78. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie

vom 21.-24.09.2005 in Wiesbaden

4 Tage lang trafen sich über 3.100 Ärzte in Wiesbaden zum 78. Neurologen Kongress. Neben über 300 Vorträgen wurden in über 400 Postern vielfältigste Themen aus dem Bereich der Neurologie referiert und diskutiert. Erfreulicherweise standen mehrfach auch neuromuskuläre Themen auf dem Programm. Insbesondere Ärzte, die sich nicht tagtäglich mit neuromuskulären Erkrankungen befassen, hatten dadurch die Möglichkeit sich über Aktuelles aus diesem Bereich zu informieren und fortzubilden. Neben Vorträgen über die erblichen Muskelerkrankungen, wurden Aspekte bei autoimmunen und paraneoplastischen Muskel- und Nervenerkrankungen referiert und diskutiert.  Darüber hinaus wurde in einem weiteren Vortragsblock ein Überblick über die Motoneuronerkrankungen (SMA und ALS) gegeben.

Unter anderem wird seit vielen Jahren im Rahmen des Kongress auch eine sog. Fortbildungsakademie organisiert. Diese Kurse sind thematisch auf junge Kollegen und niedergelassenen Ärzte ausgerichtet, die sich zu besonderen Themen weiterbilden möchten und sind daher in der Regel mehr praxisorientiert. Dieser Halbtageskurs am Nachmittag war außerordentlich gut besucht. Ca. 200 Interessierte nahmen daran teil und hörten 6 Vorträge unter dem Oberthema „Muskelerkrankungen, Leitpfade für Diagnostik und Therapie“. In den einzelnen, sehr gut aufbereiteten Referaten stellte zunächst Herr Prof. Reichmann aus Dresden die Bedeutung der Anamnese (Befragung des Betroffenen) und der körperlichen Untersuchung heraus und präsentierte wichtige Befunde in Videoaufnahmen. Im folgenden Vortrag zeigte Herr Prof. Dengler aus Hannover die Möglichkeiten der Elektromyographie für die Diagnostik auf: Herr Prof. Reimers aus Arnsdorf unterstrich den Stellenwert von bildgebenden Untersuchungen, insbesondere der Ultraschalluntersuchung der Muskulatur und der Kernspintomographie. Über die notwendigen Laboruntersuchungen und deren Wertigkeit berichtete Herr Prof. Zierz aus Halle/Saale. Wann zur endgültigen Klärung der Diagnose die Untersuchung einer Muskelbiopsie notwendig ist, erklärte Herr Prof. Pongratz aus München. Insbesondere in der gemeinsamen Diskussion mit Herrn Prof. Müller-Reible aus Würzburg, der die Indikationen der molekulargenetischen Diagnostik darstellte, wurde für die Teilnehmer der Gang der Untersuchungen zur Klärung der Diagnose bei dem Verdacht auf eine neuromuskuläre Erkrankung klar. Damit war diese Veranstaltung ein wichtiger Bestandteil der Information der Ärzte über die, auch im Fach der Neurologie, seltenen Erkrankungen aus dem neuromsukulären Bereich.

Aus der Sicht der DGM sicherlich der Höhepunkt dieses Kongresses war das Geburtstagssymposium  „40 Jahre Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke“ am Vormittag des 24.09.05. Auf den Tag genau vor 40 Jahren wurde die damals noch Deutsche Gesellschaft Bekämpfung der Muskelkrankheiten in München gegründet.
Dies war eine tolle Gelegenheit, auf diesem größten Kongress der Neurologen in Deutschland, auf die DGM und Ihre Entwicklung in den vergangenen 40 Jahren hinzuweisen. Natürlich auch, um in hervorragenden Übersichtsreferaten den aktuellen Stand bei den unterschiedlichen Erkrankungsbildern darzustellen. Nachdem Frau Kreiling und Herr Prof. Pongratz zunächst über 40 Jahre Selbsthilfe und Medizin und Wissenschaft in der DGM sprachen, berichteten Herr Prof. Reichmann über die Kenntnisse und Entwicklungen bei den erworbenen entzündlichen und toxischen Myopathien, Herr Prof. Korinthenberg aus Freiburg über die spinalen Muskelatrophien, Herr Prof. Dengler über die Amyotrophe Lateralsklerose sowie Herr Prof. Zierz über die Hereditären Myopathien. Leider war trotz der ausgewiesenen Expertise der Referenten und hervorragenden Qualität der Vorträge die Veranstaltung nicht so stark besucht. Vermutlich weil sich sicherlich ein erheblicher Teil der Kongressteilnehmer auf der Heimreise oder einem Besuch des Kongressortes Wiesbaden befanden.
Auf Grund des besonderen Anlasses werden aber die Vorträge dieser Sitzung in einem Sonderheft der Nervenheilkunde abgedruckt und können damit eine noch größere Anzahl an Ärzten erreichen.

Zusammenfassung von Dr. Jens-Peter Weber, Medizinischer Referent der DGM