Fifth World Congress Myofacial Pain and Fibromyalgia (Myopain 01)

Portland, Oregon, 9.-13.Sept. 2001

400 Wissenschaftler aus aller Welt waren zusammengekommen, um interdisziplinär alle Aspekte von Muskelschmerzen, vom myofaszialen Schmerzsyndrom angefangen, über die Fibromyalgie bis hin zu schmerzhaften Muskelerkrankungen intensiv zu diskutieren. Leider waren die tage durch die Terrorakte in den USA belastet, was natürlich die Stimmung trüben mußte.

der scheidende Präsident der International Myopain Society (IMS), Prof. L. Vecchiet, Chieti, Italien, hielt eine vielbeachtete Eröffnungsrede über Muskelschmerz und Alter, in welcher er nicht nur morphologische und biochemische Veränderungen der Muskulatur im Alter beschrieb, sondern auch die zunehmende Häufigkeit und die vielfältigen Ursachen von Muskelschmerzen im Alter analysierte.

Besonders groß ist der Zugewinn an Wissen über Chronifizierungsfaktoren von Muskelschmerzen. Diese waren das Hauptthema des ersten Kongreßtages. Schwerpunkt waren dabei die Neurobiologie, die Pharmakologie und die zentrale Bildgebung. Klar ist, daß es dabei zu einer Fülle in der Routinediagnostik noch nicht verfügbaren Veränderungen kommt, welche dauerhafte Muskelschmerzen unterhalten.

Der zweite Kongreßtag befaßte sich mit den regionalen Muskelschmerzen. Besonders eindrucksvoll waren die engen Zusammenhänge zwischen myofaszialen und von den Eingeweiden herrührenden Schmerzen, welche eine Fülle bisher eher unklarer Symptome erklären können. Was das myofasziale Schmerzsyndrom anlangt, erlebte der Trigger point eine weitere eindrucksvolle Bestätigung. Der Schmerz bei entzündlichen Muskelkrankheiten ist in aller Regel ein reiner Nociceptorschmerz und kommt durch die Erregung freier Nervenendigungen zustande. Er ist aber bei den Myositiden keineswegs obligat vorhanden. Die freien Nervenendigungen besitzen eine enge räumliche Beziehungen zu kleinen Gefäßen. Myositiden, welche Veränderungen an kleinen Gefäßen vermissen lassen (v.a. Einschlußkörpermyositis), verlaufen meist schmerzfrei.

Schwerpunkt des dritten Kongreßtages war die Fibromyalgie, insbesondere in Ihrer Pathogenese. Was die Epidemiologie anlangt, weisen neuere Zahlen eher auf 4% der Gesamtbevölkerung hin. Dabei besteht immer noch eine Dunkelziffer, wenn primär psychatrische Diagnosen verschlüsselt werden. Es mehren sich in der Pathogenese Störungen der neuroendokrinen und des autonomen Nervensystems mit jedenfalls in der Forschung objektivierbaren Anomalien. Zu kurz kam, nach Auffassung des Berichterstatters, die Psychosomatik sowie insbesondere die Therapie. In der Behandlung gibt es neue Studien, insbesondere mit Antidepressiva und neueren Analgetika (einschließlich Opioidanalgetika). Der Stellenwert ist gegenüber etablierten Substanzen noch nicht definitiv zu beurteilen.

Zwei wie wir glauben innovative Therapieprinzipien, nämlich die 5HT3-Rezeptorantagonisten und das Wachstumshormon, wurden im Rahmen des an sich viel beachteten Symposiums des deutschen Arbeitskreises „Muskeltonus und Schmerz“ vorgestellt. Bis zur offiziellen Zulassung dieser Medikamente bei Fibromyalgie dürfte allerdings noch ein weiter Weg sein. Den von der deutschen pharmazeutischen Industrie gesponsorten Forschungspreis „Muskelschmerz 2001“ erhielt Frau Prof. H. Flor, Mannheim, für eine international vielbeachtete Arbeit zur zentralen Bildgebung bei chronischen Muskelschmerzen.

Wie immer waren die Hauptthemen eingebettet in mündliche Kurzvorträge und etwa 100 Poster, was eindrucksvoll demonstriert, daß auch jüngere Forscher sich der vielfältigen Thematik von Muskelschmerzen intensiv annehmen. Viele wichtige Mosaiksteine sind dazu angetan, das Gesamtbild immer mehr abzurunden.

Die International Myopain Society ist eine angesehene weltweite Fachgesellschaft geworden, auch wenn die Zahl der aktiven Mitglieder in den nächsten Jahren noch dringend wachsen sollte.
Nach dem erfolgreichen Abschluß von Myopain 01 ist Prof. Robert Bennett, Portland, für die nächsten drei Jahre Präsident der Gesellschaft.

Der Berichterstatter ist Vizepräsident und richtet 2004 den Myopain-Kongress in München aus.

Neu gewählt, zunächst als Schriftführer und Schatzmeister ist Dr. Bob Gerwin, der designierte Ausrichter von Myopain 07 in Washington.

Prof. Dr. D. Pongratz
Friedrich-Baur-Institut, München