26.03.2021

Biallelic mutations in SORD cause a common and potentially treatable hereditary neuropathy with implications for diabetes

Biallelic mutations in SORD cause a common and potentially treatable hereditary neuropathy with implications for diabetes

Cortese et al., Nature Genetics 2020: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32367058/

  1. Was ist die Fragestellung, worum geht es?

Nur 20-30% der genetischen Ursachen von CMT2 sind bekannt. Da kausale Therapien nur gefunden werden können, wenn die Pathogenese der Erkrankung bekannt ist, liegt hier eine besondere Herausforderung. In dieser Studie geht es um eine neue Mutation als Ursache der distal motorischen, rezessiv vererbten CMT2 (also einer die Kraft der Beine betreffenden Nervenschädigung) und den Ansatz für eine kausale Therapie durch ein Medikament, den Aldoseredukasehemmer.

  1. Was ist neu in der Veröffentlichung / Studie, worin liegt die Entdeckung/Innovation?

Das Gen SORD, welches für das Eiweiß Sorbitol-Dehydrogenase verantwortlich ist, wurde als ursächliches Gen für eine Form der rezessiven distal motorischen CMT2 beschrieben. Die Mutation dieses Gens führt dazu, dass ein Zucker names Sorbitol, eine Zwischenstufe zwischen Glucose und Fructose, vermehrt im Körper vorliegt. Auch in der diabetischen Polyneuropathie wird Sorbitol als eine Ursache der Nervenschwäche diskutiert. Besonders interessant: in Patientenzellen und im Fliegenmodell lässt sich durch ein Medikament, genannt Aldosereduktasehemmer, bereits eine Verringerung der Sorbitolkonzentration bzw. eine signifikante Besserung der Nervenfunktion beobachten.

  1. Was bedeutet das für die Patienten und die Hoffnung auf eine kausale Therapie?

Bei Patienten mit SORD-Mutation könnte die Behandlung mit Aldosereduktasehemmern zu einer dauerhaften Besserung führen – die erste kausale Therapie bei CMT2. Hierfür laufen derzeit Vorbereitungen zu Studien mit Patienten, wofür Patienten mit CMT2 oder intermediärer CMT gesucht werden, bei denen das verantwortliche Gen noch nicht bekannt ist.

Helena Franziska Pernice, Charité Berlin