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11th International Symposium on ALS/MND

vom 4.-6. Dezember 2000 in Arhus, Dänemark

Vom 4.-6. Dezember 2000 fand in Arhus, Dänemark, der Weltkongress der ALS-Gesellschaften statt.
Die Erwartungen der Ärzte und Patienten waren auch in diesem Jahr sehr hoch.

Zu einigen vielversprechenden Forschungsergebnissen der Grundlagenforschung der letzten Jahre, konnten weitere Erkenntnisse beigetragen werden.
CCJ Miller aus London, berichtete über Studien zum Transport von Neurofilamenten in der Zelle, die eine Verbindung der Glutamat Excitotoxizität mit der beobachteten Neurofilament Anhäufung in den Nervenzellen bei der ALS herstellen können.
Mehrere Untersuchungen zeigen überzeugend, dass Störungen der mitochondrialen Funktionen bei der ALS zwar nicht als ursächlicher Faktor, aber als wichtige Folge der Erkrankung feststellbar sind. MF Beal aus New York, erhofft, dass die therapeutische Verbesserung der gestörten Mitochondrienfunktion möglicherweise eine günstige Beeinflussung des Krankheitsbildes bewirken kann.
Die Bedeutung des Glutamat Transporter Systems wurde von NC Danbolt aus Oslo, unterstrichen. Man glaubt nun, dass Änderungen der Aktivität und Funktion grosse Auswirkungen auf die normale Funktion des Nervensystems haben.
MM Berger aus Lyon, berichtet über interessante Untersuchungsergebnisse die eine mögliche Virusgenese der ALS möglich machen. Im Rückenmark von ALS Patienten wurde im Gegensatz zu Kontrolluntersuchungen bei Gesunden, zu einem sehr grossen Prozentsatz die RNA von Enteroviren nachgewiesen. Ob diese Ergebnisse experimentelle oder gar klinische Bedeutung haben, muss aber erst in weiteren, bereits laufenden Untersuchungen geklärt werden.
(Wir berichteten bereits über die Ergebnisse, siehe Stellungnahme von Herrn PD Dr. Borasio im MR 1/2000)
AC Ludolph aus Ulm, wies auf die Wichtigkeit der Schaffung von Markern für Verlauf und Aktivität der ALS hin. Diese sollten zunächst am Tiermodell entwickelt werden und dann bei Menschen überprüft werden.
E Snyder aus Boston, betonte die möglicherweise günstigen Auswirkungen einer Stammzelltherapie bei ALS. Hinweise auf eine Bildung von eigenen Nervenzellvorläuferzellen oder Stammzellen, ihre Differenzierung im Rückenmark und die Wanderung von Nervenzellen im Hinterhorn des Rückenmarks zum Vorderhorn machen Hoffnung auf eine Therapie in der Zukunft.
Die klinischen Studienergebnisse, die auf dem Kongress vorgetragen wurden, konnten leider keinen Fortschritt in der Therapie bringen.
V Meininger aus Paris, berichtete über eine grosse Phase 3 Studie mit SR57746A (Xaliproden), einer gut verträglichen, neurotrophen Substanz. Bei der alleinigen Gabe wurden signifikante, aber leider nur sehr geringe positive Wirkungen festgestellt, die sogar in der Gruppe die zusätzlich Riluzol erhielten, gar nicht mehr nachweisbar waren.
Bei einer multizentrischen doppel-blinden randomisierten Studie mit Vitamin E (500 mg pro Tag) im Vergleich mit einem Placebo konnte C Desnuelle aus Nizza ebenfalls keinen positiven Einfluss auf die Lebenszeit feststellen.
In zwei weiteren Studien mit Kreatin wurde der Einfluss dieser Substanz auf die Muskelkraft (L Mazzini aus Verona) und die Lungenfunktion (VE Drory aus Tel Aviv) getestet. Die Einnahme von Kreatin zeigte eine zeitlich begrenzte Verbesserung der maximalen Kraft und eine geringer ausgeprägte Verminderung der Müdigkeit, die Lungenfunktion wurde jedoch nicht beeinflusst.

Die rege wissenschaftliche Beschäftigung der teilnehmenden Forschungsgruppen zeigte sich auch in der gleichzeitigen Posterausstellung, bei der 108 unterschiedliche Arbeitsergebnisse präsentiert wurden.

Eine englische Zusammenfassung von Herrn Prof. Pongratz und Herrn Dr. Reilich wurde von Herrn Dr. Weber ins Deutsche übersetzt.