31.08.2019 | Berichte

Internationale Begegnung beim Grillfest

Besuch beim "RolliTraining Göttingen"

Die „Selbsthilfegruppe Göttingen für erwachsene Muskelkranke und Eltern mit betroffenen Kindern“ tagt seit ihrer Neugründung im November 2017 regelmäßig im ehrwürdigen Gemeindesaal von St. Albani im Zentrum von Göttingen. Das Sommer-Treffen am 24. August 2019 sollte diesmal ein Grill-Ausflug werden. Auch wenn die Zietenterrasssen nur drei Kilometer südöstlich von St. Albani liegen, fanden sich die Teilnehmer in einer eher unvertrauten Umgebung wieder: der Sportanlage des SC-Hainberg 1980 e.V. Eine Anlage, die der Muskelkranke eher selten anläuft – könnte man denken. Doch tatsächlich bietet hier seit Anfang des Jahres Marco Woltermann unter dem Dach der sogenannten „FunSportHalle“ das „RolliTraining Göttingen“ an. Und er hatte nicht zu viel versprochen, nicht nur das Wetter war prächtig, sondern auch die Atmosphäre auf dem belebten Sportplatz überaus herzlich und entspannt. Die üblen Erinnerungen an Sportunterricht und unsägliche Bundesjugendspiele waren so schnell verweht wie die Rauchwolken über dem vereinseigenen Grillplatz. Hier nun kamen Mitglieder der Göttinger Selbsthilfegruppe mit Teilnehmern des RolliTrainings zusammen (https://www.sc-hainberg.de/de/sportarten/rollstuhltraining/).

Jörg Bank und Monika Rempe konnte darüber berichten, dass sie (zusammen mit Marco Woltermann) an einer Diskussion im "Institut für Ethik und Geschichte der Medizin Göttingen“ in ihrer Eigenschaft als Personen mit einer genetisch bedingten Erkrankung teilnehmen. Die Studie soll Erkenntnisse ermöglichen darüber, wie Betroffene über Techniken der Genveränderung/-chirurgie denken. Dieser Hinweis führte zu einer lebhaften Diskussion, die man sicher an anderer Stelle wieder aufnehmen wird. Göttingen hat überhaupt für Muskelkranke einiges zu bieten, so konnte Jörg Bank von seinen Eindrücken vom Göttinger SPZ-Tag im März und vom DGM-Kongress im Mai erzählen.

Eine geradezu europäische Ausrichtung bekam das kleine Sommerfest durch die Anwesenheit von DGM-Mitglied Shirley Feider-Rohen, die zurzeit im nahegelegen Bad Sooden-Allendorf ihre Reha durchführt, vom „RolliTraing“ gehört hatte und so unversehens beim Grillfest der Göttinger Selbsthilfegruppe landete. Shirley ist Präsidentin der Vereinigung ALAN – Maladies Rares Luxembourg (Seltene Krankheiten Luxemburg). Diese gemeinnützige Organisation wurde 1998 ursprünglich gegründet, um vor allem Menschen mit neuromuskulären Erkrankungen auf dem Gebiet des Großherzogtums Luxemburg zu unterstützen und zu informieren. 2005 erweiterte der Verein seine Aktivitäten auf alle Betroffenen einer seltenen Krankheit. Selten ist eine Krankheit, wenn sie bei weniger als fünf von 10.000 Personen auftritt. In Luxemburg - bei 600 000 Einwohnern - sind sechs bis acht Prozent der Bevölkerung potentiell betroffen. So sind Shirley und ihre Handvoll Mitarbeiter durchaus beschäftigt. Die Grillrunde erhielt von ihr einen interessanten Einblick in eine europäische Schwesterorganisation der DGM.

Es erwiesen sich Christoph Reimann, der persönliche Assistent von Marco, als Meister der Grillkunst, der gewaltige Sonnenschirm als schattenspendend, die Getränke aus dem Clubhaus als gekühlt, so dass man den Innenraum gerne der freundlichen Fußballjugend zum Bundesligaschauen überlassen konnte. Als kulinarische Krönung spendierte die im Festsaal feiernde Hochzeitgesellschaft den DGMlern und den Rollifahrern eine fulminante Eistorte, die vor dem Abschmelzen gerettet werden musste. Es war ein sehr schöner Nachmittag zum Grillen und Beisammensein – mit interessanten Gesprächen, Austausch und neuen Kontakten. Es wird sicherlich nicht der letzte Grillausflug zum SC-Hainberg gewesen sein. 

Jörg Bank