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10.12.2017 | In eigener Sache

Erhaltung meines Führerschein

Nachdem ich Ende 2014 von der Reha „Hoher Meißner“ zurück kam, stellte ich einen Antrag auf EU Rente. Gleichzeitig reichte ich beim Versorgungsamt eine Erhöhung meines Grades der Schwerbeschädigung und das Merkzeichen AG ein. Als Hintergrund  hierfür reichte  jeweils das aktuelle Reha Gutachten. Beides wurde zeitnah genehmigt. Da ich nun das Merkzeichen AG hatte, beantragte ich im Juli 2015 eine Parkerleichterung(Blau).Auch diese bekam ich umgehend.

 Ende Oktober 2016 erhielt einen Brief von der Führerscheinstelle. Darin wurde ich aufgefordert innerhalb eines Monats ein medizinisches Gutachten vorzulegen welches belegt, dass ich noch ein Fahrzeug führen kann. Wenn ich das nicht möchte, so weiter im Brief, muss ich den Führerschein bis Ende November abgeben. Die Begründung lautete, aufgrund meiner Erkrankung und mit dem Erhalt der Parkerleichterung ging man davon aus, dass ich kein Fahrzeug mehr führen kann. Das war ein großer Schock für mich.

Als erstes rief ich die Führerscheinstelle an, um dann nochmal das Gleiche wie in dem erwähnten Brief zu hören.  In dem Gespräch kamen auch meine sämtlichen Führerscheinklassen zur Sprache von denen ich daraufhin freiwillig alle, außer Klasse B, abtrat. Dies ist mir auch bewusst und  mit meiner Einsicht und Verantwortlichkeit vereinbar. Was sich mir bis dahin nicht erschloss war, warum  ich für die gesamten Kosten selbst aufkommen müsse. Mein Anwalt für Rechtschutz bejahte dies auch auf meine Anfrage hin! Daraufhin bekam ich von der Führerscheinstelle eine Liste von  mehreren Gutachtergesellschaften,  welche ich dann nach und nach abtelefonierte. Die Preise variierten von knapp 800€-1400€. Ich entschied mich natürlich für die „preiswerteste“ Variante.

 Anfang Januar 2017 hatte ich dann den Termin für das geforderte Gutachten. Zu diesem sollte ich meine sämtlichen Arzt & Reha Berichte mitbringen. Als erstes musste ich für 20 min am  PC, um einen Schnelligkeits -& Wissenstest durchzuführen.  Bis auf das man sich konzentrieren muss, war es nicht weiter schwer. Danach ging es zur Ärztin, welche  mich zweimal berührte. Einmal  zur Begrüßung und  beim Blutdruckmessen. Zwischendurch war ein Gespräch rund um das Krankheitsbild der DM1  und meinem derzeitigen sowie zu erwartenden körperlichen Einschränkungen. Den Rest übernahm sie immer mal wieder aus dem Reha Bericht der „Hoher Meißner“. Bevor sie mich noch zur Psychologin bat, deutete sie an, dass  es wohl kein Problem  mit dem Erhalt des Führerscheines Klasse B geben würde.

Das Gespräch bei der Psychologin ist eigentlich nicht erwähnenswert, auch hier alles gut von Ihrer Seite und das mein Test am PC überdurchschnittlich gut ausgefallen sei. Dauer des „Gesprächs“  1min.  Ich verließ diese Einrichtung mit einem sehr guten Gefühl.

Da sollte ich mich leider täuschen. Eine Woche später kam dann der Brief mit dem Gutachten und der Rechnung. Preis war ja klar, letztendlich waren es doch „nur“ 775€ ABER… Die Ärztin, welche mich ja „gründlich“ untersucht hatte, empfahl nun noch einen  praktischen Fahreignungstest.Also nahm ich wieder Kontakt mit der Führerscheinstelle auf, um mir sagen zu lassen, dass ich mir jetzt eine Fahrschule suchen müsste, eventuell Fahrstunden nehmen muss und dann erst ein Gutachten über meine Fahreignung erstellt werden kann.

Nun war ich wieder am Boden zerstört. Seit 1982 habe ich sämtliche Führerscheinklassen und bin seitdem  auch beruflich mit den verschiedensten Fahrzeugen unterwegs gewesen.  Und nun das! Also suchte ich mir die nächste Fahrschule, absolvierte eine Fahrstunde. Natürlich geht ja nur Doppelstunde 70€. Zwei Wochen später zur „Prüfungsstunde“  45min. 100€. Lief alles glatt, Gutachter war zufrieden und eine Woche später kam der Brief mit dem Gutachten, Kosten 332€.

Sofort habe ich alles zur Führerscheinstelle geschickt und wieder 1 Woche später durfte  ich mir meinen Führerschein persönlich abholen.

Um es vorweg zu nehmen, ich hab den Führerschein. ERSTEINMAL!!!

In dem medizinischen Gutachten steht nämlich die Empfehlung, dass  ich nach 2 Jahren wieder vorsprechen soll. Nun war es doch ganz gut, dass ich mir meinen  „neuen“  Führerschein(30€) im Mai 2017 in der Führerscheinstelle abgeholt habe. Im persönlichen Gespräch erörterte ich der zuständigen Mitarbeiterin noch einmal die Vorgehensweise beim medizinischen Gutachten und ich der Meinung  sei, dass meine jahrelange Neurologin oder eine Rehabilitationseinrichtung  am besten in der Lage sind, mich medizinisch zu beurteilen. Zudem sagte ich ihr zu, dass ich jederzeit bereit bin, mich eines Fahreignungstests  zu unterziehen.

So sind wir überein gekommen, dass  ich im nächsten Jahr ein ADAC Fahrsicherheitstraining absolviere und zusätzlich meine Neurologin der Führerscheinstelle eine medizinische Einschätzung meines körperlichen Zustandes mitteilt.

Dann wird die Führerscheinstelle entscheiden!!!   …ich kann nur hoffen

Insgesamt habe ich somit 1307€ für den Erhalt meines Führerscheins der Klasse B bezahlt.                
Ansonsten finde es sinnvoll und gut, dass bei unserer Erkrankung regelmäßig geprüft wird ob man noch in der Lage ist ein Fahrzeug zu führen. Aber bitte so nicht !

Michael P.