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29.08.2015 | Berichte

Fahrsicherheitstraining für Muskelkranke

Betroffene im ADAC Sicherheitszentrum

Bei strahlendem Sonnenschein absolvierten 9 Muskelkranke im Alter von 22 bis 80 Jahren auf dem Gelände des ADAC Sicherheitszentrums in Olpe ein Fahrsicherheitstraining. Trotz körperlicher Behinderungen den Alltag so lange wie möglich selbstständig zu meistern, ist eines der wichtigsten Ziele Muskelkranker, dazu gehört auch das Autofahren.

Die anfänglichen Ängste konnte der Trainer Burkhard Müller ganz schnell mindern und uns positiv auf das kommende Training vorbereiten. Zu Beginn legten die Teilnehmer ihre Ziele und Wünsche für das Training fest. Dazu gehörten Dinge, die für Muskelkranke zum Thema Autofahren und Sicherheit wichtig sind. Problemsituationen im Alltag wurden besprochen und über Lösungsmöglichkeiten diskutiert. Für Herrn Müller war es das erste Training mit behinderten Teilnehmern, die zum Teil im Rollstuhl sitzen. Auf dem Gelände des ADAC erwartete uns ein Parcours mit unterschiedlichen Herausforderungen: Fahrbahnen, die Schneebelag oder Eis simulieren, eine Kreisbahn mit unterschiedlichen Belägen und Wasserhindernissen, bewegliche Wasserfontänen, die computergesteuert verschiedene Hindernisse darstellten, Geschwindigkeitsmessungen an verschiedenen Punkten, eine Slalomstrecke sowie diverse Bremssituationen auf den verschiedenen Untergründen. Ziele des Trainings sollten sein: Überprüfung des Wissensstandes, frühzeitiges Erkennen von Gefahrensituationen, das Erlernen der richtigen Reaktion in Notsituationen, die Erkennung eigener Grenzen, das Auto besser kennen zu lernen, das Training von Fahrtechniken und die Stärkung des Selbstbewusstseins.

Dann ging es los: Nacheinander mussten wir einen Slalomparcours umfahren - jeder so schnell, wie es ihm angenehm war. Herr Müller kontrollierte die Sitzposition jedes Teilnehmers. Bei jedem gab es etwas zu optimieren, was für einige sehr ungewohnt war. Danach wurde nochmals gefahren, um den Unterschied festzustellen. Sobald man sicher war, sollte es mit ca. 50 km/h  weitergehen im Slalomparcours. Dann wurde die Fahrbahn nass. Als Steigerung mussten wir dann eine Vollbremsung auf verschiedenen Untergründen üben. Für uns Muskelkranke besonders wichtig: überprüfen, wie es mit der eigenen Kraft aussieht. Hat das umgebaute Auto alles, was ich brauche, um gut zu reagieren, kann noch etwas verbessert werden? Alle Teilnehmer haben diese Übungen mit hoher Konzentration, aber auch mit viel Spaß souverän gemeistert. Auf der Eisplatte galt es trotz Vollbremsung noch die Spur zu halten und durch die vorgegebenen Wasserfontänen sicher aus der Situation heraus zu fahren. Zuerst war das Hindernis immer an der gleichen Stelle, aber dann konnte man nicht mehr vorausse-hen, wo die Fontäne eine Lücke ließ, was das Manöver sehr schwierig und spannend machte. Wasser kam von allen Seiten, was die Sicht einschränkte. Es bedurfte einiger Versuche, bis wir sicherer wurden und uns zutrauten, etwas schneller über die Eisplatte zu fahren und stärker zu bremsen. Zum Schluss ging es noch in den Kurvenparcours. Dort mussten wir bei einer Geschwindigkeit von 25 km/h versuchen, die Spur zu halten und auch in der Kurve eine Vollbremsung zu machen. Es brauchte etwas Überwindung in der Kurve zu bremsen, aber auch diesmal wurde es immer besser je öfter man es versuchte.

Alle Übungen zeigten uns, dass man mit dem richtigen vorausschauenden Verhalten, bei angemessener Geschwindigkeit und richtigem Bremsverhalten in Kurven sowie ausreichendem Abstand zum Vordermann eine Gefahrensituation mindern und schadlos überstehen kann. Beim Abschlussgespräch bekam jeder Teilnehmer seine Teilnahmebescheinigung. Herr Müller äußerte den Wunsch, das Training für weitere Teilnehmer mit Behinderungen zu optimieren und fortzusetzen. Dies fanden wir eine tolle Idee, bei deren Umsetzung wir ihn gerne unterstützen wollen. Allen Teilnehmern hat das Training sehr viel Freude gemacht und jeder nimmt für sich viele tolle Tipps und Verbesserungen mit in seinen Alltag am Steuer.

Danke sagen möchten wir an dieser Stelle der Krombacher Brauerei, die uns mit ihrer Spendenaktion dieses Training ermöglicht hat.

Helga Vicente
Gesprächskreis für Muskelkranke in  Siegen
Delegierte und Kontaktperson der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke
Infos unter: helga.vicente [at] dgm.org