15.01.2018 | In eigener Sache

Hessischer Landesverband feiert 40jähriges Bestehen

Wir gehen den Weg Seite an Seite – mit diesem sehr passenden Stück von Christina Stürmer eröffnete die Band JAStMusic! die Feier zum vierzigjährigen Bestehen des DGM Landesverbandes Hessen. Um dieses Jubiläum zu würdigen, hatte der Landesvorstand das Treffen des Landesverbandes am 28. Oktober 2017 in Friedberg größer als sonst geplant – als Ganztagesveranstaltung mit mehr Themen, Einladung zum Mittagessen und musikalischer Begleitung durch eine Liveband.

Dass der Anlass über Hessen und die DGM hinaus Beachtung fand, zeigten die Grußworte, die der Staatssekretär im hessischen Sozialministerium, Dr. Wolfgang Dippel, und Prof. Dr. Dengler als Vertreter des DGM Bundesvorstands persönlich überbrachten. Schriftlich hatte sogar der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier ein Grußwort übersandt, das der Landesvorsitzende Kai Dietrich der Versammlung verlas.

Im ersten Vortragsblock stellten Sybille Metzger und Miriam Vogt von der Bundesgeschäftsstelle der DGM – gemeinsam mit Maskottchen Karlchen -  die Leistungen der Hilfsmittelberatung und die Probewohnungen vor. Diese beiden unterschiedlich großen Wohnungen können von interessierten Personen tageweise angemietet werden. Sie bieten natürlich die Möglichkeit, als Ferienwohnung die Basis für Ausflüge in der Umgebung von Freiburg zu bilden, besonders ist aber die Möglichkeit, eine Vielzahl an Hilfsmitteln und baulichen Lösungen praktisch auszuprobieren, mit denen diese Wohnungen ausgestattet sind.

Von spezialisiertem Besteck und Geschirr, das körperbehinderten Menschen das selbständige Essen und Trinken erleichtern kann, über absenkbare Oberschränke, ein Bett, dessen Lattenrost motorisch drehen und sich in eine Sitzposition falten kann, so dass das Aufstehen aus dem Bett erleichtert wird, und ein Deckenlifter- System über mehrere Räume bis hin zu einer kompletten Umfeldsteuerung kann man jede Lösung intensiv im „echten Gebrauch“ daraufhin testen, ob man selbst damit zurechtkommt und es für einen selbst nützlich sein könnte.

Auch mobile Hilfsmittel, die in der Bundesgeschäftsstelle zum Ausprobieren vorhanden sind, können nach Absprache während eines Aufenthaltes in einer der Wohnungen dort zur Verfügung gestellt werden. Für die Verfügbarkeitsanfrage und Buchung der Wohnungen kann man sich an das Beratungsteam der Geschäftsstelle in Freiburg wenden.

Nach der ausgiebigen Mittagspause mit leckerem Buffet und vielen Gesprächen unter den etwa 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmern ging es weiter mit dem Thema „Logopädische Behandlung bei Muskelkrankheiten“, das Inger Graaf, Logopädin in der Asklepios-Klinik Seesen und vormals in der Weserbergland-Klinik in Höxter beschäftigt, und Gerald Holste, Oberarzt der Weserbergland-Klinik, vorstellten.

Sie stellten dabei klar, dass Logopädie „nicht das mit den Füßen“ ist und sich auch nicht auf die Behandlung von Sprechstörungen beschränkt. Gerade im Zusammenhang mit Muskelerkrankungen geht es oft auch um Schluckstörungen, Schwierigkeiten mit der Stimme und dem Sprechen oder Beeinträchtigungen der Mimik infolge betroffener Gesichtsmuskulatur.

Zur gründlichen Diagnose auf all diesen Gebieten dient der Logopädin oder dem Logopäden ein ausführliches Gespräch, in dem er oder sie auf Stimme, Sprechen, Mimik und Schluckbewegungen des Gegenübers aufmerksam achtet. Zur Behandlung erkannter Probleme kommen dann gezielte Übungen unter Anleitung, Beratung zu Sprechtechniken oder auch zur Ernährungsanpassung in Frage. Aber auch die Beratung über ggf. geeignete Hilfsmittel zur Nahrungsaufnahme oder Kommunikation gehört zum Tätigkeitsfeld der Logopädie.

Nicht zuletzt können Logopädinnen und Logopäden auch deshalb wertvolle Ansprechpersonen sein, weil die logopädische Behandlung in Einzelsitzungen in geschütztem Rahmen stattfindet.

„Tierisch interessant“ wurde es dann im dritten Themenblock. Sandra Kreykenbohm und Christoph Nowak stellten gemeinsam mit Labrador-Hündin Nala die Arbeit des Deutschen Berufsverbandes für Therapie- und Behindertenbegleithunde e.V. vor und zeigten, was Hunde im Dienst von Menschen alles leisten können.

Seit seiner Gründung im Jahr 2000 hat der Verein bereits über 300 Teams von Hunden und Menschen ausgebildet. Dabei kommen die Hunde, die aufgrund besonderer Wesensmerkmale ausgesucht werden – z.B. hohe Stresstoleranz, Lernbegierigkeit, Konzentrationsfähigkeit, Unterordnungsbereitschaft – bereits als Welpe zu dem Menschen, dessen eingeschränkte Sinnes- oder Körperfunktionen sie möglichst weitgehend ersetzen lernen sollen, um dem Menschen ein weitgehend selbständiges Leben zu ermöglichen.

Hunde können so z.B. beim Ausziehen einer Jacke helfen, Zimmer- und Schranktüren öffnen und schließen, Schalter betätigen, heruntergefallene Gegenstände aufheben und mit Hilfe besonderer Geschirre Lasten tragen. Wenig bekannt ist auch, dass Hunde lernen können eine sich ankündigende Unterzuckerung, asthmatische oder epileptische Anfälle zu erkennen und ihr menschliches Teammitglied rechtzeitig zu warnen.

Etwas anders ist das Aufgabenfeld von Therapiehunden, die der Berufsverband für Therapie- und Begleithunde ebenfalls ausbildet. Diese Hunde arbeiten in der Logopädie, Ergotherapie, Physio- oder Psychotherapie mit der Therapeutin oder dem Therapeuten zusammen und helfen z.B., eine vertrauensvolle Beziehung zu Patientin oder Patient aufzubauen, die Motivation bei der Therapie aufrechtzuerhalten, Stress zu reduzieren und das emotionale Wohlbefinden zu steigern.

Die Ausbildung sowohl von Begleit- wie auch Therapiehunden umfasst jeweils Seminare, Trainings mit Trainerin oder Trainer vom Berufsverband für Therapie- und Begleithunde und verschiedene Prüfungen. Nähere Informationen sind unter www.dbtb.info oder per Mail unter info [at] dbtb.info erhältlich.

Am Schluss des Vortrages konnten sich interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer von Nalas Fähigkeiten überzeugen und sich beispielsweise „zufällig heruntergefallene“ Gegenstände aufheben lassen, was Nala selbst mit einer 1 Cent Münze überzeugend gelang.

Mit herzlichem Dank an alle Referentinnnen und Referenten und die Band JAStMusic beendete Kai Dietrich dann den „offiziellen Teil“ der Feier, an den die Band einen stimmungsvollen Ausklang anfügte.

Bericht: Kai Dietrich