05.06.2015 | Berichte

Zu Gast im Humangenetischen Institut der Uni Aachen am 5. Juni 2015

Auch in diesem Jahr besuchten Ingrid Künster und ich mit Freude wieder die Vorlesung von Herrn Prof. Dr. Zerres, dem Leiter des Humangenetischen Instituts am Universitätsklinikum Aachen. Seit Jahren ist es eine schöne Tradition, Patienten mit in die Vorlesung zu nehmen, um die Medizinstudenten aus dem 4. Semester zum Staunen und zum Nachdenken anzuregen. Ich war jetzt das 4. Mal dabei. Es ist immer wieder spannend, mit welchem Interesse die Studenten unseren Berichten folgen und interessiert Fragen stellen.

Meine Anreise mit Bus und Bahn verlief diesmal glücklicher Weise ohne Probleme. Wir wurden um 12 Uhr am Eingang in Empfang genommen und zum Vorlesungsraum begleitet. Während eines Vorgespräches vor der eigentlichen Vorlesung erkundigte sich Herr Prof. Zerres nach unserem Wohlergehen. Ingrid Künster und ich erzählten kurz unsere einschneidenden Lebensveränderungen. Herr Prof. Zerres zeigte sehr viel Mitgefühl für die Schicksalsschläge, aber auch Freude über die positivenbiven Veränderungen.

Während wir uns unterhielten, füllte sich langsam aber sicher der Saal. Zu Beginn lobte der Prof. alle Studenten, die trotz des Brückentages und des schönen Wetters anwesend waren und bat die Anwesenden, einen Tadel an die weiterzugeben, die nicht gekommen waren. Scherzend merkte er an, er wüsste nicht genau, ob er als Student an einem Brückentag, bei einem so schönen Wetter zur Vorlesung  gegangen wäre. Dies wurde mit allgemeinem Gelächter kommentiert.

Prof. Zerres stellte uns viele Fragen: Wie ist es, mit einer Muskelkrankheit zu leben? Wie gehen die Mitmenschen damit um? Wir unterhielten uns über Mitleid, Inklusion, Barrieren im Alltag. Weiterhin diskutierten wir über die Schwierigkeiten im Umgang mit den Kostenträgern bei der Durchsetzung von Hilfsmitteln und Rehamaßnahmen. Wir erzählten davon wie es ist Mutter zu sein und mit den damit verbundenen schwierigen Situationen zurecht zu kommen. Am Ende gaben wir den Medizinstudenten mit auf den Weg, dass wir Ärzte brauchen, die sich mit uns auf ein Abenteuer einlassen und uns nicht als Papierpatient sehen, sondern als Herausforderung! Weiterhin wünschen wir uns, dass sie sich auch eingestehen können, wenn sie eine Muskelerkrankung nicht kennen und uns dann an den kompetenten Facharzt weiterleiten.

Der große Applaus zeigte uns wieder mal, dass es eine wirklich gelungene Veranstaltung war. Aber unser zeitlicher Rahmen war viel zu früh ausgeschöpft und einige Fragen konnten deswegen leider nicht mehr beantwortet werden. Wir danken Herrn Prof. Zerres und seinem Team ganz herzlich für die Einladung. So hatten wir auch die Möglichkeit, die Aufgaben und Ziele der DGM vorzustellen. Mit einer Träne im Auge mussten wir uns – diesmal ganz besonders von Herrn Prof. Zerres - verabschieden. Wir nahmen gerne an seinen Vorlesungen teil und haben die freundliche, offene und angenehme Atmosphäre sehr genossen.  Für den bevorstehenden Ruhestand wünschen wir Herrn Prof. Zerres alles Gute und Gottes reichen Segen!

Auch im nächsten Jahr sind wir gerne wieder zu einer gemeinsa-men Vorlesung bereit. Nach der Veranstaltung genossen Ingrid Künster, ihr Le-bensgefährte und ich noch das schöne Wetter im kopfsteinpflasterreichen Aachen bei einem leckeren Essen und besuchten das Weltkulturerbe: den Aachener Dom, die Krönungskirche der deutschen Könige und Grabstätte Karls des Großen.

Birgit Kalwitz, Düren
Delegierte NRW