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Außerklinische Beatmung

Entstehung der Atemschwäche

Die wesentlichen Muskeln für die Atmung sind

  • das Zwerchfell,
  • die Zwischenrippenmuskeln,
  • die Bauchmuskulatur,
  • die Muskulatur des Schultergürtels und des Halses.

Die Ruheatmung wird vor allem vom Zwerchfell geleistet. Für jede verstärkte Atemtätigkeit werden die anderen Muskelgruppen gebraucht (z.B. beim Husten)

Ein negativer Einfluss auf die Atmung kann zusätzlich durch eine Verkrümmung des Rückgrats (Skoliose) oder eine sekundäre Herzmuskelschwäche (Kardiomyopathie) entstehen (z.B. bei den Muskeldystrophien Typ Duchenne und Becker)

Restriktive Atemstörungen treten auf im Zusammenhang mit

  • Erkrankungen der Vorderhornzellen (u.a. spinale Muskelatrophien, ALS, Postpoliosyndrom)
  • Erkrankungen der peripheren Nerven (Guillain-Barré-Syndrom, Polyneuropathien)
  • Störungen der neuromuskulären Übertragung (Myasthenia gravis, Lambert-Eaton-Myasthenisches Syndrom)
  • Muskelerkrankungen (Muskeldystrophien, kongenitale Myopathien, Glykogenosen)

Neben den durch die Muskelschwäche bedingten Atemstörungen können auch schlafbezogene Atemstörungen vorhanden sein, selbst wenn am Tag die Lungenfunktion noch völlig ausreichend ist. Schlafbezogene Atemstörungen gehen mit nächtlichen Atempausen einher, die zu einem Abfall der Sauerstoffsättigung im Blut führen und durch wiederholende kurze Aufweckreaktionen eine erhebliche Störung der Schlafqualität bedingen. Ein erholsamer Schlaf ist nicht mehr gewährleistet, selbst wenn formal ausreichend lange geschlafen wird. Langfristig führen schlafbezogene Atemstörungen außerdem nicht selten zu einer Belastung der rechten Herzkammer.

Diagnostik

Die wesentlichen Untersuchungen sind die Lungenfunktionsprüfung, die Blutgasanalyse und gegebenenfalls die Untersuchung des Nachtschlafes im Schlaflabor (Polysomnographie). Mit der Lungenfunktionsprüfung werden die Atemmuskelkraft und die Lungenvolumina untersucht. Mit einer Blutgasanalyse wird untersucht, ob der Körper ausreichend Sauerstoff aufnehmen und ob ausreichend verbrauchte Luft (Kohlendioxid) abgeatmet werden kann.

Häusliche Langzeit-Beatmung

Von häuslicher Beatmung spricht man bei einer vorübergehenden oder dauerhaften Anwendung mechanischer Atemhilfen unter häuslichen Bedingungen der in Pflegeeinrichtungen. Die Beatmung erfolgt mittels der umgebenden Raumluft; der zusätzliche Einsatz von Sauerstoff ist nur in bestimmten Fällen erforderlich. In der Regel werden heute mechanische Atemhilfen eingesetzt, sog. Überdruckbeatmungsgeräte, wobei die Beatmung nicht-invasiv (z.B. Nasen-, Mundmaske) oder invasiv über einen Luftröhrenschnitt (Tracheostoma) erfolgen kann.

Berücksichtigt werden sollten außerdem:

  • der Patientenwille (nach ausführlicher Aufklärung),
  • die Persönlichkeit des Betroffenen und sein allgemeiner Gesundheitszustand,
  • der soziale Hintergrund des Betroffenen,
  • das Vorhandensein einer entsprechenden Infrastruktur (Pflegesituation).

Untersuchungen der Blutgaswerte (am besten während der Nacht) und Lungenfunktionsprüfung sind bereits dann sinnvoll, wenn auch nur eines der subjektiven Symptome vorliegt und noch keine vitale Bedrohung besteht. Eine Einschränkung der Atmung entwickelt sich schleichend und bleibt häufig vom Patienten zunächst unbemerkt.

Ziele der häuslichen Beatmung

Ziele der häuslichen Langzeit-Beatmung sind:

  • die Lebensqualität des Betroffenen zu verbessern und es ihm zu ermöglichen,sein Leben weiterhin wach und aktiv zu gestalten,
  • die Atemfunktion und den körperlichen Allgemeinzustand zu bessern und eine gewünschte Lebensverlängerung herbeizuführen,
  • die sekundären Folgen der Atemschwäche zu vermindern.

Indikationsstellung

Die Indikation zur Beatmung wird in einer Klinik (Beatmungszentrum / Schlaflabor) mit entsprechenden technischen Möglichkeiten gestellt. Neben der subjektiven Symptomatik sind objektive medizinische Befunde wie Lungenfunktion und Blutgaswerte zu berücksichtigen.

Häusliche Beatmung ist dann indiziert, wenn ein Betroffener an folgenden Symptomen leidet und/oder folgende Befunde vorweist:

  • deutlich verringerte Vitalkapazität, gemessen bei der Lungenfunktionsprüfung,
  • nächtliche Schlafstörungen (Alpträume, häufiges Erwachen in den Tiefschlafphasen, Einschlafstörungen),
  • morgendliche Kopfschmerzen,
  • Herzrasen,
  • verstärkte Tagesmüdigkeit,
  • Depressionen,
  • Kurzatmigkeit,
  • vermehrte Infekte,
  • vermehrte, anhaltende Bronchialverschleimung.

Berücksichtigt werden sollten außerdem:

  • der Patientenwille (nach ausführlicher Aufklärung),
  • die Persönlichkeit des Betroffenen und sein allgemeiner Gesundheitszustand,
  • der soziale Hintergrund des Betroffenen,
  • das Vorhandensein einer entsprechenden Infrastruktur (Pflegesituation).

Untersuchungen der Blutgaswerte (am besten während der Nacht) und Lungenfunktionsprüfung sind bereits dann sinnvoll, wenn auch nur eines der subjektiven Symptome vorliegt und noch keine vitale Bedrohung besteht. Eine Einschränkung der Atmung entwickelt sich schleichend und bleibt häufig vom Patienten zunächst unbemerkt.

Aufklärung

Voraussetzung für die Entscheidung zur häuslichen Beatmung ist eine umfassende Information des Betroffenen und seiner ihn pflegenden Angehörigen über Art und Verlauf der Erkrankung, die Konsequenzen einer Beatmung und die Organisation und Finanzierung der notwendigen Beatmungspflege. Das aufklärende Gespräch muss deutlich machen, dass die Progredienz der Erkrankung durch die Beatmung zwar nicht aufgehalten wird, sich aber bei fortgeschrittener Atemschwäche das Allgemeinbefinden deutlich verbessern bzw. stabilisieren kann. Eine frühzeitige Aufklärung, spätestens beim Auftreten erster subjektiver Symptome, verhindert Entscheidungszwänge in Notfällen und ermöglicht eine solide Entscheidung für die häusliche Beatmung.