Dienstag, 4. August 2015 bis Dienstag, 11. August 2015

„Jeder Tag ein großes Highlight“

Das Feuer tanzt, die Augen leuchten und die Marshmallows schmelzen auf der Zunge. Es ist der letzte Abend einer Freizeit die allen, sowohl den muskelkranken Jugendlichen wie den studentischen Betreuern, viel bedeutet hat. Und während wir um das Lagerfeuer sitzend unsere Fruchtsaft-Cocktails schlürfen, spielt sich die Woche noch einmal vor unserem inneren Auge ab.
 

Begonnen hatte sie mit dem Kennenlernen. Für mich bedeutete das eine lebhafte Diskussion zwischen dem Lager der Bayern und dem Lager der Dortmund Fans. Spiele und Tore wurden fieberhaft analysiert, und jeder meinte natürlich, dass der eigene Verein der beste sei. Man ärgerte sich beinahe über den anderen, doch bald merkten wir, dass wir bereits Freunde geworden waren. Je enger wir uns kennenlernten, desto aufgeregter wurden wir. Die anfängliche Nervosität war Vorfreude gewichen.

Zurück zum Lagerfeuer, wo gerade ein Lied angestimmt wird. Gitarrenbeat und Stimmfetzen aller Art klingen durch die Nacht. Lauschend sinne ich weiter über die letzte Woche nach.

Da waren zum Beispiel die Wasserschlachten. Anfang Juli glühte Altdorf bei über 30° C. Nicht auszuhalten. Da war ein wenig Wasser hier und da eine sehr willkommene Abkühlung. Ständig musste man aufpassen, nicht von einer frechen Wasserpistole durchlöchert zu werden. Doch das war noch harmlos. Es war am Ende eines besonders heißen Tages, als wir an einem Springbrunnen vorbeikamen, und uns das kühle Nass unweigerlich anlockte. Da gab es kein Halten mehr. Die nächsten Minuten war ein einziges Spritzen und Planschen. Das freudige Jauchzen wurde nur durch die nächste Wasserladung erstickt. Bald war jeder bis auf die Haut durchnässt. Doch es war gleichzeitig so befreiend. Wir hatten die Hitze besiegt und Spaß gehabt.

Egal, in welcher Situation wir uns befanden, wir nutzten sie voll aus. Als wir auf dem Weg nach Nürnberg fuhren, blieb der Zug plötzlich stehen. Über eine Stunde. Doch was am Ende im Gedächtnis blieb war, dass unser Zug-begeisterter Lorenz den Sitz des Lokführers einnehmen durfte. Solche Momente bleiben als Highlights im Gedächtnis. Kleine, ungeplante Glücksmomente.

Den kleinen Momenten stehen die großen Abenteuer gegenüber. Jeden Tag gab es mindestens ein großes Highlight. Das größte war das Kanufahren. Es brauchte eine Weile, bis alle sicher verstaut und im Wasser waren. Je zwei Betreuer und ein Teilnehmer bildeten ein Team. Unser Schiff hieß „Die rote Perle“, und „Scheich Laurin“ trieb seine Leute hart an. Wir jagten einander, versuchten zu überholen, und stürzten uns in erbitterte Wasserschlachten. Hier blieb keiner trocken. Wer müde war, ruhte seine Arme aus und ließ sich eine Weile treiben. Sanft glitt das Kanu durch die wunderschöne Landschaft. Weiße Felsen, grüne Wälder, blauer Himmel – der Donaudurchbruch bei Kehlheim. Eine Pause lud zum Baden ein. Am Ende des Tages waren wir alle erschöpft aber glücklich.

Das Feuer brannte langsam herunter. Noch glühten die Kohlen. Die Leute drum herum, hatten sich vor einer Woche noch gar nicht gekannt und dann doch eine tolle Zeit miteinander verbracht. Es war eine Freizeit, von der die studentischen Betreuer nicht wussten, was sie erwarte. Es war eine Freizeit für muskelkranke Jugendliche, eine Zeit weg vom Alltag, in der sie neue Erlebnisse sammeln konnten. Was würde mit diesen Teilnehmern möglich sein? Wie wird das mit der Pflege sein? Ich habe gestaunt, was in einer Woche alles passieren kann. Ob mit oder ohne Rollstuhl, wir waren Freunde geworden und haben jeden Moment genossen. Der gemeinsame Abschlussabend am Lagerfeuer zeugte davon, wie sehr wir in dieser Woche zusammengewachsen waren.

Samuel Scharfschwerdt, Betreuer, berichtet aus Altdorf