17.10.2016 | In eigener Sache

Mitgliederversammlung des Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern

Gastgeber unserer diesjährigen Mitgliederversammlung am 15. Oktober war die Universitäts- und Hansestadt Greifswald, Veranstaltungsort die Räumlichkeit der Wirtschaftsakademie Nord, bei deren Mitarbeitern wir uns zunächst für die unkomplizierte, herzliche Atmosphäre vor Ort, die Betreuung durch unsere Ansprechpartnerin Frau Pohl und vor allem auch für den hervorragenden Service des hauseigenen Bistros bedanken möchten.

50 Gäste aus dem gesamten Bundesland, aus Schleswig-Holstein, Berlin und Sachsen-Anhalt waren gekommen und erlebten in guter Tradition einen informativen, unterhaltsamen Vormittag.

Die Glückwünsche aller galten gleich zu Beginn dem langjährigen Landesvorsitzenden Herrn Helmut Mädel, der im Rahmen der Mitgliedertage im September mit der Verleihung der Goldenen Ehrennadel für sein unermüdliches Engagement geehrt worden war.

Besonders freute er sich, dass seine ehemaligen Musiker-Kollegen, das Hornquartett vom Philharmonischen Orchester Vorpommern, sich bereit erklärt hatten, die Veranstaltung mit einigen Stücken zu bereichern. Die Brillanz und Klangfülle dieser vier Waldhörner überraschte und begeisterte.

Eine kurze Präsentation führte die Teilnehmer dann durch das alte und neue Greifswald, ein „virtueller Stadtrundgang“ gewissermaßen, die Gegenüberstellung historischer und aktueller Fotografien ergänzt mit allerlei Wissenswertem zur Stadt und ihrer Geschichte von unserem Mitglied Anke Graap – eine passende Grundlage für das anschließende Grußwort des Greifswalder Oberbürgermeisters Dr. Stefan Fassbinder.

Auch der Bundesverband der DGM war unserer Einladung gefolgt. Frau Birgit Timmer dankte in ihrem Grußwort für das Engagement der Mitglieder des Landesverbandes M-V. Die Aktivität an der Basis in den Landesverbänden sei Motivation und Anregung für ihre Arbeit im Bundesverband. Frau Timmer berichtete über aktuelle Schwerpunkte in der Arbeit des Bundesverbandes sowie über geplante Vorhaben wie die Neuwahl des Vorstandes im kommenden Jahr und den bevorstehenden Geschäftsführerwechsel, betonte aber gleichzeitig, die tragende Säule der DGM blieben nach wie vor die Mitglieder mit ihrer regionalen Zuordnung zu den Landesverbänden, die sich durch örtliche Erreichbarkeit auszeichneten und mit ihren Selbsthilfegruppen und Gesprächskreisen der Gemeinschaft Raum gäben, sowie dem zusätzlichen Angebot der sich immer weiter etablierenden Diagnosegruppen, die sich überregional stärker mit dem gemeinsamen Krankheitsbild und den spezifischen diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten beschäftigten.

Wir freuen uns sehr, Frau Prof. Dr. med. Simone Spuler von der Charité Berlin als Referentin für unsere diesjährige Veranstaltung gewonnen zu haben. Gern nutzte sie die Gelegenheit in deren Rahmen – wie sie sagte – die Kluft zwischen basiswissenschaftlicher Forschung und den Fragen der direkt Betroffenen weiter verkleinern zu helfen und legte in außerordentlich anschaulicher und (vor allem) auch für den medizinischen Laien verständlicher Weise die Bedeutung sowie wesentliche Ansätze und Methoden der humanen Muskelstammzellforschung dar.

Frau Prof. Spuler sprach über die Schwierigkeiten bei der Nutzbarmachung der so genannten Satellitenzellen des menschlichen Muskels für therapeutische Zwecke, informierte über neue Ansätze ihrer Forschergruppe zur Lösung dieser Probleme und verwies auf konkrete Publikationen und Informationsquellen hierzu.

Mit Hinweis darauf, dass allen Muskeldystrophien i. d. R. eine Genmutation zugrunde liegt ging Frau Prof. Spuler schließlich noch auf die Problematik der Gen-Reparatur ein. Hier gibt es viele verschiedene Methoden, u. a. die so genannte Gen-Schere CRISPR-Cas9, mit der es denkbar ist (Es gibt noch keine praktische Umsetzung dieser Theorie!) das erkrankte Gen selbst zu reparieren ohne, wie bei anderen Verfahren, ein zusätzliches Gen einzusetzen. Für die Anwendung dieser Methode, so Frau Prof. Spuler, müsste sich die zu behandelnde Zelle allerdings in einem entwicklungstechnisch noch jüngeren, undifferenzierteren Zustand befinden als die oben erwähnten Satellitenzellen des Muskels.

Ihr Vortrag machte verständlich, welch komplexe Problematik hier von den Forschern zu bewältigen ist und weshalb es derzeit noch immer nicht möglich ist, auch nur eine der zahlreichen Muskeldystrophien kausal zu therapieren.

Infolge der bereits erwähnten guten Verständlichkeit der Ausführungen konnte im Anschluss rege diskutiert werden. Frau Prof. Spuler ging auf jede Frage ausführlich ein. Und auch wenn sie keine konkreten Hoffnungen auf rasche therapeutische Möglichkeiten wecken konnte war dieser fachlich anspruchsvolle Beitrag eine große Bereicherung der Veranstaltung.

Als nächste Referentin begrüßten wir Frau Christine Schmidt-Statzkowski, Sachverständige für Pflege und Pflegeberatung von der Firma Premio in Berlin. Sie sprach über das am 1. Januar 2016 in Kraft getretene Zweite Gesetz zur Stärkung der pflegerischen Versorgung und zur Änderung weiterer Vorschriften (Zweites Pflegestärkungsgesetz – PSG II) und das neue Begutachtungsverfahren sowie die Umstellung von Pflegestufe auf Pflegegrad, die zum 1. Januar 2017 wirksam werden.

Frau Schmidt-Statzkowski brachte den Anwesenden in gewohnt engagierter Weise wesentliche Aspekte zum PSG II und zur Übergangsregelung von der Pflegestufe zum Pflegegrad nahe.

Zunächst erläuterte sie den Begriff der Pflegebedürftigkeit im rechtlichen Sinne und die hinsichtlich Fähigkeiten und Aktivitäten der/s zu Pflegenden relevanten Bereiche und stellte das Begutachtungsinstrument zur Ermittlung des Grades der Pflegebedürftigkeit mit den verschiedenen Modulen und spezifischen Merkmalsausprägungen und deren prozentuale Gewichtung in der Ermittlung der Pflegegrade vor. Sie wies auf die Übergangsregelung bis zum 01.01.2017 hin, während der ohne Antrag und ohne neue Begutachtung jede bereits bestehende Pflegestufe automatisch in den entsprechenden Pflegegrad übernommen wird (Bestandsschutz der bestehenden Pflegeeinstufung!), gab dann wertvolle Hinweise zur Antragstellung und stellte schließlich noch einige Beispiele für Leistungen nach Pflegegrad vor.

In der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit konnten natürlich nicht alle Punkte umfassend besprochen werden, es gab jedoch im Anschluss noch eine Reihe spezieller Fragen, die Frau Schmidt-Statzkowski kompetent und individuell beantwortete.

Auch aus diesem Beitrag nahmen die betroffenen Anwesenden nicht unbedingt übertriebene Hoffnungen, wohl aber eine Menge an Information und Motivation mit in ihren Alltag.

Bevor sich die Teilnehmer in die Mittagspause und die Mitglieder des Landesverbandes in Anschluss daran in den internen Teil der Veranstaltung mit Berichtslegung und Wahl des neuen Vorstandes begaben präsentierte im Foyer des Gebäudes die Rollstuhltanzgruppe der Greifswalder Sportgemeinschaft 01 e. V. unter der Leitung von Frau Katharina Lippke eine Probe ihres Könnens. Die Disziplin Rollstuhltanz wurde vorgestellt, Mitglieder der Gruppe zeigten Beispiele aus den Bereichen Standard und Latein sowohl im Duo- als auch im Combi-Tanz und jeder konnte sich über das Training und auch über die Turnieraktivitäten und -erfolge informieren.

Alles in allem war es eine Veranstaltung „wie aus einem Guss“, die uns sicher lange in guter Erinnerung bleiben wird, und wir danken allen, die zu ihrem Gelingen beigetragen haben, ganz herzlich.

Im Namen des Vorstandes des LV M-V

Anke Graap