich-nicht-Spielen nutzen kann - da ist Feinfühligkeit gefragt und die Faszination der Zuschauer garantiert!

Am Sonntag führte uns unser Ausflug ins Phantasialand: Hier kamen auch und vor allem die nicht eingeschränkten Eltern und Geschwisterkinder auf ihre Kosten. Aber auch unsere Rolli-Fahrer folgten mit Begeisterung den verschiedenen Shows und genossen die Atmosphäre. Getrübt wurde die Stimmung nur durch den Achsbruch eines Elektrorollstuhls, doch mit vereinten Kräften und Solidarität und Unterstützung von allen Seiten konnte der Tag noch zu einem guten Abschluss gebracht werden.

Die Grundstimmung der Familienfreizeit ist meiner Erfahrung nach sowieso außergewöhnlich: Durch die ähnliche Lebenssituation entstehen schnell enge Bindungen und ein ausgeprägtes Vertrauen; man kennt und versteht die Probleme und Sorgen der anderen. Das bezieht sich nicht nur auf die Betroffenen selbst oder die Eltern der jüngeren Kinder, die die Verantwortung tragen. Auch für mich als fast erwachsenes Geschwisterkind, das zwar selten direkt, aber doch meist über Umwege beteiligt ist, ist der Austausch mit anderen sehr wertvoll.

Unser letzter Programmpunkt war wie jedes Jahr die Rolli-Rallye, die am Montagvormittag stattfand und auf die sich unsere kleinen und großen Rennfahrer schon lange im Voraus gefreut haben. Entscheidend für den Sieg waren neben Schnelligkeit auch Präzision beim Rückwärtsfahren und dem Schätzen der Rollstuhl-Breite sowie Teamwork bei der Nutzung eines Umlenksystems zum Anheben eines Brettes, auf dem ein Spielzeug-Bagger stand und der nur allzu gerne auch mal heruntergefallen ist… Mein persönliches Highlight waren die eher unkonventionellen Wertungskategorien, die spontan eingeführt wurden: Von „Papa-als-Motor“ bis hin zum begleiteten Fahren auf dem Schoß des großen Bruders oder dem Eigenantrieb im Schieberollstuhl konnte wirklich jeder seinen Fähigkeiten entsprechend teilnehmen.

Was ich immer wieder als bereichernd empfinde ist die Vielfalt der Gruppe: Neben betroffenen Kindern mit deren Eltern und Geschwisterkindern sind auch oft Erwachsene mit Lebensgefährten und/oder Assistenten dabei. Manche Familien kommen seit Jahrzehnten immer wieder, aber es sind auch fast jedes Jahr neue Teilnehmer dabei. Manche haben ihre Diagnose vor Ewigkeiten bekommen, bei anderen ist es wenige Monate her. Manche sind stärker eingeschränkt und dauerhaft auf einen Elektrorollstuhl und Assistenz angewiesen, andere können noch selbstständig laufen. Kurz gesagt: Wir decken ein ziemlich breites Spektrum ab. 

Das Schlusswort würde ich gerne einer Erstteilnehmerin überlassen: "Es ist schön, endlich zu wissen, wo man hingehört." Und so hat sie mir versichert, dass sie auch über Pfingsten bei der Familienfreizeit 2020 in Trier dabei sein wird.

Carina Schulte (17)

Die jährliche Familienfreizeit ist immer wieder ein Höhepunkt im Kalender des Landesverbandes RLP. Der Vorstand bedankt sich daher herzlich bei den Referenten Matthias Rösch und Goran Pericic, insbesondere aber auch bei Markus Betz, der mit der Organisation der DGM Sternfahrt (https://dgm-sternfahrt.org/) immer wieder einen großen Teil der Finanzierung sicherstellt.