30.05.2016 | Berichte

Muskelschmerzen - Was tun?

Bericht von der Veranstaltung in Berlin

Am 28. Mai 2016 von 11-15 Uhr fand in Berlin in der „Rheuma-Liga-Begegnungshalle“ eine interessante Veranstaltung über die Myositis statt. Von der „Diagnosegruppe Myositis“ nahmen einige Mitglieder teil und wurden auch bei den einleitenden Worten von der Moderatorin erwähnt. Drei Rheumatologen der Charite Campus Mitte präsentierten verschiedene Themen zur Myositis und eine Sozialberaterin der Rheumaliga Berlin referierte über Beratung und Selbsthilfe.

⇒ Ursache entz. Muskelerkrankungen und Möglichkeiten der Diagnosestellung

(PD OA Dr. Eugen Feist / Charité Campus Mitte / Rheumatologie)

Dr. Feist stellte sechs Myositisformen vor, die Dermatomyositis (DM), Polymyositis (PM), Nekrotisierende Myositis, Anti-Synthetase-Syndrom-assoziierte Myositis, die Overlap-Myositis (OM), sowie die sporadische Einschlusskörperchen Myositis (IBM). Bis auf die IBM, welche in das Fachgebiet der Neurologie zählt, werden die anderen Formen überwiegend von Rheumatologen behandelt.  Dr. Feist erläuterte die hauptsächlichen Symptome und zeigte eventuelle Organbeteiligungen auf. Er ging auf den Muskelaufbau, Ursachen der Myositis, dem Aufbau des Immunsystems, Funktion der Antikörper / Autoantikörper und Diagnostik der verschiedenen Myositiden sehr anschaulich und verständlich ein. 

Er betonte die äußerst schwierige Diagnostik der Erkrankungen und dass die Zuordnung zu den einzelnen Myositisformen nicht immer einfach ist, weil viele Patienten noch andere Autoimmunerkrankungen haben, wie z.B. Kollagenosen wie Systemischer Lupus, Sjögren-Syndrom, Sklerodermie, Mischkollagenose oder aber Autoimmunhepatitis, Hashimoto oder Morbus Crohn.

Anschließend ging Dr. Feist auf die Diagnostikmöglichkeiten ein. Wegweisend ist immer eine Muskelbiopsie, welcher ein MRT für die Bestimmung des zu entnehmenden Muskels vorausgehen sollte. Auch verschiedene Blutwerte wie z.B. der ck-Wert und verschiedene Antikörper gehören zur Diagnostik. Wichtig ist der Ausschluß von verschiedenen Erkrankungen, z.B. virale Muskelerkrankungen, Schilddrüsenerkrankungen oder parasitäre Stoffwechselerkrankungen.

 ⇒ „Bewegung trotz Schmerzen?“

Dr. Anett Reißhauer Charité Campus Mitte / Physikalische Medizin und Rehabilitation

Das zweite Thema drehte sich um Bewegung und Sport bei Myositis. Vor einigen Jahren hat man die Erkenntnis gewonnen, dass moderater Sport, sowie Bewegung unbedingt zur physikalischen Therapie von Myositiden gehören. Eine Ruhigstellung sollte nur während einer aktiven Krankheitsphase erfolgen. Fr. Dr. Reißhauer stellte verschiedene Therapieformen vor. Dabei betonte sie die äußerste Wichtigkeit der Zusammenarbeit von Rheumatologe/Neurologe-Physiotherapeut-(Psychotherapeut)-Patient. In der Charite z.B. bekommt JEDER Myositis-Patient nach der Diagnose sein individuell angepasstes Trainingsprogramm, welches fortlaufend an den jeweiligen Gesundheits-und Fitnesszustand angepasst wird. Es beginnt mit der Diagnose sofort eine stationäre, tagesstationäre oder teilstationäre „multimodale Therapie“, ein Zusammenspiel aus Medikamenten, Physiotherapie und Psychologie. Das Therapieziel ist ganz klar eine Schmerzlinderung,  Vermeidung muskulärer Dysbalancen, die Erhaltung von Muskelkraft und Beweglichkeit, sowie die Beseitigung von Verspannungen. Auch die Regeneration bzw Erholung spielt eine große Rolle. Massagen, Kälte/Wärmeanwendungen, Lymphdrainage, Hydrojet, Kneipp-Anwendungen und Unterwassermassage wurden hier als Beispiele genannt.

In der Charite erprobt und durch Studien als „sehr gute und hocheffektive Therapie“ eingestuft, ist die Ganzkörpervibration. Diese wird in einigen Fitnessstudios und Physiotherapiepraxen angeboten. Hier gilt es den Körper auf dem Vibrationserät kontrolliert zu bewegen, welches eine enorme Verbesserung z.B. der Koordination und Stimulierung der Tiefenmuskulatur mit sich bringt . Herz-Kreislauf-System, Fettstoffwechsel, Gehirn und Gefäßwände werden positiv beeinflusst. Messungen ergaben, dass z.B. 8 min. Vibrationstraining einen 10 km Lauf entsprechen. Es werden mindestens 15 Behandlungen empfohlen mit einer Intensität von 10x30 s und einer Frequenz von 30 Hz.

Auch Ausdauersport und Krafttraining sollten konsequent und diszipliniert durchgeführt werden. Für das Krafttraining gilt: geringe Widerstände, wenig Gewicht…dafür aber mehr Wiederholungen. Während des Ausdauersports sollte eine Pulsuhr genutzt werden und der max. Trainingspuls nicht überschritten werden ( 180-Lebensalter= Trainingspuls ). Auch hier ist es wichtig , dass man nicht über seine Belastungsgrenze gehen darf und Muskelkater zu vermeiden ist.

Wichtig: Eine Langfristverordnung von Heilmitteln steht allen Patienten mit besonders schweren und dauerhaften Erkrankungen zu. Dazu gehört die Myositis. Die Verordnung wird vom Patienten bei der Krankenkasse beantragt und von dort genehmigt. Genehmigte Langfristverordnungen fallen NICHT in das Budget des Arztes !!!

► Weiter Informationen finden Sie hier (Beispiel der Kassenärztlichen Vereinigung BaWü)

⇒ "Wo kann ich Hilfe zur Unterstützung und Entlastung im Alltag erhalten?“ - Beratung und Selbsthilfe

Sandra Bluhm Deutsche Rheuma-Liga-Berlin e.V.

Sehr interessant war auch der dritte Beitrag, bei dem die verschiedenen Möglichkeiten zur Unterstützung der Patienten genannt wurden. Es konnte natürlich aus Zeitgründen nicht auf alles eingegangen werden, aber man erlangte einen guten Überblick.

Etwas ausführlicher wurde die Kriterien und Einteilung der Kollagenosen wie der PM, DM usw. lt. „§ Absatz 1 Satz 1 SGB IX“ vorgestellt. Z.B. bei mindestens 5 Monaten für den Körper agressiver Therapien müssen mindestens 50% GdB zugesprochen werden oder eine therapeutisch schwer beeinflussbare Erkrankung ergibt einen GdB von 50-70%. Frau Bluhm erläuterte die Erleichterungen und Möglichkeiten, welche sich durch den GdB ergeben, wie z.B. Kündigungsschutz, Zusatzurlaub, Steuererleichterung.  Sie merkte aber auch an, dass in den meisten Fällen als erstes eine Ablehnung erfolgt und man immer in Widerspruch gehen sollte . Wichtig ist auch eine Rechtschutzversicherung / Sozialrecht!

⇒ Medikamentöse Behandlung der Myositis – Wirkung und Nebenwirkung

OA Dr. Udo Schneider / Charité Campus Mitte / Rheumatologie

Auch dieser Beitrag wurde sehr interessant und übersichtlich gestaltet. Dr. Schneider stellte die verschiedenen Medikamente mit ihren Erfindern vor, ging auf die Nebenwirkungen ein und die Ziele der entsprechenden medikamentösen Therapien. Er erläuterte sehr anschaulich die Wirkungsweise der Medikamente und betonte die Herausforderung für den Arzt, das richtige Medikament bzw die Kombination verschiedener Medikamente, sowie die entsprechende Dosis für den Patienten zu finden.

⇒ „Eine Spielkonsole als ergänzende Therapieoption?“ -Ergebnisse eines animierten Übungsprogramms

Jan Zernicke Studienkoordinator, Charité Campus Mitte / Rheumatologie

Hier wurde die Spielekonsole „ Wii for fit“ vorgestellt. Man kann damit zu Hause verschiedene Trainingsvarianten ausprobieren , sich seine eigenen Trainingspläne erstellen und mit Spaß „sporteln“ und sich bewegen. Leider findet man die „Wii Fit“ fast nur noch z.B. bei ebay oder amazon im Second Hand Bereich. Die Kosten bewegen sich z.B. bei amazon für das Wii Fit inkl. Balance Board zwischen 30 und 90 € , je nachdem ob neu oder gebraucht. Ansonsten gibt es im Handel den Nachfolger „Wii Fit Plus“

► Weitere Infos zur Wii finden Sie hier

► Eine Zusammenfassung der Studie finden Sie hier

(Bericht Ina Krause/Redaktion zk)