Kraft im Alltag – Resilienz

Quelle: www.neuseeland-panorama.de/flusse-seen/

Liebe Eltern, liebe LeserInnen,

stellen Sie sich den Lauf des Lebens als einen Fluss vor, kommt Ihnen dann nicht die Frage, wie man im Fluss seines Lebens ein guter Schwimmer wird? Ein Fluss wird von Regenfällen geprägt, wenn er in engen Tälern als Wildwasser ins Tal schießt, oder wenn er durch weite Ebenen ruhig dahinfließt und vielleicht wunderschön mäandriert. Unser Lebensfluss spiegelt die Welt wieder, in die wir hineingeboren wurden, unser körperliches, geistiges, genetisches, soziales und finanzielles Erbe.

Als Eltern oder Betroffene sind Sie in Ihrem Lebensfluss mehrheitlich mit unruhigem Wasser, oft sogar mit Wildwasser konfrontiert. „Wie kann ich überhaupt noch schwimmen?“, „Wo ist der nächste Rettungsring, um mich über Wasser zu halten?“, „Wie komme ich zum nächsten schwimmenden Baumstamm, um mir dort Kraft und Entlastung zu holen?“ oder „Was soll an diesem wilden Wasser, dieser extrem herausfordernden Situation, positiv oder gar schön sein?“ Um in Ihrem Lebensfluss ein guter Schwimmer zu werden, brauchen Sie Ressourcen und Schutzfaktoren. Diese gilt es zu finden!

Was sind Ressourcen?
Ressourcen sind das Potential eines jeden Menschen, zum Beispiel Fertigkeiten, Neigungen, Stärken, Gewohnheiten. Wenn wir uns dieser Kraftquellen bewusst sind, können wir darauf zurückgreifen. Wir schöpfen daraus die Kraft, Ziele zu erreichen und unser Leben selbstbestimmt zu gestalten – trotz aller Widerstände!

Warum können Menschen trotz extremer Belastung gesund bleiben?
Der US-Soziologe Aron Antonovsky (1923-94) prägte den Begriff „Salutogenese“ als komplementären zur „Pathogenese“. Salus (lat.): Unverletztheit, Heil, Glück und Genese (griech.): Entstehung. Das Konzept der Salutogenese beschreibt Gesundheit und Krankheit nicht als feststehende Zustände, die einander ausschließen, sie markieren vielmehr zwei Pole (Endpunkte) innerhalb eines Kontinuums. Jeder Mensch versucht sich dem Pol der Salutogenese zu nähern, an dem die Krankheit nicht mehr feststellbar ist. Dabei entsteht Gesundheit durch eine dynamische Wechselwirkung zwischen Belastungen und schützenden Faktoren; Gesundheit muss immer wieder neu hergestellt werden.
Gesundheit und Krankheit sind sowohl subjektiv geprägte Erlebnisse, als auch von objektiven Faktoren bedingte Zustände, deren Ausprägung auf dem Gesundheits-Krankheits-Kontinuum gedacht werden kann. Bei jedem Menschen können wir gesunde und kranke Aspekte feststellen. Auch bei einem Sterbenskranken finden sich noch gesunde Anteile. Jeder bewegt sich auf diesem Kontinuum und ist damit nicht einfach gesund oder krank, sondern immer im Prozess von sowohl gesund als auch krank.

Salutogenese und Pathogenese
Salutogenese, die Wissenschaft von der Entstehung von Gesundheit und Pathogenese, die Wissenschaft von der Entstehung von Krankheit ergänzen sich. Die zugrunde liegenden Fragestellungen weisen allerdings in unterschiedliche Richtungen:

  • Pathogenetisch Orientierte schauen auf die Krankheiten, ihre Ursachen und die Gefahren, die es zu vermeiden oder zu bekämpfen gilt.
  • Salutogenetisch Orientierte blicken auf attraktive Gesundheitsziele, die sie erreichen wollen und wozu sie möglichst viele Ressourcen erschließen.

Salutogenese wird damit zur „Schatzsuche“ im Unterschied zur „Fehlerfahndung“ in der pathogenetisch orientierten Denkrichtung der Medizin und der Pädagogik.

Salutogenetische Orientierung bedeutet:
1. sich an Stimmigkeit, aufbauender Kohärenz (Verbundenheit) orientieren;
2. sich auf Gesundheit (attraktive Ziele, Vorstellungen) ausrichten;
3. sich auf Ressourcen ausrichten;
4. Selbstwahrnehmung, subjektive Theorien, Eigenaktivität usw. wertschätzen;
5. aufmerksam sein für sein Selbstheilungsvermögen im sozialen kulturellen, globalen Kontext:
6. dynamisch, prozess- und lösungsorientiert denken und auf Entwicklung und Evolution achten;
7. mehrere Möglichkeiten einschließen – sowohl salutogenetische als auch pathogenetische.

Was ist der Kohärenzsinn?
„Kohärenz“ bedeutet „Zusammenhang“. Kohärenzsinn, ein wesentlicher Faktor für Salutogenese, ist die angeborene Fähigkeit, eine Verbundenheit zwischen uns selbst und unserer Umwelt wahrzunehmen. Je stärker der Kohärenzsinn ist, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, sich auf dem Kontinuum in Richtung Gesundheit zu bewegen! Demoralisierung bildet den Gegenpol zum Kohärenzsinn.
Kohärenzsinn setzt sich aus drei Komponenten zusammen:

  • Verstehbarkeit: „Meine Welt ist verständlich, stimmig, geordnet; auch Probleme und Belastungen, die ich erlebe, kann ich in einem größeren Zusammenhang sehen.“
  • Handhabbarkeit: „Das Leben stellt mir Aufgaben, die ich lösen kann. Ich verfüge über Ressourcen, die ich zur Meisterung meines Lebens, meiner aktuellen Probleme mobilisieren kann.“
  • Sinnhaftigkeit: „Für meine Lebensführung ist jede Anstrengung sinnvoll. Es gibt Ziele und Projekte, für die es sich zu engagieren lohnt.

Resilienz
Resilienz bedeutet Spannkraft, Elastizität, Strapazierfähigkeit. Widerstandfähigkeit, Salutogenee sowie Resilienz muss mit Ressourcen hergestellt werden.
Resilienz ist die Fähigkeit, sich aus jeder Lebenslage wieder aufzurichten, so wie es in schwierigen Phasen gefordert ist. In belastenden Situationen („Stromschnellen“) gilt es wahrzunehmen,
was heil geblieben ist und seine vorhandenen Kraftquellen in Anspruch zu nehmen.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Salutogenese (05.05.2017)