17.03.2019 | Berichte

40 Jahre DGM-Gruppe Bremen

Informationen zum Pfegestärkungsgesetz

Die Bremer Gruppe traf sich zum erstmal in diesem Jahr und damit auch gleichzeitig zum 40jährigen Bestehen in den Konferenzräumen des Neurologischen Zentrum in Bremen Friedehorst. 

Seit langen mal wieder mussten die Trennwände der Veranstaltungsräume herausgenommen werden um ausreichend Platz zu schaffen. Ruth Stelljes und ich hatten dieses Mal geplant etwas eher mit den Aufbauarbeiten anzufangen um alles rechtzeitig fertigzubekommen und nicht in Stress zu geraten.

Nach dem alle Teilnehmer begrüßt wurden gab es eine chronologische Vorstellung über das Entstehen der Gruppe und den Zusammenschluss der beiden Bundesländer Bremen und Niedersachsen. 

Wie gewöhnlich, wurde bei uns erst gegessen und dann gearbeitet. Das meint, dass wir uns erstmal an die leckeren selbstgebackenen Kuchen und Torten gelabt hatten, um dann im Tagesplan voranzuschreiten. An dieser Stelle nochmal ein herzliches Dankeschön an alle Kuchenbäcker.

Nachdem wir lange Zeit nach einem Highlight für unser Treffen gesucht hatten, schien es uns am sinnvollsten eine Referentin für das Drumherum des Pflegestärkungsgesetzes einzuladen. Es war nun nicht ganz so einfach jemanden für den Samstag zu finden, denn die Pflegestellen sind mehr als gut ausgelastet und das schon zu normalen Werktagen.

Dennoch konnte glücklicherweise eine sehr kompetente Referentin gefunden werden, die auch schon uns Kontaktpersonen auf einer Fortbildung in Cuxhaven mit ihrem Wissen bereichern konnte. Frau Antje Erdmann-Krakow ist eine sehr kompetente und erfahrene Kursleiterin aus dem Raum Hannover mit eigener Praxis (www.beratungspraxis-lichtblick.de), die auch bereit war diesen großen Anfahrtsweg auf sich zu nehmen um uns zu informieren.

Die Referentin gab den Teilnehmern noch einmal eine sehr gut strukturierte Übersicht über die sozialrechtliche Situation beginnend mit der Begutachtung nach dem Pflegestärkungsgesetz II. Hier sind folgende Lebensbereiche entscheidend, nämlich Selbstversorgung (40%), die kognitiven und kommunikativen Fähigkeiten sowie die psychische Problemlage (15 %), Mobilität (10 %), Gestaltung des Alltagslebens (sozialer Kontakt nach außen, 15 %) und die Bewältigung von krankheitsbedingten Anforderungen (20%). Schon diese Aufteilung machte den Teilnehmern erneut deutlich, dass das neue Gesetz nicht zu Gunsten für Menschen mit neuromuskulären Erkrankungen ist. 

Es folgte die Darstellung der aktuellen Sätze für Pflegegeld und Sachleistungen gestaffelt nach den Pflegegraden und noch einmal der Hinweis, dass diese Leistungen kombiniert werden können. Bei der Auflistung der weiteren Leistungsansprüche wie Kurzzeit- und Verhinderungspflege (derzeit je 1.612 EUR pro Jahr für je 4 - 6 Wochen) war hinsichtlich letzterer für einige doch neu, dass diese stundenweise in Anspruch genommen werden kann, sofern der zeitliche Rahmen pro Tag nicht über acht Stunden hinausgeht. Der Ersatzpfleger muss die Kosten natürlich zur Vorlage bei der Pflegekasse quittieren. Hinsichtlich des Entlastungsbetrages von 125 EUR pro Monat (§ 45b SGB XI), der für das vorangegangene Jahr bis spätestens Juni des Folgejahres angefordert sein muss, wurde von den Teilnehmenden festgestellt, dass diese Leistung trotz des Bedarfes eher seltener in Anspruch genommen wird, da die hierfür zugelassenen Pflegedienste häufig keine Kapazität haben. Ergänzende Hinweise folgten auf die Leistungen für Pflegehilfsmittel (40 EUR/Monat) und für die Wohnraumanpassung mit bis zu 4.000 EUR pro Jahr. Diese Obergrenze gilt dabei auch pro Maßnahme, es können also z.B. nicht Kosten eines Treppenlifts auf zwei Jahre verteilt werden, um so eine insgesamt höhere finanzielle Unterstützung hierfür zu erhalten. 

Anschließend stellte die Referentin die Rechte der pflegenden Angehörigen zusammenfassend dar, hier namentlich das Recht auf bis zu zehn Tage jährlich durch die Krankenkasse bezahlten Urlaub in akuter Pflegenotsituation, deren Recht auf eigene Reha-Maßnahmen oder eben auch das Recht auf Pflegekurse und Pflegeberatung. Das Recht auf Beratung korreliert mit der Pflicht zur Beratung durch die Pflegeversicherung. Da es nicht unproblematisch ist, wenn die Beratung durch den Leistungsträger selbst erfolgt, wurde auch die unabhängige Beratung durch die Pflegestützpunkte diskutiert. Diese sind oft bei den Kommunen oder Landkreisen angesiedelt, in der Regel gut vernetzt und kennen die Situation vor Ort. Praktische Unterstützung leisten auch die ambulanten Pflege- und Betreuungsdienste, die frühzeitig in ein Hilfsnetz eingebunden werden können und unterschiedliche Angebote je nach aktuellem Bedarf bereithalten. 

So verging der Nachmittag mit Fragen und Antworten im Nu. Wir hoffen das wir allen die Vor- und Nachteile sowie Möglichkeiten etwas näherbringen konnten. Aus meiner Sicht alles in allem ein toller und informativer Nachmittag, wenn auch einigen die Köpfe zu rauchen schienen.

Mit herzlichsten Grüßen

Euer 

Markus Schnaars