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30.05.2014 | Berichte

Muskelpatienten zu Gast in der Uni-Vorlesung bei Prof. Zerres am 30. Mai 2014

Medizin-Studenten lernen Muskelkranke kennen

Gerne nahmen Ingrid Künster und ich auch in diesem Jahr wieder die Einladung von Herrn Prof. Zerres, dem Leiter des Humangenetischen Instituts der Uniklinik Aachen an, am 30. Mai als Patienten in seiner Vorlesung zum Thema Humangenetik zu Gast zu sein. Seit Jahren ist es eine schöne Tradition – finde ich - Patienten mit in die Vorlesung zu nehmen, um die Medizinstudenten aus dem 4. Semester zum Staunen und zum Nachdenken zu bringen. Ich besuchte die Vorlesung jetzt schon im 3. Jahr.

Mein „Uni-Tag“ fing morgens schon richtig „gut“ an. Aufgrund des defekten Aufzuges am Dürener Bahnhof musste ich erst einmal um den Bahnhof herum fahren, um den barrierefreien Eingang zu erreichen. Dadurch habe ich den Zug nach Aachen verpasst! Der nächste Zug, eine halbe Stunde später, hatte dann auch noch 30 Min. Verspätung. In Aachen angekommen, erreichte ich dann jedoch sofort den Bus zum Klinikum Aachen. Ingrid Künster und Ihr Lebenspartner warteten schon auf mich.

Wie immer wurden wir um 12 Uhr am Eingang in Empfang genommen und zum Vorlesungsraum begleitet. Trotz des kalendarischen Brückentages und einer wichtigen anstehenden Klausur waren viele Studenten anwesend. Prof. Zerres führte das darauf zurück, dass die Studenten es sehr interessant finden, wenn die Vorlesungen durch Patienten aufgelockert werden. Weiterhin erwähnte er lächelnd, dass es sich ja bei den Anwesenden um die ganz „Harten“ handle. Während eines kurzen Vorgespräches füllte sich, langsam aber sicher, der Saal.

Prof. Zerres stellte uns viele Fragen: Wie ist es mit einer Muskelkrankheit zu leben? Wie gehen die Mitmenschen damit um? Welche Barrieren gibt es im Alltag? Wie war es mit dem Kinderwunsch, der Schwangerschaft und der Geburt? Weiterhin wurden wir gefragt, ob unsere Kinder unsere Einschränkungen in irgendeiner Weise ausgenutzt haben. Diese Frage konnten wir beide, aus tiefsten Herzen mit „Nein“ beantworten.  Weiterhin erzählten wir, wie es ist Mutter zu sein und mit den damit verbundenen Schwierigkeiten klar zu kommen. Wie ich beim Jugendamt Elternassistenz durchgesetzt habe. Ingrid Künster erzählte, dass sie seinerzeit mit ihrem kleinen Sohn völlig auf sich selbst gestellt war, denn staatliche Unterstützungen gab es früher nicht. Zum Schluss demonstrierte Ingrid Künster das Aufstehen aus dem Rollstuhl, sowie das Umhergehen mit Unterstützung ihres Lebensgefährten. Die Studenten waren sichtlich davon beeindruckt, welche Tricks und Kniffe man sich so im Laufe eines Lebens aneignet, um Hürden im Alltag zu meistern. Ich durfte - nach einigen technischen Problemen - meinen kleinen Kampagnenfilm mit meiner Tochter zum Thema „Selbsthilfe wirkt“ zeigen ( www.selbsthilfe-wirkt.de ). Während der Techniker versuchte das Bild herzustellen, wippten die Studenten zu der fröhlichen Musik auf ihren Bänken hin und her.

Am Ende gaben wir den Medizinstudenten mit auf den Weg, dass wir Ärzte brauchen, die sich mit uns auf ein Abenteuer einlassen und uns nicht als Papierpatient sehen, sondern als Herausforderung! Weiterhin wünschen wir uns, dass sie sich auch eingestehen können, wenn sie eine Muskelerkrankung nicht kennen und uns dann an den kompetenten Facharzt weiterleiten.

Der tosende Applaus zeigte uns wieder mal, dass es eine wirklich gelungene Veranstaltung war! Ich hatte sogar das Gefühl, dass die Studenten gerne Weiteres gehört und erfahren hätten. Da aber unser zeitlicher Rahmen vollkommen ausgeschöpft war, war dies leider nicht möglich. Ingrid Künster, ihr Lebenspartner und ich genossen nach „unserer“ Vorstellung in der Vorlesung noch eine schöne Zeit miteinander bei Kartoffelsalat und Würstchen in der Cafeteria des Aachener Klinikums.

Wir danken Herrn Prof. Zerres und seinem Team ganz herzlich für die Einladung. So hatten wir auch die Möglichkeit, die Aufgaben und Ziele der DGM vorzustellen. Auch im nächsten Jahr sind wir gerne wieder zu einer gemeinsamen Vorlesung bereit.

Birgit Kalwitz
Gesprächskreisleiterin Düren