Erster ALS-Tag an der Medizinischen Hochschule Hannover

ALS-Tag an der MHH

Die Diagnose einer schwerwiegenden Erkrankung wie der Amyotrophen Lateralsklerose stellt viele Betroffene vor große Herausforderungen. Dem entsprechend gut wurde der ALS Tag am 23. Februar 2019 angenommen, der Informationsbedarf war groß.

Prof. Dr. Dengler, Bundesvorstandsmitglied der DGM und ehemaliger Direktor der Klinik für Neurologie an der Medizinischen Hochschule (MHH), eröffnete die Veranstaltung und sprach gemeinsam mit Tatjana Reitzig, Vorsitzende der Diagnosegruppe ALS der DGM, kurze Grußworte.

Im ersten Vortrag referierte Prof. Dr. Schönhofer, Chefarzt der Klinik für Pneumologie, Intensiv- und Schlafmedizin am Klinikum Siloah in Hannover, über Diagnostik und Behandlung der Atemmuskelschwäche bei ALS. Er unterstrich die Wichtigkeit der rechtzeitigen Diagnostik und Behandlung. Auch hob er die Bedeutung des Patienten-Arzt Gesprächs und den Austausch mit Angehörigen des ALS-Betroffenen in der heutigen Medizin hervor. Nach einer kurzen Pause sprach Frau Prof. Dr. Petri, Oberärztin der Klinik für Neurologie an der MHH, über den aktuellen Stand der Forschung und erörterte die Optionen der experimentellen und symptomatischen Therapie. Sie gab einen Überblick über laufende Studien und Forschungsergebnisse, sowie neue Forschungsansätze und Fortschritte in der Genforschung.

In der Mittagspause gab es einen kleinen Imbiss und einige Aussteller präsentierten verschiedene Hilfs- und Kommunikationsmittel, Spracherkennungsprogramme, sowie technisch hoch ausgerüstete Rollstühle. Die Hilfsmittelversorgung ist ein wichtiger Bestandteil zur Teilhabe betroffener ALS-Patienten, denen die krankheitsbedingten Einschränkungen nicht im Wege stehen dürfen. Eine große Einigkeit herrschte unter den Betroffenen, dass das Bewilligungsverfahren der Krankenkassen beschleunigt werden muss. Am frühen Nachmittag stellte ein Forscherteam des Instituts für Geschichte, Ethik und Philosophie der MHH ein Forschungsprojekt über „Leben erhalten oder Sterben ermöglichen“ vor. Das Team, unter Leitung von Dr. Neitzke und Dr. Hirschberg möchte den Beratungsbedarf über diesen emotionalen Bereich thematisieren. Somit soll dazu beigetragen werden, besser und rechtzeitig zu einer modernen Palliativbegleitung zu informieren.

Im Anschluss daran referierte Herr Prof. Dr. Dengler über die Rolle der Elektrophysiologie und des Ultraschalls in der Abklärung der ALS. Eine frühzeitige und sichere Diagnostik verbessert die Behandlungs- und Therapiemöglichkeiten und können zur Steigerung der individuellen Lebensqualität beitragen. Den Abschluss gestaltete Dr. Jan Koch, Oberarzt in der Neurologie an der Universitätsmedizin Göttingen, mit einem praxisnahen Vortrag zu neuen Therapieansätzen. Er verdeutlichte Inhalt, Ziele und einzelne Phasen laufender Studien. Zudem legte er die jeweils notwendigen Voraussetzungen für mögliche Studienteilnahmen und deren Ausschlusskriterien dar.

Dem Austausch unter den ALS-Betroffenen, Angehörigen, Freunden und weiteren Gästen gab die Veranstaltung viel Raum. Diese Gespräche werden dankend angenommen und sind ein wesentlicher Bestandteil unserer ehrenamtlichen Arbeit. Die Bedeutung dieses Tages und die öffentliche Aufmerksamkeit für ALS zeigte sich anschließend auch in der Berichterstattung der Neuen Presse.

Ein herzliches Dankeschön geht an den DGM Landesverband Bremen/Niedersachsen, an Ingrid Haberland und an die Organisatoren der MHH. Ermöglicht wurde der ALS Tag durch die Unterstützung der AOK Niedersachen.