18.03.2019 | Berichte

1. ALS Tag an der Medizinischen Hochschule Hannover

Die Diagnose der schwerwiegenden Erkrankung, wie die der Amyotrophen Lateralsklerose stellt viele Betroffene immer wieder vor große Herausforderungen. Dem entsprechend gut wurde der 1. ALS Tag am 23. Februar 2019 an der Medizinischen Hochschule angenommen, der Informationsbedarf ist groß.

Prof. Dr. Dengler Bundesvorstandsmitglied der DGM und ehemaliger Direktor der Klinik für Neurologie an der Medizinischen Hochschule eröffnete die Veranstaltung und sprach gemeinsam mit Tatjana Reitzig, Vorsitzende der Diagnosegruppe ALS der DGM, einige Grußworte.

Im ersten Vortrag referierte Prof. Dr. Schönhofer, Chefarzt der Klinik für Pneumologie, Intensiv – und Schlafmedizin am Klinikum Siloah in Hannover, über die Diagnostik und Behandlung der Atemmuskelschwäche bei ALS und unterstrich die Wichtigkeit der rechtzeitigen Diagnostik und Behandlung.  Das Patienten - Arzt Gespräch, sowie der  Austausch mit den Angehörigen oder Freunden des ALS - Betroffenen sind in der heutigen modernen Medizin und deren Behandlungsspektren von Bedeutung im Aufbau eines erforderlichen Vertrauensverhältnisses.

Nach der ersten Kaffeepause sprach Frau Prof. Dr. Petri , Oberärztin der Klinik für Neurologie an der Medizinischen Hochschule Hannover, über das Neueste aus der Forschung und erörterte umfassend die Optionen der experimentellen und symptomatischen Therapie. Sie gab einen Überblick über aktuelle Studien und Forschungsergebnisse, sowie neuen Forschungsansätzen und Fortschritten in der Genforschung. Mit neuen Medikamententherapien wird angestrebt, das Fortschreiten der ALS aufzuhalten oder zu verzögern.

In der Mittagspause gab es einen kleinen Imbiss und einige Aussteller präsentierten verschiedene Hilfs- und Kommunikationsmittel, Spracherkennungsprogramme, sowie technisch hoch ausgerüstete Rollstühle.  Dieser Bereich ist ein wichtiger Bestandteil zur Teilhabe am Leben betroffener ALS - Patienten, denen Behinderung nicht im Wege stehen darf. Eine große Einigkeit herrschte unter den Betroffenen, dass das Leben angenehmer sein könnte, wenn die Krankenkassen die nötigen Hilfsmittel schneller genehmigen würden.Am frühen Nachmittag stellte ein Forscherteam des Instituts für Geschichte, Ethik und Philosophie der Medizinischen Hochschule Hannover mit Frau Dr. Hirschberg ein Forschungsprojekt über „Leben erhalten oder Sterben ermöglichen“ vor. Das Team, unter Leitung von Dr. Neitzke und Fr. Dr. Hirschberg möchte den Beratungsbedarf zu diesem, für die meisten Menschen erdrückenden Thema erfassen können und somit gleichzeitig dazu beitragen, besser zu einer modernen Palliativbegleitung zu informieren, um nicht erst am Lebensende damit zu beginnen. Das Thema wird in der Öffentlichkeit von vielen Fragen begleitet.

Im Anschluss referierte Herr Prof. Dr. Dengler über die Rolle der Elektrophysiologie und des Ultraschalls bei der Diagnostik der ALS. Eine frühzeitige und sichere Diagnostik verbessert die Behandlungs- und Therapiemöglichkeiten und können zur Verbesserung der individuellen Lebensqualität beitragen.

Den Abschluss gestaltete Dr. Jan Koch, Oberarzt in der Neurologie an der Universitätsmedizin Göttingen mit einem sehr praxisnahen Vortrag zu Neuen Therapieansätzen für ALS Patienten und gab eine Übersicht über Studien, deren Inhalt, Studienphasen und Studienziel, sowie über die jeweils notwendigen Voraussetzungen an Studienteilnahmen und deren Ausschlusskriterien.

Dem Austausch unter den ALS - Betroffenen, Angehörigen, Freunden und weiteren Gästen gab die Veranstaltung viel Raum. Gespräche werden dankend angenommen und tuen den meisten gut, ein wesentlicher Bestandteil unserer ehrenamtlichen Arbeit.

Ein herzliches Dankeschön geht an den DGM Landesverband Bremen/ Niedersachsen,  Ingrid Haberland, an die Organisatoren der Medizinischen Hochschule Hannover und sowie an die Aussteller Bertram vital, Löwenstein Medical und Desitin.

Ermöglicht wurde der ALS - Tag durch die Unterstützung der AOK Niedersachen.

Die Bedeutung dieses Tages und die öffentliche Aufmerksamkeit an ALS wurde von der Hannoverschen Presse in einem Beitrag der Tageszeitung der NP wiedergegeben.

Tatjana Reitzig und Herbert Heinlein