23.11.2019 | In eigener Sache

Kontaktpersonenschulung der Länder Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Berlin in Rheinsberg

Kontaktpersonenschulung vom 11. bis 13.10.2019 in Rheinsberg

Vom 11. bis 13. Oktober 2019 fand auf Initiative der Landesverbände Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern eine Kontaktpersonenschulung im barrierefreien Hotel Haus Rheinsberg statt.

Gern sind wir dieser Einladung gefolgt. Insgesamt reisten 50 Personen an.

Am Freitag den 11.10.19 begann die Veranstaltung nach einem gemeinsamen Mittagessen. Im Konferenzraum stand an jedem Platz eine kleine Überraschung. Frau Rödel hatte wieder einmal liebevoll gestaltete Unikate in Form eines Würfels mitgebracht. Mit einer leckeren Kleinigkeit als Inhalt hat sie für den richtigen Start des Treffens gesorgt. An dieser Stelle noch einmal ein Dankeschön von allen.

Der erste Vortrag wurde von Herrn Spieker, in seiner Funktion als Mobilitätsberater der Firma SKS Rehab AG, gestaltet.

Unter dem Motto der Firma „Entweder wir kennen den Weg oder wir finden einen“ hat er uns sehr anschaulich und natürlich an konkreten Modellen vor Ort die Rollstuhlmarken von SKS vorgestellt.

SKS Rehab entwickelt mit seinen 35 – 40 Mitarbeitern seit Jahrzehnten Elektrorollstühle. Dabei ist der „Manufaktur SKS“ der Austausch mit den Kunden wichtig, um aus diesem Erfahrungsschatz neues entstehen zu lassen. Den richtigen Rollstuhl zu finden ist eine wichtige Entscheidung, denn sollte er doch ständiger Begleiter für einen selbstbestimmten, mobilen und angenehmen Alltag sein. Bei SKS sind viele Sonderanfertigungen möglich die individuell, auf den in erster Linie Muskelpatienten, angepasst werden können.

Vorgestellt wurden mehrere Modelle wobei der neue Rollstuhl mit Mittelmotor mit der arretier baren Lenkgabel Interesse fand.

Nach einer kurzen Pause folgte der zweite Vortrag  

Hier berichtete der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Herr Dusel, über seine Arbeit und die Durchsetzung von Maßnahmen zur gleichberechtigten Lebensführung von Menschen mit Behinderung.

Von etwa 13,5 Millionen Menschen mit Behinderung sind etwa 90% erst nach der Schulzeit mit einer Behinderung konfrontiert. Hier muss die Inklusion im Leben greifen.

Unsere Demokratie muss Inklusion sein, denn jeder Mensch ist gleich viel wert! Hier heißt Inklusion gleich Umsetzung der Gleichberechtigung. Eine wichtige Aufgabe des Staates ist es dafür Sorge zu tragen das die Gesetze bei diesen Menschen ankommen.

  • Ein großes Augenmerk setzt der Behindertenbeauftragte mit seinen ca. 14 Mitarbeitern derzeit auf das Thema barrierefreien und bezahlbaren Wohnraum. Der soziale Wohnungsbau muss barrierefrei sein- ein großes Aufgabengebiet.

    Ein kleines Erfolgserlebnis steht für 2020 an. Der Pauschbetrag in der Einkommenssteuer, der seit 1995 gleichgeblieben ist, soll nach derzeitigem Stand in 2020 verdoppelt werden.

  • Ein weiteres großes Aufgabengebiet, die Teilhabe am Arbeitsleben.

    1,2 Millionen Behinderte sind in Arbeitsverhältnissen.

    160.000 Firmen müssten laut Gesetz Behinderte beschäftigen, aber ca. 25% beschäftigen keine!

    -    Bei der gesundheitlichen Versorgung gilt es in der nächsten Zeit Sorge zu tragen das Arztpraxen einen behindertengerechten Zugang bekommen. Derzeit ist es nur bei weniger als 30% der Praxen so.

         Krankenhäuser müssen so ausgestattet werden, dass auch die persönliche Assistenz mit untergebracht werden kann.

  • Ein wichtiges Augenmerk gilt es in nächster Zeit auf die Unterstützung von Familien mit schwerbehinderten Kindern zu legen.

    Im Haus des Behindertenbeauftragten, dem Kleisthaus in Berlin, sind viele kulturelle Angebote für Behinderte. Zu erkunden unter www.behindertenbeauftragter.de

    Wichtig für uns: Alle Behinderten dürfen ihr Anliegen offiziell an den Behindertenbeauftragten stellen.

    In der anschließenden Fragestunde gab es interessante Diskussionen über die Einblicke in die Arbeit und den Umfang der notwendigen Arbeiten zur Barrierefreiheit.

    Inklusion ist ein noch langwieriger Prozess, auch weil alle älter werden.

     Den Freitag schlossen wir mit unserem  obligatorischen und geselligen Kegelabend ab.

    Wer wollte konnte hier sein Können unter Beweis stellen oder einfach nur Spaß haben. Neben dem Sieger der Frauen und Männer wurde auch der Rattenkönig prämiert. Auch hier hatte Frau Rödel sehr nette Präsente vorbereitet.

    Der Samstag begann mit dem Vortrag von Herrn Reto Gericke von der Firma Assistenz.de, die mehr als 100 Betroffene vertritt.

     Er sprach zu den Themen

  • Organisation und Durchführung/Durchsetzung einer persönlichen Assistenz
  • Bundesteilhabegesetz, Neuregelungen in Verbindung mit persönlicher Assistenz,

    in erster Linie aus Sicht seiner Firma.

    Assistenz.de gibt Hilfe in allen Lebensbereichen, in der Pflege sowie auch im Arbeitsleben.

    Nach der Bewilligung des Antrages beim jeweiligen Träger kann die Hilfe in Form einer Sachleistung oder aber als persönliches Budget erfolgen.

    Beide Formen werden uns dargestellt und auch die Unterschiede veranschaulicht. Besonderes Augenmerk legte Herr Gericke auf die Erläuterung der Verantwortung bei den Modellen

  • Sachleistung in Form der Verantwortung beim jeweiligen Pflegedienst
  • Budget = Arbeitgebermodell, Verantwortung beim einzelnen Budgetnehmer!! Wobei im Fall eines Krankenhausbesuches das Arbeitgebermodell von Vorteil ist, da in diesen Fall die Assistenz mit ins Krankenhaus genommen werden darf (Wenn es entsprechende Zimmerkapazitäten gibt).

    Hier gab er auch wichtige Hinweise zu den wichtigen Themen

    *Unfallversicherung (Unfallkassen, nicht Berufsgenossenschaften), 

      Betriebshaftpflicht nicht möglich bzw. zu kostspielig, keine Drittschädigung ohne

      Betriebshaftpflicht versicherbar.

    Das persönliche Budget ist individuell mit dem Träger zu vereinbaren. in Punkten wie: -  was wird benötigt, welche Sonderleistungen werden beantragt wird über eine Zielvereinbarung ab 2020 integrierter Teilhabeplan(ITP) der Bedarf des Antragstellers erarbeitet. Bei der Beantragung des persönlichen Budgets ist es egal bei welchem Träger der Antrag gestellt wird, denn die Träger prüfen wer verantwortlich ist. Aus Gründen der Zeitersparnis ist es aber günstiger der Antragsteller weiß welcher Träger in der Verantwortung ist.

    Bei der Finanzierung  des Budget sind Vermögen und Einkommen des Antragstellers sehr entscheidend. Hier gibt es aber nach den Neuregelungen im Bundesteilhabegesetz Verbesserungen zu Gunsten der Budgetnehmer.

    Asssistenz.de ist ein Anbieter für alle Leistungen die Menschen mit Hilfe benötigen. Sie vertritt ca. 100 Personen, hiervon sind etwa 80% in der Betreuung mit dem Arbeitgebermodell und 20 % mit Sachleistung, also Verantwortung beim jeweiligen Pflegedienst.

    Firmenstandorte sind Hamburg und Berlin.

    Der zweite Vortrag des Samstagmorgens wurde vom Verein „Hunde für Handicaps“ gestaltet.

    Frau Häcker stellte das Können von Assistenzhunden vor und welche Hilfen im Alltag diese Hunde für Menschen mit Behinderung sein können.

    Sehr veranschaulicht wurde dies natürlich durch die Vorführungen mit einem Assistenzhund vor Ort.

    Da es für die Ausbildung eines Assistenzhundes keine Kostenübernahme eines Trägers gibt sind die Kosten für die Ausbildung bei diesem Verein in Höhe von ca. 22.600 € recht erquicklich. Hier kommen die Anschaffungskosten des Hundes noch dazu.

    Den Samstagnachmittag verbrachten wir in Familienfreizeit mit persönlichen Gesprächen und Erfahrungsaustausch zwischen uns Kontaktpersonen.

    Den Abend gestaltete ein Großteil der Anwesenden bei einer großen Schiffsfahrt mit dem Ausflugsschiff MS Remus

    Bei Abendbüfett mit Live  Musik vergingen die Stunden bis zum Feuerwerk wie im Fluge. Das alljährliche Feuerwerk, als Abschluss der Schifffahrtssaison in Rheinsberg, vom Wasser aus zu beobachten ist schon etwas Besonderes.

    Den Vortrag des Sonntags gestaltete Herr Rux von der Firma Orfomed

    sehr Anschaulich mit Hilfsmitteln zum Thema Handmobilität und Oberarmorthese.

    Die

  • Carbonhand und die
  • mechanische physiodynamische Oberarmorthese

    konnten einige unserer anwesenden Kontaktpersonen am eigenen Körper ausprobieren und

    in eigener Erfahrung spüren.

    Den Abschluß unserer Kontaktpersonenschulung bildete die gemeinsame Auswertung der Tage. Gekonnt moderiert von Heinz Strüwing, wie die gesamte Veranstaltung. Hierfür möchte ich an dieser Stelle meinen großen Dank aussprechen. Seine jahrzehntelange Erfahrung als Leiter des Landesverbandes Brandenburg hat auch hier zu einer gelungenen Veranstaltung geführt.

    Von allen Teilnehmern sind die gewählten Vorträge und die Organisation des Treffens gelobt worden.

    Ein Thema dieses letzten Tagungspunktes war auch die Auswertung der letzten Delegiertenkonferenz der DGM in Hohenroda durch Helmut Mädel, unseren Landesvorsitzenden von Mecklenburg-Vorpommern. Hier wurde die neu beschlossene Satzung, die Stellung und Arbeit der Diagnosegruppen in Zusammenarbeit mit den Landesverbänden kontrovers diskutiert.

    Ein großes Dankeschön möchte ich an dieser Stelle auch dem Ehepaar Uta und Wieland Rödel, Kontaktpersonen im LV Brandenburg aussprechen. Durch kleine Aufmerksamkeiten für uns, sowie selbst gestaltete Kalender mit Zeichnungen von Wieland als Geschenk für die Referenten, haben sie dem Treffen Ihren kleinen Stempel aufgedrückt.

    Nach dem gemeinsamen Mittagessen haben wir alle die Heimreise angetreten.

    Für mich war das wieder ein sehr erfolgreiches Wochenende.  

    Ein großer Dank gilt den Referenten, dem Personal des Hotels.

    Besonders zu erwähnen ist die langjährige Projektförderung für alle drei Länder durch die AOK Nordost.

    Wir hoffen im Selbsthilfeförderverfahren 2020 findet diese gemeinsame Veranstaltung einen weiter geförderten Platz.

    Winfried Möller

    Kontaktperson im LV Mecklenburg-Vorpommern.