Heilmittelbehandlung der ALS

Erste interdisziplinäre Fortbildung

Zu den wichtigsten Behandlungsmaßnahmen bei ALS zählen Physiotherapie, Logopädie und Ergotherapie. Für Therapeut/innen stellt die Heilmittelbehandlung bei ALS eine besondere Herausforderung dar. Entsprechend dem individuellen Krankheitsverlauf ändern sich Charakter und Inhalte der Therapien immer wieder. Behandlungsziele müssen gemeinsam mit den Patienten entwickelt, in regelmäßigen Abständen auf ihre Realisierbarkeit und Wichtigkeit hin überprüft und flexibel angepasst werden. Ein Zuviel an Training kann eine Verschlechterung der Funktion nach sich ziehen. Die Komplexität und Vielschichtigkeit des individuellen Krankheitsverlaufs erfordert von den Therapeuten ein breites Spektrum an Fachwissen und eine fundierte Auseinandersetzung mit den Krankheitsprozessen. Interdisziplinäre Zusammenarbeit, ein Austausch aller an der Behandlung beteiligten Fachkräfte hinsichtlich der Therapieziele und Behandlungsschwerpunkte, ist Bestandteil jeder palliativen Behandlung und die Basis für eine qualitativ effektive Therapie.

ALS-Fortbildung

Eine Befragung der Teilnehmenden der regelmäßig angebotenen Physiotherapie-Fortbildungen der DGM und Beobachtungen aus der Beratungsalltag in der Bundesgeschäftsstelle gaben Hinweise auf einen Fortbildungsbedarf für Therapeut/innen zur ALS-Behandlung und führten dazu, dass der Arbeitskreis ein neues Angebot entwickelte. Am Samstag 25. Juni war es dann soweit: 67 Therapeut/innen der drei angesprochenen Professionen kamen von nah und fern nach Würzburg zu einem spannenden Tag. Alle Teilnehmenden brachten praktische Erfahrung in der ALS-Behandlung mit.

Nach einem Grußwort des Leiters der ALS-Ambulanz in Würzburg, Herrn Dr. Zeller sowie Begrüßung und einer kurzen Vorstellung der DGM und ihrer ALS-bezogenen Angebote durch Frau Faatz wurde den Teilnehmenden zunächst ein Überblick über medizinische Grundlagen und Behandlung der ALS gegeben (Dr. Carsten Schröter). Krankheitsverarbeitung und psychosoziale Situation wurden thematisiert und Anforderungen an die multidisziplinäre palliative Versorgung bei ALS vorgestellt (Angelika Eiler und Antje Faatz). In fünf Modulen ging es dann um die Praxis der interdisziplinären Heilmittelbehandlung: Mobilität / Haltung (Physiotherapie, Birgit Zang), Alltagsaktivitäten (ADL) / Hantieren (Ergotherapie, Brigitte Brauner), Kommunikation / Sprechen (Logopädie, Ingrid Wellinger), Ernährung / Schlucken (Logopädie, Cordula Winterholler) und Atmung (Physiotherapie, Julian Thorey).

Die im jeweiligen Modul leitende Profession stellte in ihrem Vortrag Besonderheiten in der Befunderhebung und Therapie unter Einbezug von Bildern und Videosequenzen aus dem Behandlungsalltag vor. Anschließend war jeweils Zeit für Diskussion und Fragen aus dem Publikum. In einem Filmbeitrag zum Schluss kamen auf beeindruckende Weise und in sehr persönlichen Statements noch einmal ALS-Patient/innen selbst zu Wort. Der Tag war heiß, das Programm dicht und anspruchsvoll, nicht alles klappte beim ersten Mal perfekt. Trotzdem waren alle Teilnehmenden bis zum Schluss interessiert, aufmerksam und sehr engagiert dabei. Wir nehmen den Wunsch mit, unbedingt weitere Fortbildungen dieser Art anzubieten - beim nächsten Mal dann mit noch mehr Raum für den direkten Austausch der Teilnehmenden als Experten aus der Praxis für die Praxis.