14.08.2018 | Veranstaltungen

FSHD Connect Konferenz 2018 (Las Vegas)

Bericht von Christoph Küsell

Dieses Jahr fand wieder die FSHD Connect Konferenz sowie die FSH Society’s 23rd annual International Research Conference (IRC) vom 08.06.-10.06.2018 in Las Vegas statt. Die weltweit führenden FSHD Forscher beteiligten sich an der Konferenz, die Teilnehmerzahl lag bei 125. Viele der Forscher waren auch an der im Anschluss stattfindenden Patienten Konferenz präsent.

Da es in Deutschland kaum therapiebezogene Forschung gibt, entschloss ich mich an der Patienten Konferenz teilzunehmen.

Meine Ziele für die Veranstaltung waren:

  • Aufzuzeigen, dass es in Deutschland ca. 600 betroffene in der DGM organisierte FSHD Betroffene gibt,
  • dass in diesem Jahr das FSHD-Patientenregister erfolgreich gestartet ist,
  • Aktuell erfolgversprechende Forschungsinitiativen aufzunehmen,
  • Zu hinterfragen, woran es liegen kann, dass es in Deutschland kaum therapiebezogene FSHD Forschung gibt
  • Unser FSHD Netzwerk zu verbessern
  • Interesse von Referenten an dem FSHD Patiententag 2020 in Deutschland zu eruieren

Hierzu wurden von mir Wissenschaftler und Verantwortliche der FSH Society angesprochen sowie Informationen aus relevanten Präsentationen entnommen.

„June Kinoshita (FSH Society)“, „Mark Stone (Vorstand FSH Society)“, sowie namenhafte Forscher wie „Baziel van Engelen“ und „Stephen Tapscott“ waren über die hohe Anzahl von organisierten FSHD Betroffenen positiv überrascht. Dies hatte man in Deutschland nicht vermutet und bekundete Interesse der stärkeren Zusammenarbeit.

„Prof. Dr. Tawil (University of Rochester Medical Center)“ wurde in seiner Präsentation nach bestehenden Patientenregistern angesprochen, da das deutsche Patientenregister nicht angeführt wurde habe ich dieses ergänzen können. Man war sehr erfreut darüber. „Peter Jones, Ph.D. (University of Nevada Reno)“ merkte noch einmal die Bedeutung von Patientenregistern für die Forschung und mögliche Versuchsreihen an.

Teilnehmer aus Deutschland waren für die Veranstaltung nicht gemeldet.

„Dr. Hayhurst von Genea Biocells US, Inc.“ berichtete über die Entwicklung von FSHD Stammzellenplattformen. Seit 2011 entwickeln sie Stammzellenplattformen. Sie haben eine gute Beziehung zur FSHD Global, die diese FSHD Plattform finanzierten. Embryonale Stammzellenlinien von FSHD Betroffenen wurden zur Untersuchung von deren Muskelzellen genutzt. In 2016 führte das zu einem Molekül Modell GBC905, dass DUX4 ausschaltete bei der FSHD 1 und 2. Da es sich um Medikamente für seltene Krankheiten handelt, besteht bei der FDA (US Genehmigungsbehörde, Food and Drug Administration) ein schneller Genehmigungsprozess. Ende 2019 möchte man mit diesem Medikament erste Behandlungen in US Kliniken durchführen.

„Frau Dr. Ronco (Vice President von Fulcrum Therapeutics)“ stellt die Arbeit von Fulcrum vor. Dort beschäftigen sich 15 Wissenschaftler tiefgehend mit der FSHD. Sie verfügen über genügend FSHD Zellproben und haben ein Modell entwickelt, um die Auswirkung von DUX4 durch eine ausbalancierte Transkription durch ein orales Mittel zu begrenzen und jeden Muskel zu erreichen. In Zusammenarbeit mit weiteren Forschern wie u.a. „Jeffrey Statland, MD (University of Kansas Medical Center)“ gelang es ein Molekül zu entdecken, um das DUX4 Protein für die Transkription zu reduzieren. Hierzu wird eine Machbarkeitsstudie in den USA und Europa durchgeführt. Für diese Studie werden FSHD Betroffene mit einer formal genetischen Diagnose benötigt.

„Fran Sverdrup, Ph.D.“ ist Pharmakologe und forscht an der „Edward A. Doisy Department of Biochemistry and Molecular Biology at Saint Louis University School of Medicine“ nach Medikamenten, um das DUX4 Gen zu blockieren. Er nutzt ein pharmakologisches Modell an Mäusen, um nach einer 14 tägigen Behandlung mit Hemmstoffen zu erkennen, dass die FSHD Zellen zunahmen. Dies war für „Fran Sverdrup“ eine interessante Erkenntnis. Ein Fazit für ihn ist, dass BET -Inhibitoren (Bromodomain and Extra-Terminal) die Expression von DUX4 in FSHD Muskelzellen unterdrücken. Für die Vorgehensweise wird die Bewertung der Umwandlung möglicher Kandidaten als auch neue Verbindungen für die therapeutische Entwicklung genutzt. Hervorzuheben ist hier noch die enge Zusammenarbeit mit Leiden und anderen Forschungsuniversitäten und Laboratorien.

Zur „CRISPR (“Genschere”) Technologie“ berichtete „Prof. Charis L. Himeda von der University of Nevada Reno School of Medicine“. Hierauf möchte ich nicht näher eingehen, weil es in Bezug auf die FSHD aussagegemäß nicht die ideale Technologie ist, anders als bei der Muskelkrankheit Duchenne. Die Genmanipulation ist sicherlich eine interessante Technologie aber nicht für die FSHD, wo man über die RNA an die mutierte Muskelzelle gelangen möchte.

„Prof. Dr. Scott Harper (Associate Professor of Pediatrics at the Ohio State University College of Medicine, Columbus)“ arbeitet an einer Gentherapie mithilfe einer miRNA (micro) um das DUX4 Protein auszuschalten, bei Mausmodellen war er bereits erfolgreich.

Dr. Harper signalisierte mir sein Interesse für die Teilnahme am FSHD Patiententag 2020.

„Amy Campbell, PhD am Tapscott Lab“ erhielt von der FSH Society den Nachwuchsforschungs Award für die Entdeckung von Nukleosomen Remodelling Deacetylase (NuRD) und Chromatin Assembly Factor 1 (CAF-1) Komplexen, wie sie für die DUX4 Unterdrückung in humanen Skelettmuskelzellen und induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS) benötigt werden.

Die ambitionierteste Präsentation, war m.E. von „Genea Biocell, US Inc.“ die bereits Ende 2019 mit GBC905 in US Krankenhäusern behandeln wollen. Der Genehmigungsweg erscheint in den USA durch den bereits oben beschriebenen Weg relativ schnell zu sein. Für Europa sind mir diese Genehmigungswege nicht bekannt (Bine Haase FSHD Europe?).

Viele der angeführten Forschungen werden durch die FSH Society finanziell unterstützt. Zwischen angeführten Forschern und Unternehmen besteht ein enges Netzwerk. Deutsche Forscher sind in diesem FSHD Netzwerk nicht vertreten, insofern ist es unwahrscheinlich, dass Versuchsreihen in Deutschland stattfinden. Es werden vermutlich eher andere europäische Standorte in Frage kommen.

„Prof. Dr. Baziel van Engelen“, „Prof. Dr. Silvere van der Maarel“ und „Prof, Dr. Stephen Tapscott“ sprach ich zu diesem Thema an, ob Ihnen hierzu Günde bekannt seien. Nach kurzer Überlegung hoben sie das hervorragende „Max Planck Institut“ in Berlin hervor, wo „van Engelen“ und „van der Maarel“ auch geforscht haben. Für weitere tiefergehende Forschung, haben sie dann aber Berlin verlassen.

Fazit:

Es bestehen erfolgversprechende getestete Modelle, um das DUX4 Protein zu blockieren. Wissenschaftler, die ich befragte waren zu der Aussage bereit „in a few years“. Ich überlasse jedem Leser selbst, wie er das für sich übersetzt. Die letzte Aussage, die ich bekam war 2016 auf dem FSHD Patiententag in Berlin, wo die Rede noch von 10 Jahren war.

An dieser Stelle möchte ich erneut appellieren sich im FSHD Patientenregister einzutragen, hierbei ist eine genetisch gesicherte Diagnose von großer Bedeutung.

Von der FSH Society und deren Organisation für die FSHD Patienten Veranstaltung 2018 war ich begeistert. Auf Basis von Spenden werden von der Society viele der angeführten Forschungen unterstützt, die wiederum der Society Rechenschaft schuldig sind. Insofern halte ich dieses Konzept für gut und zielführend.

Insofern macht es Sinn für die Society zu spenden oder auch andere nicht Betroffene zu animieren:

https://www.fshsociety.org/2018/06/2018-fshd-connect-conference/

Im nächsten Muskelreport möchte ich Euch meine Eindrücke von einem Besuch des „Tapscott Lab“ in Seattle vorstellen, wo ich junge engagierte FSHD Forscher kennenlernen durfte.

Zu meiner Person:

Seit 1987 bin ich wissentlich von FSHD betroffen. Über Jahrzehnte der Frustration, dass es in Deutschland nur begrenzte Therapie Forschung gibt, richtete ich seit 2011 mein Engagement international aus und baute auf diesem Wege Kontakte zu den Forschungsstandorten in Seattle, Nijmegen, Rochester und weiteren auf. 2016 gelang es mir Prof. Dr. Tapscott für den FSHD Patiententag in Berlin zu gewinnen.

Im Sprecherrat der Diagnosegruppe FSHD der DGM engagiere ich mich für den Ausbau unseres internationalen Netzwerkes und Wege zu finden, dass Forschungsinteresse in Deutschland zu heben. Aber auch diejenigen die forschen, zu unterstützen.

Beruflich bin ich als Bankrevisor tätig.

Disclaimer:

In meinem Bericht über die FSHD Konferenz in Las Vegas habe ich Schwerpunkte gelegt auf die wissenschaftlichen Entwicklungen bei der FSHD. Da ich kein Wissenschaftler bin und die Veranstaltungssprache Englisch war, besteht kein Anspruch auf vollständige Richtigkeit meiner wissenschaftlichen Aussagen. Die Vorträge wurden von mir gekürzt und zusammengefasst.