Sonntag, 26. Februar 2017 bis Samstag, 4. März 2017

Kleine Figuren steigen aus dem Bildschirm heraus – 3D-Druck

Die Computerfreizeit vom 26.02. bis 04.03.2017 in Gontenschwil/Schweiz machte aus jungen Deutschen und Schweizern 3D-Designerinnen und Designer.

Als Betreuer aus der Generation der Wählscheibentelefone konnte ich den Weg von der geometrischen Zeichnung am Bildschirm bis zum plastischen Objekt aus dem 3D-Drucker mitverfolgen.

Die Workshop-Leiter Aurel und Fabio, beide 17-jährige Gymnasiasten, welche die Kantonsschule in Kreuzlingen auf der schweizerischen Seite des Bodensees besuchen, brachten Laptops, Drucker und verschiedenfarbige Filamente mit – etwa 3mm dicke, glattwandige Kunststoff-Druckerschnüre – aus denen die plastischen Objekte im 3D-Drucker entstehen.

Die Teilnehmenden haben die jungen und sympathischen Kursleiter sehr geschätzt. Die hilfreiche und kompetente Anleitung hat die Teilnehmenden die vier Kurstage hindurch unterstützt und motiviert, so dass einzelne Kinder und Jugendliche über die 6 Stunden Kurszeit hinaus weiter „designt“ haben.

Mit einer mobilen 3D-Modellierungs-Software können geometrische Körper (z.B. Quader, Würfel, Pyramide, Kugel, Kegel) mittels PC-Maus und Tastatur auf der Arbeitsplatte im Raum bewegt, verändert, gedreht, zusammengefügt und zu Objekten „designt“ werden. So entstand Ilonas Schneemann, das Schwert und die Motorsäge von Andri, Andreas Schildkröte und Steinbock, Jonas Reisecar und viele verschieden farbige Objekte der Teilnehmenden aus dem Tag und Nacht leise surrenden 3D-Drucker. Aus der unruhig zitternden Düse trug der Drucker unermüdlich Schicht um Schicht von Bruchteilen eines Millimeters auf, bis quasi aus dem Boden des Geräts wachsend ein greifbares Objekt entnommen werden konnte. Es war jedes Mal ein Ereignis, das alle staunend bewunderten, wenn der Designer oder die Designerin ihr Objekt in den Händen halten und tastend befühlen konnte. Den didaktischen Ablauf des Workshops gestalteten die beiden Kursleiter mit immer wieder neuen Aufgaben so, dass die Teilnehmenden ihre Objekte komplexer gestalten und die Software umfassender nutzen konnten.

Neben dem Workshop erlebten die Teilnehmenden der Computerfreizeit ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm. Ein Höhepunkt war sicher das Hockey-Turnier am Dienstagabend, bei dem drei Mannschaften gegeneinander antraten. Auf unnachahmliche Weise kommentierte Jan das Geschehen auf und neben dem Spielfeld in seinem unverwechselbaren Hamburger-Slang, bis er sich gegen Turnierende heiser gequasselt hatte. Dazwischen kredenzten die fantastischen Köchinnen Köstlichkeiten aus der Küche.

Am Mittwoch fuhren wir mit einem Reisebus, welcher für Rollstuhlreisende eingerichtet ist, nach Luzern ins Verkehrshaus – ein Museum über das Transportwesen der vergangenen Jahrhunderte bis zum heutigen Tag. Im Kino, mit der größten Leinwand in der Schweiz, konnten wir einen in 3D-Technik aufbereiteten Animationsfilm schauen.

Dass die Teilnehmenden am Donnerstagabend mit Spielgeld ihrer Spielleidenschaft im hauseigenen Casino frönen konnten, darüber möchte ich keine weiteren Details verraten. Zu delikat ist der Beinahe-Überfall auf das Casino, ausgeführt von actionliebenden Jugendlichen in ihren Rollstühlen.

Und Lenny, der sagte, die Freizeit sei dazu da, um Spaß mit den Teilnehmenden und Betreuenden zu erleben und die Eltern für eine Woche zu entlasten. Damit sind sicher alle einverstanden, ob sie das erste Mal oder zum wiederholten Male dabei waren. Und sollte ein Kind einmal Heimweh verspüren – die Abwechslung und die gute Betreuung lassen solche Schmerzen bald wieder vergessen. In der Schlussrunde wurden die beiden Köchinnen Edith und Silvia für ihre vorzüglichen Kochkünste gelobt. Auch Marc erhält Applaus für seine umsichtige Gesamtleitung.

Und für die nächste Computerfreizeit wünschen sich die Teilnehmenden einen Film zu drehen oder ein Musical zu komponieren. Eine gewiefte Workshop-Leitung wird sicher Film und Musik zu einem Thema verbinden können – das wäre doch spannend?

Klaus Trottmann, langjähriger Betreuer bei der Computerfreizeit