31.05.2018 | Berichte

DGM Gesprächskreis Neuss auf einer Reise in die Vergangenheit

Am 31. Mai 2018 machten sich die Teilnehmer des Neusser DGM-Gesprächskreises auf den Weg nach Euskirchen, um dort in einem ungewöhnlichen Ambiente einen gemeinsamen Tag zu verbringen.
Pascal Menzel, Mitglied des Gesprächskreises, hatte für uns eine Besichtigung der ehemaligen Tuchfabrik Ludwig Müller (heute ein Museum des Landschaftsverbandes Rheinland) organisiert. Ganz nach dem Motto „Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen“ versammelten wir uns nach der Begrüßung durch die Gesprächskreisleiterin Ingrid Künster zunächst im Café des Museums. Im Rahmen eines Vortrags informierte sie uns über die Änderungen im Bereich der Pflegeversicherung. Wir diskutierten über die wichtigsten Fakten: Ein neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff und ein neues Begutachtungsverfahren wurden eingeführt. Neben den körperlichen Einschränkungen werden nun die kognitiven Einschränkungen gleichermaßen berücksichtigt. Der zeitliche Umfang des Hilfebedarfs wird nicht mehr erfasst. Statt der drei Pflegestufen gibt es nun fünf Pflegegrade. In sechs verschiedenen Bereichen wird der Grad der Selbstständigkeit gemessen. Die Bereiche Mobilität, kognitive und kommunikative Fähigkeiten, Verhaltensweisen und psychische Problemlagen, Selbstversorgung, Bewältigung von krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen sowie die Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte fließen in unterschiedlicher Gewichtung in die Gesamtbewertung ein. Entlastungsangebote für pflegende Angehörige werden erweitert. Wir diskutierten sehr angeregt darüber, wie schwierig es nun für Muskelkranke geworden ist, bei der Begutachtung durch den MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkassen) die nötige Punktzahl in den einzelnen Modulen zu erreichen, um entsprechend dem individuellen Hilfebedarf einen Pflegegrad zu erhalten, denn Muskelkranke sind in der Regel nicht von kognitiven Einschränkungen betroffen. So tauschten die Teilnehmer ihre Erfahrungen aus, die sie mit dem MDK gemacht haben, und gaben sich gegenseitig wertvolle Tipps.
Im Anschluss daran begann die Führung durch die Tuchfabrik Müller. Das LVR - Industriemuseum zeigt eine vollständig erhaltene Tuchfabrik mit einem Maschinenpark aus dem frühen 20. Jahrhundert. Im Jahre 1961 wurde die Fabrik stillgelegt, aber alles blieb unverändert erhalten.  An diesem außergewöhnlichen Ort scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Der Rundgang durch die alte Produktionsstätte versetzte uns in Staunen. Wir hatten den Eindruck, in die Vergangenheit versetzt zu sein. Vor allem als die alten Maschinen, die teilweise noch funktionsfähig sind, wieder zum Leben erweckt wurden. Mächtige Krempelmaschinen kämmten Wolle, filigrane Spinnmaschinen formten einen feinen Garnfaden. Die Webschützen sausten hin und her, aus loser Wolle wurde feines Tuch gefertigt. Und ein Krach war das! Kaum vorstellbar, hier Tag für Tag arbeiten zu müssen, wie es die Menschen früher gemacht haben. Frau Spengler vom LVR erklärte uns gut verständlich die Funktionen der einzelnen Maschinen. Wir erhielten auch einen Einblick in die Arbeitsweise der großen Dampfmaschine, die damals die Produktion in Bewegung setzte, aber heute nur noch an bestimmten Sonntagen in Funktion zu sehen ist. Alles in allem war diese Besichtigung der Tuchfabrik für uns die Möglichkeit, ein Stück Sozialgeschichte zu erleben. Die Ausstellung ist trotz denkmalgeschützter historischer Bausubstanz barrierefrei zugänglich. Einzig die Nassappretur und das Maschinenhaus sind für Rollstuhlfahrer nur aus der Entfernung einsehbar, weil dort einige Stufen sind. Für den Rundgang war es auch möglich, kostenlos Klapphocker auszuleihen, sodass auch diejenigen aus der Gruppe, denen es nicht möglich ist so lange zu stehen, bis zum Schluss dabei sein konnten. Die Teilnehmer waren begeistert von diesem äußerst interessanten Industriemuseum und tauschten ihre Eindrücke anschließend bei einem schmackhaften Mittagessen ausgiebig aus. Anschließend genossen wir die Sonne im Freien und zum Nachtisch trafen wir uns noch in einer Eisdiele in Euskirchen.
Danke an alle, die sich so lebhaft in die Diskussionen eingebracht haben. Und vor allem „Danke“ an Pascal Menzel, der im Vorfeld diesen wunderbaren Tag für uns organisiert hat.

Ingrid Künster
Leiterin Gesprächskreis Neuss