01.05.2017 | Veranstaltungen

Familienfreizeit der DGM vom 28.04.2017 bis 01.05.2017

Das hört sich gut an, dachte ich, Mutter zweier Kinder, eines davon muskelkrank und im Rolli, als ich die Einladung der DGM las. Nur die Worte "Wir gehen klettern! Mit und ohne Muskeln!"erweckten in mir Zweifel und Skepsis. Was soll man mit einem Rollstuhl in einem Klettergarten?, fragte ich mich. "Grenzenlos", war der Name des inklusiven Klettergartens. "Grenzenlos?" Das konnte ich mir nicht vorstellen. Stößt man doch alltäglich mit einer Muskelkrankheit und/oder einem Rollstuhl an Grenzen. Sollte es hier nun tatsächlich mal ein echtes "Grenzenlos" geben? Bei allen Zweifeln.... Ich meldete uns an.

Wir reisten Freitagnachmittag an und trafen uns mit den anderen Teilnehmern in der Jugendherberge in Bielefeld. Herzlich wurden wir alle von den Organisatoren Frau Patricia Weißenfels und Frau Petra Hatzinger von der DGM sowie Jonas und Julia vom Klettergartenteam Grenzenlos empfangen. Wir spielten gemeinsam Kennenlernspiele und sprachen über unsere Erwartungen, Befürchtungen und Wünsche. Die großen und kleinen Teilnehmer verstanden sich auf Anhieb gut und gingen offen und herzlich miteinander um. Auch die Jugendherberge selbst, wo wir alle Nächte verbrachten, war toll. Gänzlich barrierefrei und für die Kinder genug Platz zum Flitzen oder Rumdüsen mit ihren Rollis. Schöne geräumige Zimmer. leckeres Essen. Freundliches Personal und ein hübsches Bistro, zum netten Zusammensitzen am Abend. Rundum gut versorgt, konnten wir also in unser Kletterabenteuer starten. :)

Den ganzen Samstag sowie den ganzen Sonntag verbrachten wir im inklusiven Klettergarten - Grenzenlos in Gütersloh. Dort wurden wir kompetent und herzlich vom Klettergartenteam, bestehend aus den Kletterexperten Jonas, Julia, Corinna und Ralf alias Opppa, betreut. Jeder Teilnehmer bekam seine eigene Kletterausrüstung. Dazu gehörte natürlich ein Helm und das Klettergeschirr. Auch die einzelnen Rollis wurden mit Klettergurten und Seilen bestückt. Mir wurde ein bißchen mulmig, als auch die schweren E-Rollis mit entsprechender Kletterausrüstung ausgestattet wurden. Ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie das Klettern ohne Muskeln funktionieren sollte und ein bisschen Angst hatte ich jetzt auch. Doch die Betreuer vom Klettergarten waren großartig.
Sie konnten sämtliche Befürchtungen ausräumen und schafften es auch mit viel Einfühlungsvermögen ängstliche Mütter zu beruhigen. ;) Auch besaßen sie jede Menge Fachkenntnis und Erfahrung und schafften es stets, die großen und kleinen Teilnehmer zu ermutigen verschiedene Dinge auszuprobieren.

Das Kletterteam wollte uns zunächst das Gefühl des Hängens vermitteln. Man konnte es auch Schweben oder Baumeln nennen. Oder einfach nur, eine Übung, um sich erstmal an die Höhe zu gewöhnen bzw. an das Gefühl, den Boden unter den Füßen/oder auch unter den Rädern zu verlieren...Kurzum, wir zogen gemeinsam jeweils einen Teilnehmer mit und auch ohne Rollstuhl in die Höhe. Auch die Kinder im Elektrorollstuhl zogen wir am Seil meterhoch in die Luft. Ich traute meinen Augen kaum, als auch die Kinder im E-Rolli baumelnd in der Luft hingen und freudig "höher, höher" jauchzten.
Jeder Teilnehmer entschied selbst, wie hoch er hinaus wollte. Und ob er dann auch noch schaukeln wollte, oder lieber erstmal schnell wieder runter. Auf jedes Bedürfnis ging das Kletterteam ein. Später wurde es richtig spannend. Nun durften wir in den Hochseilgarten. Nach einer ausführlichen Einweisung ging es los. Mit Karabinerhaken am Seil gesichert, bewegten wir uns paarweise durch den Kletterparcour. Auf einem breiten Holzsteg ging es am Anfang leicht ansteigend nach oben. Hier konnte man mit dem Rollstuhl noch bequem fahren. Später wurde es schwieriger. Um mit dem Rollstuhl von einer Plattform zur nächsten zu kommen, musste man über Holzbrücken oder Holzwippen fahren. Manchmal kam man auch nur über ein gespanntes Seil zur nächsten Plattform. Dann wurde einfach der Rollstuhlfahrer und der Rollstuhl am Seil gesichert und der Rollstuhlfahrer zog sich selbst bzw. der Kletterpartner zog ihn zur Plattform hinüber. Auch gab es die Möglichkeit sich von einer Plattform per Flaschenzug zur nächsten Plattform oder gar bis zur Erde abseilen zu lassen. Es war wirklich erstaunlich, wie vielfältig sich ein Rollstuhlfahrer in diesem Kletterpark bewegen konnte.

Doch auch die Kletterer auf zwei Beinen kamen auf Ihre Kosten in diesem abwechslungsreichen Klettergarten. Viele ließen es sich zudem auch nicht nehmen, gesichert am Seil, einen 10 m hohen Pfahl hinauf zu klettern und anschließend kühn rückwärts in die Tiefe zu springen.
Besonders mutig waren die Kinder Yanis und Julia. Es war wirklich atemberaubend, als sich die Geschwister rückwärts im Rollstuhl sitzend vom 5 m hohen Jakobsturm abseilten. Die Anerkennung und der Applaus der anderen Teilnehmer war ihnen natürlich sicher. Lustige Spiele, Lagerfeuer und Stockbrot, gemeinsames Grillen und Pizzaessen, genügend Zeit für Austausch und Entspannung sowie Zeit zum Toben und Düsen für die Kinder rundeten unser schönes Programm im Klettergarten ab. Am Montagmorgen traten wir alle nach dem Frühstück die Heimreise an.

Familienfreizeit der DGM....Wir waren klettern! Mit und ohne Muskeln... Niemals hätte ich das für möglich gehalten. Mein muskelkranker Sohn erzählte es stolz am nächsten Schulmorgen im morgendlichen Erzählkreis. :) Es war eine wunderbare Erfahrung. Und ich denke, wir können alle sehr, sehr stolz auf uns sein. Wir können stolz sein, auf all die mutigen kleinen und großen Kletterer unter uns. Darauf, dass wir auf unsere eigene Kraft und die Kraft der anderen vertraut haben. Und darauf, dass wir den Mut hatten loszulassen und neue Dinge ausprobiert haben. Es war ein wunderschönes Wochenende. Es war wahrlich "GRENZENLOS" und es hat Lust gemacht auf mehr...Lust auf mehr Leben. :)

Kinderstimmen:

Yanis (12 Jahre): "Das Abseilen war ein ganz besonderes Erlebnis!"
Julia(10 Jahre): "Ich fand das Abseilen und vom 10 m hohen Pfahl Springen genial!""
Nils (6 Jahre): "Mir hat am Besten das Seilbahnfahren und das Spielen mit den anderen Kindern gefallen."
Lars (5 Jahre): "Das Seilbahnfahren und das Hochgezogen werden, war am Besten."
Derin (5 Jahre): "Ich fand alles so sehr schön, besonders dass ich auf kleinen Seilbahn rutschen könnte."
Eren (5 Jahre): "Ich fand auch Seilbahn besonders schön und dass wir alle zusammen gegrillt haben."
Mert (8 Jahre): "Ich hatte sehr viel Spaß. Ich habe auch einen Freund gefunden. Niklas, er hat coole Rollstuhl. Ich fand so schön, dass viele Kinder mit Rollstuhl klettern konnten und Jugendherberge war richtig schön."
Cedric (11 Jahre): "Ich fand am tollsten, dass ich mit meinem Bruder Niki zusammen klettern konnte."
Niklas (9 Jahre): "Ich fand schön, dass ich neue Freunde kennengelernt habe und gesehen habe, wie es anderen Rollifahrern so geht. Und wie ich am Seil von einer Plattform zur anderen Plattform rübergeflogen bin."
Josina (9 Jahre): "Ich fand es besonders gut, mich von dem Pfahl fallen zu lassen und zu schaukeln."
Laurin (15 Jahre): "Es war super, dass alle zusammen klettern konnten!"