31.12.2016 | Berichte

Gesprächskreis Neuss – Rückblick auf das Jahr 2016

Es ist eine tolle Erfahrung, die gegenseitige Unterstützung und Hilfe in der Gruppe zu erleben und auf diesem Weg den Gedankenaustausch zu fördern. Unsere Gruppe, die sich seit nunmehr 15 Jahren einmal monatlich trifft, ist in den Jahren zusammengewachsen. Hier werden viele persönliche Dinge besprochen. Man kann sich fallen lassen – und wir spüren, wenn jemand Probleme hat und Unterstützung braucht. Wir passen aufeinander auf. Unsere Abende sind sehr lebendig und wir gehen mit einem besseren Gefühl wieder nach Hause.

Besonders hervorheben möchte ich diesmal zwei Veranstaltungen. Wir hatten eine Verabredung mit dem Kriminalhauptkommissar, Herrn Franz-Josef Rytlewski, von der Polizeibehörde Neuss. Er gab uns viele Tipps, wie wir unsere Wohnung/ unser Haus vor Einbrechern schützen können. Weiterhin hat er uns auf die Tricks der Taschendiebe aufmerksam gemacht. Diese gehen meistens in Teams vor, d.h. sie teilen sich die Arbeit. Einer lenkt das Opfer ab, während der Mittäter oder die Mittäterin die Geldbörse oder das Handy aus der Tasche des Opfers entwendet und unauffällig verschwindet. Wir sollen misstrauisch bleiben, wenn wir von Unbekannten angesprochen werden, in welchem Anliegen auch immer.

Ein weiteres Highlight war unser gemeinsamer Ausflug im August nach Oberhauen ins Gasometer zu der Ausstellung „Wunder der Natur“. Auf rund 150 großformatigen einzigartigen Fotografien wurden detaillierte Einblicke in die Welt von Tieren und Pflanzen gezeigt. Beim Anblick der Bilder hatte man das Gefühl, tatsächlich mitten im Dschungel zu stehen. Besonders beeindruckt hat uns ein großer aufgehängter Ballon mit einem Durchmesser von 20 Metern, der die Erdkugel darstellte. Darauf wurden echte Satellitenbilder projiziert, um den Blick auf die Erde aus 36.000 Kilometern Höhe nachzuempfinden. Mit dem Panorama-Aufzug fuhren wir unter das Dach des Gasometers und konnten uns so die Erdkugel auch von oben betrachten. Dieser Blick war überwältigend. Vor allem die Kinder hatten hier ihren Spaß. Dieser interessante Vormittag ging viel zu schnell vorbei, aber schließlich waren wir nicht nur zum Vergnügen in Oberhausen. Nach dem Mittagessen lauschten wir dem Vortrag von Ursula und Gerd Sixter-Grasse über ihre Teilnahme an der diesjährigen Tagung der DIGAB (Deutsche Interdisziplinäre Gesellschaft für Außerklinische Beatmung), die diesmal in Bamberg stattgefunden hat. Die DIGAB hat das Ziel, die Organisation der außerklinischen Beatmung stetig zu verbessern, da durch den medizinischen Fortschritt und die verbesserte Medizintechnik immer mehr Patienten in den Genuss der Heimbeatmung kommen. Unter anderem wurde über das Thema „Therapien für Muskelerkrankungen“ referiert. Atemtherapeutische Maßnahmen wurden vorgestellt und durch praktische Übungen veranschaulicht. Sie gelten als die einzige Möglichkeit, das Fortschreiten einer Muskelerkrankung zu verlangsamen.  Dazu gehören: leichte  Kräftigungsübungen, Dehnübungen, Wärmebehandlungen und Atemgymnastik. Und wenn es um Atemgymnastik geht, dann ist auch schnell die Rede vom sog. Sekretmanagement, denn die Atemgymnastik zielt u.a. darauf ab, den Hustenstoß zu kräftigen, um Schleim besser abhusten zu können (damit sich keine Lungenentzündung entwickelt, die zu lebensbedrohlichen Komplikationen führen kann).

Ein weiteres Thema war "Reisen und Sport mit Beatmung". Eine Teilnehmerin berichtete von der Verwirklichung ihres Traums auf einem eigenen Pferd zu reiten. Eine andere betroffene Muskelkranke nahm den immensen Aufwand auf sich, um in Ägypten tauchen zu können; und ein invasiv Beatmeter ist mit seinem Bruder und einem Pfleger samt Partnerin nach Kenia gereist - ein unglaublich aufwändiges Unterfangen, wenn man bedenkt, wie viele Hilfsmittel gerade auch für Beatmete mitgeführt werden müssen und wie sehr man doch auf eine konstante, verlässliche Stromversorgung angewiesen ist. Es wurden auch "Kreative Hilfsmittel für Betroffene" vorgestellt. Diese im Einzelnen an dieser Stelle zu beschreiben, würde den Rahmen sprengen. Bei Interesse können Sie nähere Einzelheiten von Ursula Sixter-Grasse erfahren. Tel. 02858/8324942.  Wir danken ihr und ihrem Mann ganz herzlich für den informativen Vortrag. Im Anschluss diskutierten wir noch angeregt über das Thema „Außerklinische Beatmung“, das für einige aus der Gruppe noch reine Theorie ist. Bei einem leckeren Eis und netten Gesprächen klang dieser eindrucksvolle Tag aus, der wie im Flug verging. Auch im kommenden Sommer planen wir wieder einen Ausflug.

Zum Jahresende fand dann auch wieder unser traditionelles Gänseessen statt. Nun starten wir mit viel Elan ins neue Jahr 2017 und hoffen, dass wir uns auch weiterhin alle so häufig treffen können. Neue Teilnehmer sind willkommen. An dieser Stelle bedanke ich mich auch bei den Angehörigen, die uns betroffene Muskelkranken stets begleiten und uns dadurch die Treffen erst möglich machen.

Herzliche Grüße
Ingrid Künster (Leiterin der Selbsthilfegruppe Neuss)