Veranstaltung

Vortrag: Liebe unter dem Einfluss chronischer Erkrankungen

„In guten und in schlechten Zeiten“ – Liebe und Partnerschaft unter dem Einfluss chronischer Erkrankungen

Vortrag von John S. Rolland, Chicago Center for Family Health (CCFH), mit anschließendem Gespräch

Der Vortrag beschäftigt sich mit den zahlreichen emotionalen und psychischen Belastungen und Herausforderungen denen ein Paar ausgesetzt ist, wenn einer der Partner an einer seltenen chronischen Erkrankung, beispielsweise neuromuskulärer Art, leidet. Ausgehend davon werden Interventionsmöglichkeiten und Hilfestellungen für betroffene Paare vorgestellt. Dabei greift John S. Rolland sowohl auf seine eigene Forschung als auch auf praktische Erfahrungen aus der Beratungstätigkeit des CCFH für Betroffene, Therapeuten und Selbsthilfegruppen zurück.

Eine Veranstaltung der Deutschen Gesellschaft für Muskelerkrankungen, (DGM) Diagnosegruppe Myositis, in Kooperation mit der Katholische Hochschule für Sozialwesen (KSHB)

Wann? Montag 31.10.2016, 15 -17 Uhr

Wo? Katholische Hochschule für Sozialwesen in Berlin

Anmerkung: Der Vortrag wird in Englisch gehalten, anschließende Fragen können jedoch bei Bedarf übersetzt werden.

Chronische Erkrankungen betreffen nicht nur diejenigen, die sie körperlich erleben, sondern auch das familiäre Umfeld und ganz besonders die Partnerin oder den Partner. Das gilt vor allem, wenn die Erkrankung wie viele der seltenen chronischen Muskelerkrankungen, mit fortschreitenden körperlichen Behinderungen und zunehmender Hilfsbedürftigkeit verbunden ist. Die aus der Krankheit folgenden gravierenden praktischen Veränderungen in sämtlichen Lebensbereichen, wie verminderte Arbeitsfähigkeit und reduzierter Mobilität, werfen unzählige praktische Probleme auf die das Paar im Alltag bewältigen muss. Gleichzeitig bleiben diese massiven Veränderungen nicht ohne psychische und emotionale Folgen: Individuelle und gemeinsame Identitätskonstruktionen werden massiv in Frage gestellt, bewährte Rollenverteilungen im Paar lassen sich nicht länger aufrecht erhalten, gesellschaftlich als selbstverständlich angesehene Konzepte individueller Autonomie erweisen sich als nicht länger lebbar. Nach Hilfs- und Beratungsangeboten suchen Paare in dieser Situation allerdings fast immer vergeblich. Im weiten Feld der Paar-Beratung, in dem andere einschneidende Lebens-Veränderungen, wie beispielsweise Elternschaft oder psychischen Erkrankungen, durchaus Aufmerksamkeit gewidmet wird, kommt das Thema „seltene chronische Erkrankung und Körperbehinderung“ nicht vor. Dort wiederum, wo Krankheit und Behinderung im Mittelpunkt der Beratungstätigkeit stehen, geht es vorrangig um Hilfsmittel, Versorgungsansprüche und Pflege. Werden emotionale und psychische Aspekte ausnahmsweise thematisiert, so fehlt dabei fast immer die Paar-Dimension.

Eine der wenigen Ausnahmen weltweit stellt das „Chicago Center for Family Health“ (CCFH) dar. Diese, an die Uni von Chicago angegliederte interdisziplinäre Einrichtung, kümmert sich seit 25 Jahren um Hilfestellungen für Paare und Familien die mit chronischen Krankheiten und Behinderungen leben. Zu ihrem international anerkannten einzigartigen Angebot gehören neben der Beratung Betroffener auch anerkannte Weiterbildungen für Profis aus dem Gesundheitsbereich ebenso wie für Selbsthilfegruppen.

John S. Rolland  ist Mitbegründer des CCFH und Professor für Psychiatrie und verhaltensorientierte Neurologie an der Nordwestern Universität. Der von ihm entwickelte systemische Ansatz zu Familien und Krankheit sowie seine zahlreichen Forschungsarbeiten zum Themenbereich Familie, Krankheit und Behinderung sind international anerkannt.

(sm)

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Termin

  • Montag, 31.10.2016

15 bis 17 Uhr

Adresse

Katholische Hochschule für Sozialwesen
Köpenicker Allee 39
10318 Berlin
Deutschland