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Stationäre medizinische Rehabilitation

Stationäre medizinische Rehabilitation bei neuromuskulären Erkrankungen

Bei einer neuromuskulären Erkrankung handelt es sich i.d.R. um einen genetisch bedingten oder ursächlich noch nicht näher geklärten chronischen Prozess, der zu einer fortschreitenden Muskelschwäche und Bewegungsbeeinträchtigung führt.

Da eine effektive kausale bzw. heilende Therapie bis heute nicht möglich ist, sind die Betroffenen auf die symptomatische Behandlung durch Physiotherapie, Orthopädie, Ergotherapie und atemunterstützende Maßnahmen angewiesen. Ziel der Maßnahmen ist, die Folgen einer Muskelschwäche so gering wie möglich zu halten bzw. sie in einem bestimmten Ausmaß zu korrigieren und so die Selbständigkeit länger zu erhalten. Ihr positiver Effekt zeigt sich in der Erhaltung bzw. Kräftigung der vorhandenen funktionsfähigen und intakten Muskulatur, in der Verbesserung der Bewegungskoordination, der Verbesserung von Herz-Kreislauf-Funktionen, der Kontrakturprophylaxe und Verzögerung von Skoliosen und dem Erhalt einer ausreichenden Atemkapazität. Die gezielte physiotherapeutische Behandlung ist daher unentbehrlicher Teil der gesundheitlichen Versorgung von Muskelkranken.

Für eine wirkungsvolle langfristige Behandlung im häuslichen Bereich sind die Mitarbeit des Patienten und eine Unterstützung durch Angehörige und Pflegepersonal unerlässlich und müssen stets angestrebt werden. Hierzu sind Informationen, Anleitung, Schulung und Supervision notwendig. Kontrolluntersuchungen durch Ärzte und Institutionen mit entsprechender Erfahrung sollten daher regelmäßig erfolgen, auch unter dem Gesichtspunkt einer erforderlichen Änderung der Therapie. Ob die kompetente Betreuung der Betroffenen durchgängig ambulant möglich ist oder in Form wiederholter stationärer Behandlungen durchgeführt werden muss, ist eine Frage der individuellen und örtlichen Voraussetzungen.

Generell muss bei rascher Progredienz der Erkrankung mit krankengymnastischen und belastenden Maßnahmen umsichtig verfahren werden. Meist dient bei einem stationären Aufenthalt die erste Zeit dazu, die im Alltag unvermeidlich überlastete Muskulatur so weit zu entspannen, dass sie einer gezielten Behandlung überhaupt wieder zugeführt werden kann. Bei Muskelkranken mit ausgeprägten oder fortgeschrittenen Funktionsausfällen sind nach unserer Erfahrung mehrwöchige (etwa sechs- bis achtwöchige) stationäre Behandlungen i.d.R. in ein- bis zweijährigen Abständen angezeigt. Maßgeblich sind hier die medizinische Verordnung sowie die Gegebenheit des Einzelfalls.

In Anbetracht der relativ geringen Erkrankungshäufigkeit fehlt es niedergelassenen Ärzten und Therapeuten oft an entsprechender Erfahrung. Viele Fachkliniken der medizinischen Rehabilitation verfügen jedoch über Mitarbeiter mit langjährigen Erfahrungen in der genauen Befunderhebung und Aufstellung eines individuellen Therapieplanes für Muskelkranke. Ziel ist hier, die Behandlung nach der Maßnahme ambulant weiterzuführen. Die komplexen physikalischen Maßnahmen und die Erprobung von Hilfsmitteln können im Allgemeinen ebenfalls am besten unter stationären Bedingungen in geeigneten Kliniken erfolgen. Während eines stationären Aufenthaltes kann auch eine zeitweise psychotherapeutische Begleitung von Patienten in Krisen z.B. nach Stellung der Diagnose oder bei Fortschreiten der Erkrankung erfolgen, um die schwierige Anpassung an das Leben mit einer chronischen Erkrankung zu erleichtern und Kräfte für die Bewältigung des Alltags zu mobilisieren.

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