17.06.2018 | In eigener Sache

21.04.2018 Workshop "Ritual der Sinne"

Ritual der Sinne
Ritual der Sinne

Seid Ihr noch ganz bei Sinnen?

Was es mit dieser Frage auf sich hat, wird in diesem Artikel beantwortet.

Aufgehoben ist bekanntlich nicht aufgehoben! Dies hatten die Organisatoren den Teilnehmern der im November 2017 stattgefundenen Veranstaltung „Get in touch“ in Aussicht gestellt, als kurzfristig einer der drei Workshops krankheitsbedingt ausfallen musste. Deshalb freute sich das Organisatorenteam des Landesverbands Hamburg umso mehr, dass der Workshop am 21.04.2018 stattfinden konnte. Hierzu fanden sich 20 Teilnehmer im Commundo-Tagungshotel in Hamburg ein. Geleitet und durchgeführt wurde der Workshop von Usha Gaillard und ihrem fünfköpfigen Team. Sie betreibt die Praxis für Potenzialentwicklung beim Integralis Institut Hamburg, leitet dort die Intouch Massageschule und ist Seminarleiterin für Tantragruppen bei Art of Loving.

Nachdem alle Teilnehmer am späteren Vormittag angekommen waren, sorgte eine knapp einstündige Warm-Up-Runde im roten Kaminzimmer dafür auch innerlich anzukommen. Kleine Übungen in wechselnden Paarkonstellationen waren dazu angetan, erste Berührungsängste zu überwinden. Eine Übung bestand darin, sich mit einer bislang nicht bekannten Person zusammenzutun und sich gegenüber zu setzen, um sich mit den Händen seines Gegenübers zu beschäftigen. Während das Gegenüber die Augen schloss, war es die Aufgabe des anderen diese Hände zu betrachten und zu erfühlen. Ein Moment der Stille und des Genießens beim Lauschen der Sinneseindrücke und Assoziationen von dem „Berührer“ oder der „Berührerin“. In weiteren Einheiten ging es darum in Austausch zu kommen, unter anderem darüber wie wichtig Berührung für jeden einzelnen ist, wie wohl sich jeder einzelne in seiner Haut fühle, welche Sinne besonders wichtig im sinnlich-erotischen Zusammenhang sind etc.

Nach einem einstündigen Lunch-Break folgte das eigentliche Ritual. Dahinter verbarg sich eine Reise in die Welt der (eigenen) Sinne. Die „Reiseleitung“ hatten Usha Gaillard und ihre Mitarbeiterinnen übernommen. Um die Intensität und Abwechslungsreichtum dieser knapp zweistündigen Reise zu steigern, wurden allen Teilnehmern die Augen verbunden, natürlich freiwillig. Dadurch konnte sich jeder auf seine übrigen Sinne konzentrieren und nicht wie üblicherweise über die Augen und der damit einhergehenden Bewertung.

Wir „Reisegäste“ wurden dann ins Kaminzimmer geführt und nahmen in einem Kreis Platz. Im Zimmer duftete es angenehm und es ertönte ansprechende Musik, die die Reiselust steigerte. Alle Teilnehmer fassten sich an die Hände und hatten damit bereits ein erstes Etappenziel erreicht. Das Fühlen und berührt werden von Menschen, von denen man in dem Moment gar nicht wusste, mit wem man es zu tun hat. Dadurch nahm man sich und sein Umfeld auf eine andere Art und Weise wahr.

Dies war der Auftakt der gemeinsamen Reise und was dann folgte, war eine geschickt inszenierte Führung durch die „Welt der Sinne“. Das Reiseziel war es, seine Sinne zu schärfen. Denn die Sinne und Sinnlichkeit bedingen einander. Und Sinnlichkeit geht dabei weit über einen erotischen Kontext hinaus.

Ein Fokus wurde auf die Atmung gelegt. Durch eine bewusste Atmung lässt sich die Lebendigkeit im Körper besser spüren und macht empfänglicher für intensive Sinneseindrücke. Klangschalen und andere Instrumente sprachen das Hören an. Die Schwingungen der -neben anderen Instrumenten- zum Einsatz gekommenen Klangschalen waren nicht nur zu hören sondern teilweise auch sehr deutlich zu spüren und brachten den eigenen Körper in Schwingung. Als nächstes kam der Riechsinn. Jeder war eingeladen, seine Umgebung bewusst über die Nase wahrzunehmen. Verschiedene Essenzen streiften mal mehr oder weniger intensiv und mancher Duft sprach bestimmte Erinnerungen und/oder Teile des Körpers an.

Dann stand der Tastsinn im Visier. Dem wiederholten Berühren und Erkunden der Hände der Nachbarn schlossen sich weitere Eindrücke an. Mit Fellen und Federn wurden die Teilnehmer von den Assistentinnen aufmerksam berührt. Kleinere Kopf und Schultermassagen folgten.

In einem weiteren Schritt wurde der Geschmackssinn mit leckeren verschiedenen Obststückchen und Süßigkeiten angeregt. Hier konnte man beim Schmecken vieles Neues entdecken.

Eingefasst waren die einzelnen Erlebnisabschnitte in kurzen Rezitationen verschiedener Texte und Weisheiten, die von unterschiedlichen Mitarbeitern des Teams zu Gehör gebracht wurden.

Zum Schluss wurden alle Teilnehmer schonend darauf vorbereitet, die Augenbinden abzunehmen. Begleitet wurde dieser Prozess mit einem Zitat aus Antoine de Saint-Exupéry „Der kleine Prinz“: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“

Nach und nach kamen alle Teilnehmer mit geöffneten Augen aus ihrer Sinnesreise wieder im Raum an und erblickten eine wunderschön geschmückte Mitte, in der alle benutzten Musikinstrumente, Federn, Duftflakons, angebotenen Speisen etc. präsentiert wurden.

Zum Abschluss wurden alle dazu eingeladen ihre Reiseerlebnisse mit den Mitreisenden zu teilen.

Mich hat diese geführte Reise ermuntert, meine Sinne noch bewusster einzusetzen – und mehr auf die eigene Atmung zu achten. Hierin ist für mich ein Schlüssel verborgen, der einen Zugang zu einem bunteren und noch intensiveren Leben ermöglicht – sei es im Alltag, bei der Gestaltung von Zweisamkeit, im Umgang mit anderen und vor allen Dingen mit mir selbst. Es war eine interessante, bezaubernde und bereichernde Fahrt.

Olaf Zaremski -für das Organisationsteam des DGM-Landesverbands Hamburg-